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Das Top-Speed-Geheimnis von Monza

Ricciardo mit 362,1 km/h auf der Zielgeraden

Daniel Ricciardo - GP Italien 2014 Foto: xpb 26 Bilder

Ausgerechnet Red Bull stand in Italien ganz oben in der Top-Speed-Tabelle. Daniel Ricciardo heizte mit 362,1 km/h über die Zielgerade von Monza. Der große Sprung zum Training lag nicht nur im Windschattenfahren begründet. Mercedes-Chefdesigner Aldo Costa erklärt das Top-Speed-Geheimnis.

12.09.2014 Michael Schmidt

Ausgerechnet Red Bull. Das Auto, das auf der Geraden eigentlich immer zu den Langsamsten zählte. Mit einem Motor, der selbst im Team heftig kritisiert wird. Der Renault V6-Turbo soll zwischen 40 bis 80 PS weniger mobilisieren als der Mercedes-Motor. Je nachdem, wem man gerade zuhört bei Red Bull. Und trotzdem hat Daniel Ricciardo in Monza für diese Saison den Top-Speed-Rekord aufgestellt.

Um 15.03 Uhr Ortszeit eilte der Red Bull-Pilot mit 362,1 km/h durch die Messstelle am Ende der Zielgeraden. Der Force India von Sergio Perez hatte Ricciardo Windschatten gespendet. DRS war offen, und die Elektromotoren gaben alles ab, was sie hatten.

Interessanterweise kam Teamkollege Sebastian Vettel nur auf 339,9 km/h. Ihm fehlte der Windschatten und DRS in der Phase, als das Auto leicht war. Und er kam in der Schlussphase wegen abbauender Reifen viel langsamer aus der Parabolica. Auf dem Zielstrich war Ricciardo um 6,4 km/h schneller.

Ferrari Top-Speed im Rennen langsamer als im Training

Red Bulls Rekord und die teilweise deutlichen Top-Speed-Unterschiede zwischen Teamkollegen sind nicht das einzige Rätsel im Rennen um die höchste Geschwindigkeit. Sieben der elf Teams konnten ihre Top-Speed-Werte im Rennen steigern, was wegen des Windschattenfahrens logisch ist. Doch warum waren Ferrari, Lotus, Caterham und Marussia im Rennen langsamer unterwegs als im Training?

Bei Lotus, Caterham und Marussia könnte man es damit erklären, dass sie bereits in der Qualifikation vom Windschatten profitiert haben. Sie sind allesamt im Q1 ausgefallen, waren also im dichten Verkehr auf der Strecke. Während die Top-Teams im Q1 eine möglichst freie Runde suchen, hängen sich die Abstiegskandidaten auf der Geraden gerne an die schnellen Autos an, um gezogen zu werden.

Bei Ferrari gibt es keine vernünftige Erklärung. Fernando Alonso war mit 347,0 km/h im Rennen um 3,1 km/h langsamer als im Training. Kimi Räikkönen verlor sogar 9,3 km/h. Dabei hatte der Finne gerade in der Schlussphase, als er auf die Gruppe mit Perez und Button aufschloss, Windschatten und DRS.

Gut möglich, dass Ferrari Benzin sparen musste oder nicht wie die anderen in der Lage war, im Rennen den Elektro-Boost auf voller Power laufen zu lassen. Nach dem Ausfall von Alonso wegen eines Ers-Problems, durfte Räikkönen in der Schlussphase vermutlich nicht ans Limit gehen.

V6-Turbos nicht gebremst durch Drehzahllimit

Bei den meisten anderen Teams fielen teilweise eklatante Top-Speed-Sprünge zwischen Training und Rennen auf. Viel mehr als in der Vergangenheit. Red Bull steigerte sich um 16,8 km/h, Toro Rosso um 9,9 km/h, McLaren um 8,9 km/h und Williams um 7,8 km/h.

Bei Mercedes betrug der Top-Speed-Zuwachs nur 4,7 km/h, was daran liegt, dass Nico Rosberg und Lewis Hamilton in der zweiten Rennhälfte allein unterwegs waren. Im Training zeigten die Silberpfeile, was sie können. Rosberg markierte mit 353,9 km/h den höchsten Wert.

DRS taugt nicht als Erklärung für die höheren Geschwindigkeiten auf der Geraden im Rennen. Die Fahrer dürfen den Heckflügel an den zwei DRS-Stellen auch im Training flachstellen. Bei den Monza-typischen Mini-Flügeln tritt der DRS-Effekt ohnehin deutlich geringer ein als bei Flügeln für mehr Abtrieb. "Der Top-Speed-Zuwachs ist mit den Monza-Flügeln um 40 Prozent kleiner als sonst", verrät Mercedes-Chefdesigner Aldo Costa.

DRS gab es auch schon in den letzten Jahren. Und trotzdem fallen die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Training und Rennen im Vergleich zu früher stärker aus. Costa führt drei Gründe an. "Mit den V8-Motoren bist du im Windschatten schnell im Begrenzer gelandet. Die V6-Turbos haben Luft nach oben. Normalerweise drehen sie nicht höher als 12.500/min. Das Drehzahllimit liegt aber bei 15.000/min." Außerdem sind die hohen Gänge länger übersetzt als in der V8-Ära. "Wir könnten 390 km/h fahren, wenn wir 1.400 PS hätten", scherzte Jenson Button.

Und dann spielt da noch eine Eigenheit der Hybridtechnik mit hinein. In der Qualifikation wird die Leistungsabgabe der Elektromotoren auf die optimale Rundenzeit hin programmiert. Der Saft aus der MGU-H fließt dann nicht unbedingt in die Steigerung des Top-Speeds. Im Rennen kann der Fahrer mit dem Overboost-Knopf die gesamte MGU-H Power auf das Ende der Geraden legen. Und dann liegt die Maximalleistung dort an, wo sie Top-Speed bringt.

In der Fotoshow haben wir die Geschwindigkeitsrekorde aus verschiedenen Rennserien gesammelt.

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