Die Narbe ist klar zu sehen. Sichelförmig spannt sie sich unterhalb der linken Kniekehle über den Unterschenkel. Trotzdem läuft Timo Glock durch das Fahrerlager als wäre nie etwas geschehen. "Das Bein ist nicht das Problem", erklärt der Hesse seinen Startverzicht. Es ist die Angst vor einem weiteren Unfall und vor den Konsequenzen für seine Wirbelverletzung.
"Wenn es hier beim Start ein Gedränge gibt, ich auf ein anderes Auto auffahre und abhebe, dann wieder lande, dann kann der Wirbel durch sein. Das ganze ist immer noch nicht stabil. So etwas dauert acht Wochen, bis es voll ausgeheilt ist." Glock verzichtete angesichts der ärztlichen Ratschläge auf eine weitere Computertomografie. "Fahren wäre gegangen, aber das Risiko war einfach zu groß."
Freiwilliger Verzicht in Abu Dhabi
So beugte er Gerüchten vor, Toyota hätte ihm nahegelegt zu verzichten, um Kamui Kobayashi eine zweite Chance zu geben. Was immerhin denkbar gewesen wäre, gibt Glock doch zu: "Gehen Sie davon aus, dass ich nächstes Jahr nicht mehr für Toyota fahre." Kobayashi vielleicht schon. Glock weist diese Theorien von sich: "Die Entscheidung lag bei mir. Ich habe alles ausprobiert, aber im Endeffekt musste ich entscheiden was vorgeht: Ein Grand Prix mehr oder die Gesundheit."
Der Kämpfer aus dem Odenwald gibt jedoch zu, dass man in Abu Dhabi möglicherweise nicht die 100 Prozent-Version von Glock gesehen hätte. "Ich habe in den letzten dreieinhalb Wochen nicht so trainiert, wie ich es müsste. Ich bin ein Typ, der relativ schnell Substanz verliert. Das habe ich beim Tennisspielen gemerkt. Nach einer Stunde hing mir die Zunge am Boden." Deshalb weiß Glock auch schon, wie er die dreimonatige Fahrpause im Winter nutzt. "Ich muss mich wieder in Schuss bringen. Bis Weihnachten sollte es so weit sein."
Unterschrift schon nächste Woche
Timo Glock zählt zu den wenigen Fahrer im Feld, die von sich behaupten können, dass sie im nächsten Jahr dabei sind. "Ich bin mir sicher, dass es für nächstes Jahr positiv aussieht." Unterschrieben sei noch nichts, "aber das kann schon nächste Woche so weit sein." Die unfreiwillige Rennpause zum Ende der Saison hat die Pläne auch nicht durchkreuzt: "Das Team, das mich haben will, hat in den ersten 15 Rennen gesehen, was es sehen wollte."
Um welches Team es sich dabei handeln könnte, das will der Rekonvaleszent nicht verraten. Stattdessen streute er etwas Nebel: "Im nächsten Jahr gibt es wieder ein neues Reglement. Da kann theoretisch jeder vorne fahren. Ich würde nicht mal eines der neuen Teams davon ausschließen."
Keine übereilte Entscheidung
Glock gibt zu, dass der Transfermarkt in diesem Jahr konfuser ist als je zuvor. Da stellt sich schon die Frage: Soll ich schnell irgendwo unterschreiben oder warten, bis sich später vielleicht noch eine bessere Option auftut? "In gewisser Hinsicht musst du warten, weil du dazu gezwungen bist. Ich wollte mich auf keinen Fall zu einer schnellen Entscheidung hinreißen lassen, weil für mich wichtig ist, dass ich mich in meinem neuen Team wohlfühle."
Die meisten tippen bei Glocks neuer Adresse auf Renault. Man weiß, dass er auch Kontakt zu Sauber hatte, doch da müsste er warten, bis der Nachfolgerennstall von BMW eine Starterlaubnis für 2010 bekommt. Ob das bereits nächste Woche entschieden wird, ist fraglich. Auch McLaren schwirrte als Gerücht durch den Raum. Und Glock goss mit einer Äußerung Öl in das Feuer der Spekulationen: "Es kann noch eine Überraschung geben."





