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Toyota-Pilot Timo Glock

"Am Dienstag entscheide ich, ob ich fahre"

Timo Glock Foto: dpa 72 Bilder

Toyota-Pilot Timo Glock musste wegen seines Trainingsunfalls in Suzuka auf den GP Brasilien verzichten. Im Augenblick arbeitet er in der Sportklinik Bad Nauheim an einem Comeback in Abu Dhabi. Die Entscheidung fällt nächsten Dienstag (27.10.), verriet der Toyota-Pilot auto-motor-und-sport.de im Interview.

22.10.2009

Wie geht es Ihnen?
Glock: So weit okay. Ich bin normal am Rumlaufen, bin gestern Kart gefahren, das hat funktioniert ohne Schmerzen.
 
Macht Ihr verletztes Bein noch Ärger?
Glock: Wir haben viel Zeit gebraucht, um die ganze Flüssigkeit aus dem Bein zu kriegen. Es ist immer noch nicht alles draußen, weil die in Japan in meinen Augen keinen optimalen Job gemacht haben. Die haben die Wunde einfach zugenäht und nicht wirklich geschaut, ob da noch kleine Blutgefäße beschädigt waren. Dr. Peil hier in der Sportklinik in Bad Nauheim war schnell klar, dass da das eine der andere Blutgefäß beschädigt war, bei der Menge Flüssigkeit, die sich in meinem linken Bein angesammelt hatte. Deshalb hat es auch nachgeblutet. Und dadurch entwickelte sich ein riesiger Blutgerguß in dem Bein.

Was konnten Sie dagegen tun?
Glock: Nachdem die Fäden gezogen wurden, die sie mir da in Japan reingezwängt haben, ging die Physiotherapie los. Seitdem haben wir große Fortschritte gemacht. Im Moment geht‘s, ich habe zwar ein bisschen Kraft verloren im linken Bein, aber ich bin schmerzfrei. Die Jungs von Dr. Peil haben da echt einen super Job gemacht. Am Anfang habe ich echt gedacht, das dauert ewig, weil sich da gar nichts getan hat. In Brasilien wäre es schwierig geworden, mit dem Bein zu fahren.
 
Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Glock: Ich fahre jeden Tag in die Sportklinik nach Bad Nauheim, bin gegen neun, zehn Uhr dort und fahre abends um fünf, sechs wieder heim. Dazwischen sind zwei bis drei Stunden Physiotherapie für das Bein angesagt und viel Krafttraining, um Substanz zurückzugewinnen. Das füllt den ganzen Tag aus.
 
Wie geht es der Wirbelsäule?
Glock: Das ist ein blödes Thema, weil du nichts merkst. Deshalb denkst du immer, dass dir nichts fehlt. Im Hinterkopf ist aber das Wissen, dass die Wirbel gestaucht sind. Das ist schon eine heikle Nummer.
 
Wie kam die Verletzung überhaupt zustande?
Glock: Der Einschlag war frontal mit einer Verzögerung von 27 g. Das zieht dich in den Gurten ganz schön nach vorne. Stellen Sie sich vor, dass Sie zwei Würfel übereinanderliegen haben, die sich abrupt mit großer Kraft nach vorne bewegen. Da kommt dann so ein großer Druck auf die Kanten, dass es die Dinger zusammenstaucht.
 
Wie kann man das ausheilen?
Glock: Da kann man von außen nicht viel machen. Ich muss einfach warten, bis diese Stauchung weg ist. Verschiedene Ärzte haben sich das Thema angeschaut, und sie meinen, dass ich damit schon fahren könnte, aber wenn du noch mal einen Einschlag in die gleiche Richtung hast, dann kann da auch mal was kaputtgehen, wenn es vorher nicht hundertprozentig ausgeheilt ist. Deshalb werde ich mir in den nächsten Tagen meine Gedanken machen, noch mal mit Dr.Peil reden und dann in Ruhe entscheiden.
 
Wie lange dauert es bei einem normalen Menschen, bis so etwas ausgeheilt ist?

Glock: Vier bis fünf Wochen wird es schon dauern. Ich weiß nicht, ob es bei einem Sportler schneller geht. Es kommt wahrscheinlich immer auch auf den Körperbau an. Ich hatte mal eine Verletzung am Handgelenk nach einem GP2-Unfall in Monza, die normalerweise in sechs bis sieben Wochen ausheilen hätte sollen. Ich war schon nach vier Wochen wieder fit. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen.
 
Wieso hat man in Japan nichts von der Wirbelsäulenverletzung gemerkt?
Glock: Die haben auf der Computer-Tomographie etwas gesehen, wie ich im Nachhinein mitbekommen habe, aber zu mir haben sie in der Hinsicht nicht viel gesagt, was ich etwas schade fand. Aber vielleicht lag es ja auch an der Sprachbarriere.
 
Wann wissen Sie, ob Sie in Abu Dhabi fahren?
Glock: Am Dienstag nächste Woche.
 
Ist es problematisch für Sie, dass Sie gerade in der heißen Transferphase fehlen?

Glock: Das kannst du von zuhause aus auch regeln. Es gibt ja Telefone. Es kommt nicht unmittelbar auf diese zwei Rennen an. Die Leute sind schon vorher auf mich aufmerksam geworden. Die sind auch alle so fair und sagen: Riskier nichts und seh zu, dass du körperlich fit bist. Die haben vorher schon ihre Entscheidung getroffen und müssen mich nicht mehr im Auto sehen. Da setzt mich keiner unter Druck.
 
Wo haben Sie sich den GP Brasilien angeschaut?
Glock: Daheim, auf der Massagebank. Mein Physio Axel war da, wir haben zusammen das Rennen angeschaut, und haben gleichzeitig etwas für das Bein getan.
 
Wie hat Ihnen der Grand Prix gefallen?

Glock: Generell war das Rennen schon spannend, aber als Rennfahrer bist du als Fernsehzuschauer natürlich immer etwas genervt. Ich wäre schon lieber im Auto gesessen.
 
Ist Jenson Button ein würdiger Weltmeister?
Glock: Auf jeden Fall. Er war zwar zum Schluss nicht mehr so dominant wie am Anfang des Jahres, aber so etwas kann passieren im Verlauf der Saison, wenn sich die Autos so stark verändern wie in diesem Jahr. Vielleicht haben die Entwicklungsschritte bei Brawn GP dem Barrichello besser gepasst als dem Jenson. Aber Jenson hat im Rennen immer wieder das Maximale rausgeholt, und ich kann mich an keinen Fahrfehler von ihm in den Rennen erinnern. Er ist mit den wenigsten Fehlern Weltmeister geworden.
 
Wieso ist der vorher so launische Toyota seit dem GP Singapur konstant gut?

Glock: Wir haben das Auto zum Schluss nochmal weiterentwickelt, wo sich andere Teams vielleicht bereits zu 100 Prozent auf 2010 konzentriert haben und stehengeblieben sind. Wie zum Beispiel Ferrari oder Renault. Außerdem liegen Kurse wie Singapur, Suzuka und Interlagos unserem Auto. Auf diesen Strecken haben wir schon letztes Jahr gut ausgesehen.
 
Wie beurteilen Sie das Debüt Ihres Ersatzmannes Kobayashi?

Glock: Er hat einen guten Job gemacht. Gegen Button hat er sich gut verteidigt. Leider hat er aus der guten Position keine Punkte mitgenommen. Es hat ihm dann vielleicht doch ein bisschen Speed gefehlt, was aber auch mit seiner mangelnden Rennerfahrung zu tun haben kann. Als Button vorbei war, ist er deutlich weggefahren. Aber trotzdem: Kobayashi hat gekämpft, er hat seine Chance genutzt.
 
Wie sehen Sie den Unfall zwischen Ihrem Teamkollegen Jarno Trulli und Adrian Sutil?

Glock: Ich will da keinem eine Schuld zuweisen. Das war eine 50/50-Sache. So eindeutig dran schuld war der Adrian nicht. Vielleicht hat er nicht genügend in den Spiegel geschaut, das tut er ja nicht immer, und vielleicht hat er mit dem Jarno an der Stelle auch nicht gerechnet, und der ist dadurch auf den Randstein gekommen und abgeflogen.

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