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Toro Rosso STR10 für 2015 im Technik-Check

Schlankes Heck wird noch kompakter

Toro Rosso - STR-10 - Technik-Check - Formel 1 - 2015 Foto: xpb 25 Bilder

Der Toro Rosso STR10 zeigt jetzt schon viele interessante Technik-Details. Dabei wird sich das Auto bis zum Saisonstart in Melbourne noch stark verändern. Wir haben den neuen Renner in unserem Technik-Check genauer untersucht.

16.02.2015 Tobias Grüner

Toro Rosso-Teamchef Franz Tost sprach bei der Präsentation des STR10 vom besten Toro Rosso der Firmengeschichte. "Er sieht schön und sauber aus, und er wird auch schnell sein." Mit einer Behauptung hat Tost Recht. Der neue Toro Rosso ist optisch ein ansprechendes Auto. Was auch an der langen Nase liegt. Die kommt aber laut Technikchef James Key bis zum Saisonauftakt in Melbourne noch weg. Eine kurze Nase ist bereits in Konstruktion, hat den Crashtest aber noch nicht bestanden.

Der neue Toro Rosso bekommt noch ein Lob. Ausgerechnet von Williams-Technikdirektor Pat Symonds: "Er hat die schönsten Seitenkästen, die ich bis jetzt gesehen habe. Klare Linien, sehr effizient." Auch da muss Key seinen Kollegen von Williams enttäuschen: "Die Seitenkästen werden noch kleiner. Wir sind da wegen der Kühlung noch auf der konservativen Seite." Der Engländer bilanziert: "Nur mit der Mechanik sind wir schon auf dem Stand Melbourne."

Das fiel uns auf

In der Seitenansicht ist der Toro Rosso das bislang längste Auto im Feld. Sein Radstand schlägt knapp den seiner Artgenossen Red Bull, Williams und Lotus. Die Länge hilft den Ingenieuren die Seitenkästen früh auf eine geringe Höhe zu bringen. Wegen der flachen Seitenteile im Heck wirkt die Airbox ziemlich mächtig.

Interessanterweise geht Toro Rosso im Bereich der Motorabdeckung und Seitenkästen einen anderen Weg als das Schwesterteam Red Bull. Das überrascht, weil die Installation der Antriebsquelle auf Wunsch von Renault praktisch identisch ausgefallen ist. Es führen offenbar zwei Wege zum Ziel.

Noch etwas fällt beim Seitenvergleich auf. Der Toro Rosso ist das einzige Auto, bei dem die Chassisoberseite bis zum Cockpitrand hin stetig ansteigt. Während die Chassislinie bei Red Bull, McLaren, Lotus oder Williams früh den höchsten Punkt von 625 Millimeter erreicht und ab dann gerade bis zum Cockpit verläuft, ist es beim STR10 eine immer leicht ansteigende Linie von der Nasenspitze bis zum vorderen Überrollbügel. Es ist jedoch klar erkennbar, dass es sich auf den letzten 30 Zentimetern nur um eine Abdeckung und keine Karbonstruktur handelt.

Die Frontpartie - lange Nase wird noch kurz

Die Nase ähnelt denen von Ferrari und McLaren. Mit der kleinen Spitze in der Mitte ist sie fast eine 1:1 Kopie des neuen Ferrari. Auch mit deutlichem Überhang über den Frontflügel. Auf der Unterseite allerdings stärker ausgehöhlt als die beiden Vergleichsobjekte. Die Kurzversion hat den ersten Crashtest nicht bestanden. Mercedes kennt das Problem. Die Weltmeister haben im letzten Jahr 4 Anläufe gebraucht.

Toro Rosso hat vorausschauend eine Testnase gebaut. Nicht auszudenken, wenn man wegen des nicht bestandenen Crashtests Jerez hätte auslassen müssen. Die Debütanten Max Verstappen und Carlos Sainz junior brauchen dringend Kilometer.

Die TV-Kameras wachsen nach Mercedes-Vorbild wie Ohren aus der Nase. Der Frontflügel trägt die Handschrift von Red Bull. Mit fünf Elementen unten und drei in der oberen Etage. Die Querlenker der Vorderachse sind kleine Flügel für sich. Wunderschön gemacht. Die Lenkstange liegt dabei direkt vor dem oberen vorderen Querlenker. Im Gegensatz zu fast allen anderen Autos steigen die Querlenker der Vorderachse vom Radträger zum Chassis nicht an. Der obere verläuft exakt parallel zur Straße, der untere ist ganz moderat angewinkelt.

Zwischen den Achsen - Airbox mit zwei Öffnungen

Die Seitenkästen sind wie bei Toro Rosso üblich vorne extrem stark eingezogen. Deshalb haben die Kühleinlässe die Form von Ohren. Die vorne bis hoch zum Cockpit reichenden Seitenteile senken sich schnell ab und verlaufen schon auf dem letzten Meter vor den Hinterreifen extrem tief.

Laut James Key sollen die Seitenkästen auch noch an Volumen verlieren, sobald man sich mit der Kühlung des Renault V6-Turbo und seiner Elektromotoren auf der sicheren Seite wähnt. Viel Platz auf der Bodenplatte zeigt, dass die Seitenkästen hinten nicht nur niedrig, sondern auch schlank sind.

Erst wenn die Seitenteile ihre endgültige Form erhalten, werden Seitenflügel und Leitbleche komplettiert. Ein Bügelflügel fehlt bis jetzt völlig. Dafür gibt es wie schon 2014 über dem Kühleinlass je zwei vertikale Strömungsausrichter. Die Airbox ist in zwei Kanäle unterteilt. Der obere Schacht des ovalen Einlasses führt wie die seitlich an der Motorabdeckung angebrachten Öffnungen zum Getriebeöl- und ERS-Kühler. Der untere Teil der Luftzufuhr fächelt dem Motor Atemluft zu.

Das Heck - Heckflügel auf einer Stelze

Die Seitenverkleidung des STR10 wölbt sich hinten auf der Oberseite nach außen, damit die Querlenker der Hinterachse und der Pullrod möglichst schnell darunter verschwinden. Die heiße Kühlluft darf rund um den Auspuff und daneben ins Freie. Diese Öffnungen sehen noch reichlich überdimensioniert aus. Auch da wird Toro Rosso reagieren. Wetten dass die Verkleidung oberhalb des Diffusors bis Melbourne viel enger anliegt.

Der Heckflügel mit seinen mächtigen Endplatten steht wie im Vorjahr auf einer filigranen Stelze in der Mitte. Davon zweigt kunstvoll ein Arm nach hinten ab, der den zweiteiligen Monkey Seat aufnimmt. Die hintere Crashstruktur macht unterhalb des Auspuffs eine starke Delle. Hier wäre noch Platz, den Auspuff nach unten zu rücken oder unterhalb des Endrohrs einen weiteren Monkey Seat anzubringen.

Technik-Fazit zum Toro Rosso STR10

Beim ersten Test in Jerez bewegte sich der Toro Rosso auf seinem Stammplatz: im hinteren Mittelfeld. Das muss nichts heißen. Das Auto soll sich bis zum GP Australien noch stark verändern, und Renault muss seine Standfestigkeitsprobleme in den Griff bekommen. Das größte Handikap wird anfangs die Unerfahrenheit der beiden Neulinge im Cockpit sein. Das Saisonziel Platz 5 scheint uns deshalb sehr ambitioniert.

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