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Toto Wolff erklärt

So kam Pascal Wehrlein zu Manor

Pascal Wehrlein & Toto Wolff - 2015 Foto: Wolfgang Wilhelm 27 Bilder

Pascal Wehrlein ist der vierte Deutsche im Formel 1-Feld. Der DTM-Meister nimmt 2016 eine Doppelrolle ein: Stammfahrer bei Manor, Entwicklungsfahrer bei Mercedes. Teamchef Toto Wolff klärt auf, wie es dazu kam.

16.02.2016 Michael Schmidt

Fast ein Fünftel des Formel 1-Feldes spricht Deutsch. Pascal Wehrlein macht in diesem Jahr aus dem Formel 1-Trio ein Quartett. Der 21-Jährige aus Sigmaringen steht seit letzter Woche als Stammfahrer bei Manor-Mercedes fest. Wehrlein konnte im Gegensatz zu den anderen Kandidaten Rio Haryanto, Alexander Rossi oder Will Stevens nicht mit einer üppigen Mitgift glänzen. Er profitiert davon, dass Manor unter seinem neuen Teamchef Dave Ryan den Absprung ins Mittelfeld schaffen will.

Manor ist kein Hinterbänkler mehr

Als der Mercedes-Plan reifte, seinen Entwicklungsfahrer bei Manor zu installierten, stand zunächst natürlich die Geldfrage im Vordergrund, wie Teamchef Toto Wolff zugibt: "Man muss Verständnis dafür aufbringen, dass sich die Teams so gut wie möglich refinanzieren wollen. Deshalb war die Motorenlieferung an Manor unabhängig von der Fahrerfrage. Und deshalb haben wir da auch keinen Druck ausgeübt."

Doch nur auf das Thema Geld wollte Manor bei der Fahrerwahl auch nicht setzen: "Als dann Dave Ryan zu Manor kam, hat es sich immer mehr herauskristallisiert, dass sie auf der Fahrerseite eine feste Größe und eine Messlatte haben wollen. Um zu wissen, was das Auto kann", erklärt Wolff. "So haben wir uns vor Weihnachten an den Tisch gesetzt und damit begonnen über die Rahmenbedingungen zu diskutieren. Jetzt haben wir gesagt: Lass es uns probieren."

Manor hat sich über den Winter fit gemacht für die Saison 2016. Ein aktueller Mercedes-V6-Turbo löst den Ferrari-Motor ab, der ein Jahr alt war. Williams stellt das Getriebe und die Hinterachse bereit. Im Technikbüro arbeiten mit den früheren Ferrari-Mitarbeitern Nikolas Tombazis und Pat Fry Hochkaräter. Das klingt nicht mehr nach Hinterbänkler-Team.

So sieht es auch Wolff: "Die haben ambitionierte Pläne, um das Team nach vorne zu bringen. Das Team ist ausreichend finanziert. Sie haben eine gute technische Truppe an Bord. Der Mercedes-Motor wird sie nach vorne bringen. Und jetzt haben sie auch noch einen guten Piloten. Die erfahrenen Leute im Team wussten, dass die beste Entwicklung nichts bringt, wenn du keinen im Auto hast, der das Gaspedal durchdrückt."

Wolff traut Wehrlein WM-Punkte zu

Die ehrgeizigen Pläne von Manor steigern auch die Erwartungshaltung. "Manor hatte im letzten Jahr mit der Sanierung des Teams zu kämpfen, mit einem Ferrari-Motor, der ein Jahr alt war und einem Chassis, das kaum entwickelt wurde. Da sind heute ganz andere Voraussetzungen gegeben. Manor nutzt jetzt auch unseren zweiten Windkanal in Brackley. Insofern kann man einen großen Sprung erwarten. Ich traue ihnen WM-Punkte zu", sagt Wolff.

Seinen Schützling traut Förderer Wolff generell alles zu. Manor soll ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter des Supertalents sein. "Ich habe Pascal kennengelernt, als er 14 Jahre alt war. Da wurde er mir von Peter Mücke vorgestellt. Er fuhr gerade seine letzte Kart-Saison, die außergewöhnlich war. Im zweiten Jahr hat er die ADAC Masters-Serie gewonnen und war in der Formel 3 sofort konkurrenzfähig. Als es dann um die Meisterschaft ging, haben Gerhard Ungar und ich entschieden, ihn in die DTM zu holen. Von da an war er auch da ein Leistungsträger."

Pascal Wehrlein - DTM Hockenheim - 2015Foto: Wilhelm
In seiner dritten DTM-Saison feierte Pascal Wehrlein 2015 den Meistertitel.

"Einen DTM-Titel zu gewinnen zeugt nicht nur von seinem unheimlichen Speed, sondern auch von einer Fähigkeit, die viele von den großen Rennfahrern haben: Er kann eine Meisterschaft gewinnen. Das heißt: An schlechten Wochenenden Punkte mitzunehmen, Kollisionen zu vermeiden. Das sind wichtige Fähigkeiten, die man auch bei Weltmeistern sieht."

Die Formel 1 ist für Wehrlein kein Neuland. Bei Mercedes und Force India hat der amtierende DTM-Champion im letzten Jahr 2.824 Testkilometer abgespult. Und nicht nur das. Wolff: "Er war nicht nur von den Rundenzeiten auf dem richtigen Niveau, sondern auch von der Konstanz. Und er ist endlose Tage bei uns Simulator gesessen und hat nebenbei verschiedene Ausbildungsstufen mitgemacht."

"Ganz ähnlich wie mit Bottas bei Williams, haben wir auch bei Pascal ein Programm auf die Beine gestellt, das ihm helfen sollte ein kompletter Rennfahrer zu werden. Er hat im Laminier-Shop der Karbon-Herstellung gearbeitet, bei der Teilefertigung, mit den Ingenieuren. Da lernt man dann, dass es zwei Wochen dauert, einen neuen Frontflügel herzustellen. Dadurch entwickelt sich eine Demut für die Arbeit, die im Hintergrund geleistet wird."

Wehrlein in einer Doppelrolle unterwegs

Wehrlein hat in der Saison 2016 viel zu tun. In Abstimmung mit Manor bleibt der Debütant auch noch Entwicklungsfahrer bei Mercedes. Die Doppelrolle kann dazu führen, dass er im Fall der Fälle sogar im Mercedes sitzt. Gesetzt den Fall, Mercedes bräuchte einen Ersatzpiloten, weil Rosberg oder Hamilton krank sind, muss sich Mercedes entscheiden.

Toto Wolff erklärt das Procedere: "Wenn es mit viel Vorlauf geschieht, wird man mit Manor und Pascal eine Lösung finden. Wichtig ist, dass Manor in diesem Fall keinen Schaden erleidet. Wir wollen Pascal dort nicht von heute auf morgen abziehen. Sollte die Situation kurzfristig eintreten, wäre Esteban Ocon eine Alternative für uns. Er kennt den Mercedes-Simulator, und für ihn wurde auch schon ein Sitz angefertigt. In so einem Fall würden wir sicher mit Renault eine Einigung erzielen. Da gibt es ein gutes Einverständnis."

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