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Tony Purnell

Der Vater der Budgetobergrenze

Tony Purnell und Dietrich Mateschitz Foto: dpa 32 Bilder

Am Freitag (15.4.) kommt es zur entscheidenden Diskussion über die Budgetobergrenze. Die Idee dazu kam von FIA-Präsident Max Mosley. Der Mann, der sie für die FIA umsetzte, heißt Tony Purnell. Der Engländer erklärt, wie es dazu kam.

14.05.2009 Michael Schmidt

Tony Purnell ist ein Langsamsprecher. Man muss viel Zeit mitbringen, um sich die Idee der Budgetobergrenze vom ihm erklären zu lassen. Entstanden ist der Gedanke vor drei Jahren. Damals noch als Hirngespinst. FIA-Präsident Max Mosley referierte bei einem Abendessen in Brüssel über ein Budgetlimit als ultimative Kostenbremse. "Sie könnte die Lösung aller unserer Probleme sein. Totale technische Freiheit innerhalb eines bestimmten Rahmens." Damals bremste nur eine Frage den Präsidenten an der Umsetzung: "Es wird sehr schwierig, das zu kontrollieren. Aber irgendwann werden wir soweit sein." Irgendwann ist 2010.

Kostenblase kurz vor dem Platzen

2007 begann sich Mosley über die wirtschaftliche Situation der Formel 1 Sorgen zu machen. Es gab elf Teams, doch mindestens drei hatten mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Es gab sechs Hersteller, die die Kostenspirale immer weiter nach oben trieben. Doch es gab bereits erste Anzeichen, dass die Kostenblase bald nicht mehr finanziert werden kann. "Nach unserer Analyse", so Purnell, "war die Formel 1 nicht so gesund, wie es von außen den Anschein hatte. Wenn uns nur ein Team wegbricht, reduziert sich der Wert der Formel 1 dramatisch." Da kam Mosley auf Tony Purnell zu und gab ihm den Auftrag: "Mach mir ein paar Konzepte, wie wir sparen können."

Der frühere Jaguar-Teamchef präsentierte seinem Chef zwei Lösungen. Die eine war eine Budgetobergrenze mit möglichst viel technischer Freiheit. Die andere waren strenge Einschränkungen in den Bereichen der Fahrzeug- und Motorentwicklung, die viel Geld kosten. Das Ziel war es, dass bei einem Grand Prix wieder 26 Autos am Start stehen. Das geht nur, wenn neue Teams andocken. Wie schwierig das bei Budgets der Top-Teams jenseits von 250 Millionen Euro ist, zeigten die Beispiele Super Aguri und Prodrive. Super Aguri musste nach 39 Starts zusperren. Prodrive gab trotz tatkräftiger Unterstützung von McLaren-Mercedes auf, bevor das Team geboren war.

Plan B: Formel 1-Budgetlimit

Mosley versuchte sein Glück zunächst mit dem Plan B. Im Dezember 2007 verkündete der FIA-Weltrat drastische Einschränkungen bei der Motorenentwicklung, der Windkanalnutzung und bei Testfahrten. Es folgte der Aufschrei der Teams. Tenor: "Das ist nicht mehr die Formel 1." Interessanterweise basieren die Sparvorschläge der FOTA (Formula One Team Association) nun exakt auf dieser Grundidee. Purnell: "Wir sind davon abgekommen. Wenn wir Dinge wie KERS standardisieren, wo bleibt dann noch die Verbindung zur Automobilindustrie?"

Als Mosley merkte, dass er mit einem Einfrieren der Entwicklung bei den Teams, insbesondere den Herstellern, nicht landen konnte, kehrte er zu seiner Idee zurück, wonach alle in einem vorgegebenen Budgetrahmen frei entwickeln können. Motto: Der Cleverste soll gewinnen und nicht der Reichste. Tony Purnell entwickelte zusammen mit den Finanzdirektoren der Teams ein Kontrollsystem. "Es waren realisierbare Regeln. Kontrolle muss sein. Es gibt sie in allen Bereichen des Lebens. Denken sie nur an das Finanzamt oder den Zoll. Da regt sich auch keiner darüber auf."

Teams zeigen sich Reform-unwillig

Es sei typisch für die Formel 1, dass neue Denkansätze zerredet würden. "Auch bei der Einführung des Parc Fermé zwischen Qualifikation und Rennen sagte jeder: Unmöglich, nicht machbar. Inzwischen hat man sich längst daran gewöhnt." Probleme machte die Festlegung der Obergrenze. "Den Einen war sie zu niedrig, den Anderen zu hoch."

Dass eine Ausgabenlimitierung kommen muss, ist für Purnell unumgänglich: "In den nächsten Jahren werden alle Einnahmequellen runtergehen: Die Subventionen der Autokonzerne, die Sponsor-Zuwendungen, die Auszahlungen von Bernie Ecclestone. Wir können nicht ewig um den heißen Brei herumreden. Es muss etwas passieren."

Den Vorwurf der Meisterschaft nach zwei unterschiedlichen Reglements will die FIA nicht auf sich sitzen lassen. Erstens gibt es die Option zur Budgetgrenze nur, weil Ferrari auf sein Veto-Recht pocht. Zweitens gab es in der Formel 1 schon immer eine Zweiklassengesellschaft - sie war nur nicht schriftlich fixiert. "Es gab Teams mit viel Geld und welche mit wenig. Wo ist da der Unterschied?", fragt Purnell.

FIA lässt mit sich reden

FIA-Präsident hat den Teams für die morgige Sitzung in London einen gewissen Verhandlungsspielraum eingeräumt. Man könne, so Purnell, mit sich reden lassen, wenn die Teams lieber ein Stufensystem nach dem Modell 80-60-40 Millionen Pfund haben wollen. Nur mit der Einstiegssumme sei man limitiert: "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, neue Teams anzulocken. Wenn die Summe deutlich über die 40 Millionen Pfund steigt, ist ein Formel 1-Einstieg aus der Sicht von neuen Interessenten nicht mehr attraktiv."

Tatsächlich liegt das Budgetlimit ja gar nicht bei 40 Millionen Pfund. Wenn man die Motorkosten, die Fahrergehälter, die Abschreibungen für Gebäude und Werkzeuge und das Marketing dazuzählt, ist man schnell bei 100 Millionen angelangt. Auch beim Thema Kontrolle zeigt sich die FIA gesprächsbereit. Ferrari, Renault und Red Bull fürchten, dass am Ende ein Kontrollorgan über den Ausgang der Weltmeisterschaft entscheidet. Purnell bezeichnet dieses Argument als Hysterie: "Jede Firma der westlichen Welt wird regelmäßig auf seine Finanzflüsse hin kontrolliert. Eine Selbstkontrolle des Budgets, ausschließlich durch die Teams, ist nicht möglich. Das wäre nicht glaubwürdig darstellbar."

Die FIA warnt nicht nur davor, dass es bereits fünf vor zwölf ist. Sie sieht auch ein Imageproblem auf den Motorsport zukommen, wenn die Teams nicht deutlich sichtbar von ihren dreistelligen Millionenbudgets abrücken. "Es gab Zeiten, da gehörte es zum guten Ton, mit möglichst viel Geld um sich zu werfen. Im Augenblick erleben wir das Gegenteil. Die Gesellschaft reagiert viel sensibler gegenüber verschwenderischen Umgang mit Geld."

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