Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Trainingsanalyse GP Australien

Red Bull demontiert die Konkurrenz

Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - 15. März 2013 Foto: Grüner 89 Bilder

Das war ein Schock für die Gegner von Red Bull. Sebastian Vettel markierte trotz Problemen zwei Bestzeiten. Nach dem ersten Trainingstag scheint das Weltmeisterteam drückend überlegen. Vor Ferrari, Mercedes und Lotus. McLaren ist ins Tal der Hoffnungslosigkeit abgerutscht. Unsere erste Analyse sieht Red Bull klar in Front.

15.03.2013 Michael Schmidt

Die Formel 1 hat eine erste Richtung. Sebastian Vettel gab mit zwei Bestzeiten die Antwort auf die Frage, wer in diesem Jahr Favorit auf den WM-Titel sein könnte. Fernando Alonso hatte Recht mit seiner Ansage, dass in diesem Jahr nur die Top-Teams für Siege in Frage kommen. Nach dem ersten Trainingstag muss sich Alonso allerdings die Frage stellen, ob überhaupt einer diese Red Bull schlagen kann. Man fühlt sich an die Saison 2011 erinnert.
 
Noch etwas ist alarmierend. Die Abstände im Feld sind nicht kleiner, sondern dramatisch größer geworden. Das fünfte Jahr des bestehenden Aerodymamikreglements hat das Feld entgegen jeglicher Logik nicht enger zusammenrücken lassen.

Formel 1-Feld in fünf Gruppen

Die elf Teams sind in fünf Gruppen zerfallen. Vorne Red Bull. Dann Ferrari, Mercedes und Lotus. Red Bulls Verfolger haben auf die nächsten Gruppe mit McLaren, Force India und Sauber fast eine Sekunde Luft. Dahinter streiten sich Toro Rosso und Williams um Platz acht. Marussia hat im Tabellenkeller die besseren Karten.

Nach den Testfahrten stocherten die Teams noch ziemlich im Nebel. Mercedes und Ferrari machten den besten Eindruck. McLaren und Lotus hatten noch Rückstand. Und Red Bull deckte seine Karten nicht auf. Nach zwölf Testtagen rätselte der Expertenrat: Wie viel Luft nach oben haben die Titelverteidiger?

Der erste Trainingstag zum GP Australien lieferte die Antwort: Viel. Red Bull machte das Tempo. Auf eine Runde deutlich mehr als in der Rennsimulation. Da bewegte sich Alonso praktisch auf Vettel-Niveau. Auf Vettels schnellster Runde lieferte KERS ab Kurve neun nicht die volle Power, und die superweichen Reifen hatten schon drei Runden auf der Lauffläche. Das kostete in seiner schnellsten Runde Zeit. Trotzdem war Vettel 0,264 Sekunden schneller als Teamkollege Mark Webber.

Nico Rosberg fehlten bereits 0,414 Sekunden. Alonso lag acht Zehntel zurück. Red Bull-Berater Helmut Marko versuchte den Ball flach zu halten: "Man darf das jetzt nicht überbewerten, weil wir nicht wissen, wie viel Sprit die anderen bei ihren schnellen Runden an Bord hatten. Es sieht aber generell gut aus." Auch Vettel stapelte tief: "Nicht so schlecht dafür, dass ich meine schnellste Zeit in der dritten Runde gefahren bin."

Red Bull mit alten Flügeln

Erschreckend sind die Abstände zu Red Bull. Sebastian Vettel fuhr seine Bestzeiten mit spielerischer Leichtigkeit. Der Weltmeister war auch in allen drei Sektoren das Maß aller Dinge. Sein Red Bull war allerdings mit den Flügeln aus dem Beginn der Testphase bestückt.

Offenbar hatten die Entwicklungsteile, die an den letzten beiden Tagen in Barcelona zum Einsatz kamen, ihre Wirkung verfehlt und waren an den Balanceverschiebungen schuld. Marko schreibt den Abstand zur Konkurrenz Vettel zu: "Das war wieder eine seiner Superrunden. Um Platz zwei erwarte ich ein hartes Rennen zwischen Webber, Räikkönen, den Mercedes und den Ferrari."

Alonso war in seiner schnellen Runde nur in den ersten beiden Sektoren bei der Musik. Im dritten brachen die Reifen ein. Da verlor er eine halbe Sekunde auf Vettel. Doch Alonsos Reifensatz war erst eine, Vettels schon drei Runden alt.

Ferrari-Chefdesigner Nicolas Tombazis klammerte sich deshalb an die Dauerläufe: "Red Bull sieht stark aus. Aber das haben wir nicht anders erwartet. In den Longruns haben wir gut ausgesehen. Auf eine Runde ist die Reifenfolge unter den Top 4 schwer abzuschätzen, weil wir die Benzingewichte nicht kennen."

Mercedes halbwegs zufrieden

Bei Mercedes ist man halbwegs zufrieden. Der Speed auf eine Runde stimmt, wenn man bedenkt, dass der Abstand zur Spitze im letzten Jahr zwei Sekunden betrug. "Fürs erste sind wir nicht so schlecht", urteilte Niki Lauda. "Hamilton war bis zu seinem Fehler zwei Zehntel schneller als Rosberg. Er wäre also näher an den Red Bull dran gewesen."

Hamilton bezahlte später für seinen Abstecher durch die Wiese. Die vordere Kufe des Unterbodens war gebrochen. Die Mercedes-Mechaniker bemerkten den Schaden an der Box, doch Hamilton wurde zu spät gewarnt. Er landete untersteuernd im Kiesbett.

Auch Rosbergs Getriebeschaden war ein Problem mit Ansage. Die Ingenieure konnten auf der Telemetrie Ölverlust feststellen und baten Rosberg über Funk, das Auto abzustellen. Damit fielen Dauerläufe ins Wasser. Im Morgentraining hatten die Mercedes auf die Distanz eine ordentliche Figur gemacht.

Alarm bei McLaren

TV-Experte Martin Brundle stellte am Streckenrand fest: "Die Rundenzeiten decken sich mit meinem Eindruck. Red Bull ist eine Klasse für sich. Dann kommen Ferrari und Mercedes. Bei McLaren sieht man, wie instabil das Heck ist." Jenson Button und Sergio Perez schafften es nicht einmal in die Top Ten. Dem Auto fehlt Grip auf der Hinterachse.

"Wir verstehen das Auto nur in Teilen", jammerte Teamchef Martin Whitmarsh. Untersteuern in schnellen Kurven, keine Traktion in langsamen. Button fehlten 2,2 Sekunden. Whitmarsh macht sich Sorgen: "Wir konnten weder von der schneller werdenden Strecke profitieren, noch von den weichen Reifen oder Setupänderungen."

Sauber kämpft mit McLaren und Force India

McLaren, Sauber und Force India liefern sich einen engen Kampf im Pulk hinter den Top 4. Die Bestzeiten täuschen. Adrian Sutil lag sieben Zehntel vor Nico Hülkenberg, doch der Sauber-Pilot zeigte sich davon nicht beeindruckt: "Sutils Zeit fahre ich auch. Mir ist in meiner schnellen Runde Hamilton im Weg gestanden." Prinzipiell sei er ganz zufrieden, meinte Hülkenberg, es gebe aber noch Baustellen.

Gemeint ist die Traktion. Sauber verliert zu viel Zeit im letzten Sektor. Auch die zwei Sekunden zu Vettel liegen ihm im Magen: "Dieser Abstand ist zu groß. Ich habe keine Ahnung, wo Red Bull so viel Zeit holt." Dass er plötzlich mit McLaren auf Augenhöhe kämpft, ist kein Trost: "Die sind im Augenblick nicht der Maßstab."

Toro Rosso und Williams enttäuschend

Williams und Toro Rosso haben den Anschluss an Force India und Sauber verloren. Beiden fehlen mehr als drei Sekunden auf die Spitze und eine Sekunden auf das geschrumpfte Mittelfeld. Das lässt sich nicht mehr nur mit viel Benzin an Bord erklären.

Im Fall von Toro Rosso wundert sich Streckenspion Brundle: "Die sehen in den Kurven ganz passabel aus. Die Rundenzeiten spiegeln das aber nicht wider."Williams entschied sich nach einem Vergleichstest am Morgen für die ältere Auspuffvariante. Also Modell McLaren. Am Ende des Feldes ist die Hackordnung klar. Marussia lässt Caterham alt aussehen. Jules Bianchi knöpfte Charles Pic eine halbe Sekunde ab.

In unserer Galerie haben wir die besten Fotos vom Freitag.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden