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Trainingsanalyse GP Belgien 2015

Rosberg trotz Unfall Schnellster

Nico Rosberg - GP Belgien 2015 Foto: Wilhelm 81 Bilder

Unfälle unterbrachen den Rhythmus des zweiten Trainings zum GP Belgien. Deshalb gerieten in vielen Fällen die Longruns so kurz, dass sie wenig aussagekräftig waren. Nur fünf Fahrer haben mindestens vier Runden am Stück geschafft. Wir haben uns trotzdem im Fahrerlager umgehört.

21.08.2015 Michael Schmidt

Es war die sechste fliegende Runde. Die zwölfte auf diesem Reifensatz. Nico Rosberg flog um 15.04 Uhr mit 306 km/h auf die Blanchimont-Kurve zu, als rechts hinten der Reifen platzte. Das stoppte den Longrun des WM-Zweiten, der sich im Nachhinein mit 1.54,856 Minuten als der schnellste erweisen sollte. Rosberg hielt auch mit 1.49,385 Minuten die Tagesbestzeit.

Sein Highspeed-Dreher durchkreuzte auch die Pläne seiner Konkurrenten. Das Training wurde gestoppt. Kaum ging es wieder los, wurde schon wieder die rote Flagge geschwenkt. Marcus Ericsson hatte seinen Sauber im Reifenstapel der Pouhon-Kurve versenkt. Damit war der Tag praktisch gelaufen.

Nur 5 Fahrer brachten so etwas Ähnliches wie einen Dauerlauf zustande. Minimum vier Runden am Stück. Rosberg lag da klar vor Carlos Sainz, Lewis Hamilton, Valtteri Bottas und Felipe Nasr. Mercedes-Teamchef Toto Wolff warnte aber: "Wir waren im Longrun gut, aber bei der kurzen Distanz kann man nicht wirklich von einem Longrun sprechen."

Rennen wird Reise ins Ungewisse

Es gab noch einen zweiten Grund, warum die Fahrer mit Rennsimulationen geizten. Wegen Asphalttemperaturen von bis zu 40 Grad drohten bei einigen Autos die Reifen zu überhitzen. Dann bilden sich trotz der von der FIA vorgeschriebenen moderaten Radsturzwerte (3,5 Grad vorne, 2,5 Grad hinten) Blasen. Pirelli beobachtete Blasenbildung bei Ferrari und Red Bull.

Deshalb legten viele Fahrer Abkühlphasen zwischen die schnellen Runden. Bestes Beispiel war Felipe Massa, der 4 Mal unter 1.53 Minuten blieb, aber immer mit einem Umlauf im Schneckentempo dazwischen. Das ist natürlich nicht als Rennsimulation zu werten. Eher als Test für die Qualifikation.

Die Williams-Piloten landeten im hinteren Mittelfeld. Valtteri Bottas macht sich dennoch keine Sorgen: "Wenn ich mir unsere Quasi-Longruns anschaue, liegen wir auf dem Niveau von Ferrari. Und am Samstag können wir noch mal richtig an der Power-Schraube drehen."

Den Zuschauern kann die gehemmte Datenflut nur Recht sein. Die Teams wissen nämlich nicht so recht, was sie am Sonntag erwartet. Force India-Technikchef Andy Green meinte: "Wir haben keine vernünftigen Daten, wie die beiden Reifentypen abbauen. Normalerweise können wir die Länge eines Stints auf ein bis zwei Runden genau vorhersagen. Diesmal liegt der Fehler bei mindestens 3 Runden." Green erwartet ein Soft-Soft-Medium Rennen. "Wenn es warm bleibt, kann aber leicht daraus eine Reifenfolge mit soft-medium-medium werden."

Mercedes-Chefstratege James Vowles bestreitet das: "Der bessere Rennreifen ist der weiche. Ich sehe bei der Strategie nicht viel Spielraum für außergewöhnliche Taktiken." Vowles erwartet, dass einige Teams am Samstag die verlorenen Longruns vom Freitag nachholen. Allerdings mit dem Risiko, dass sie dafür die Vorbereitung für die Qualifikation aufgeben müssen.

Schlechter Freitag gutes Omen für Vettel

Force India ärgerte dank des neuen Aero-Pakets sogar die Ferrari. Nico Hülkenberg war absolut zeitgleich mit Kimi Räikkönen. "Das Auto geht gut. Ich kann den Fortschritt spüren. Es wäre toll, wenn wir das Ferrari-Niveau halten könnten."

Sebastian Vettel erlebte einen Freitag wie in Budapest. "Das Auto passte noch nicht. Ich fand nie den richtigen Rhythmus. Ich glaube aber, dass wir uns steigern können. Wir müssen es auch, denn ich will nicht Zehnter bleiben." Wenn das kein gutes Omen ist. In Ungarn ging Vettel nach einem schwierigen Freitag am Sonntag als Sieger hervor.

Die zweite Kraft hinter Mercedes waren weder Ferrari, noch Williams, noch Force India. Red Bull ist wieder erwacht. Auch auf einer Power-Strecke wie in Spa. Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat fuhren zweigleisig. Ricciardo mit Monza-Heckflügel, Kvyat mit einer Spa-Version.

Der Russe zeigte die Zähne seines Red Bull im kurvenreichen Mittelsektor. Dafür verlor er auf Ricciardo zu viel Zeit auf den Geraden. "Wir bräuchten einen Flügel in der Mitte", meinte Teamberater Helmut Marko grimmig. Eine Entscheidung, welcher Flügel es wird, ist noch nicht angefallen. Wahrscheinlich ist der Einsatz der Kvyat-Variante - auch weil am Sonntag im Rennen Regen droht.

Bei Red Bull fiel wieder auf, dass die Autos auf der weicheren Reifenmischung nicht so viel Zeit gutmachen konnten wie die Konkurrenz. Ricciardo und Kvyat gewannen eine Sekunde. Bei allen anderen waren es im Schnitt 1,6 Sekunden.

Wenn das Problem nicht gelöst wird, könnte das im Rennen ein Nachteil sein, weil die Mischung "soft" der bevorzugte Rennreifen ist. Teamchef Christian Horner beruhigt jedoch: "Wir hatten die Balance zu stark Richtung Frontflügel verschoben. Wenn wir das korrigieren, holen wir auch mehr aus dem weichen Reifen raus."

Bei Sauber ist die Frage schon beantwortet, mit welchem Flügel gefahren wird. "Der Unfall von Ericsson lässt uns keine Wahl. Er hatte den Spa-Flügel drauf. Jetzt haben wir nicht mehr genug Exemplare davon", meinte Chefingenieur Giampaolo Dall‘Ara.

Sauber hätte aber auch so auf die Version für maximalen Abtrieb zurückgegriffen. Die neuen Ferrari-Motoren bringen 25 PS. Das münzen die Ingenieure lieber in mehr Abtrieb um, zumal der Sauber C34 nicht gerade mit viel Anpressdruck gesegnet ist. "Auf eine Runde ist maximaler Abtrieb schneller, weil der DRS-Effekt größer ist. Der verschwindet im Rennen, doch damit können wir leben", urteilt Dall‘Ara.

Seit diesem Jahr bieten wir Ihnen einen noch besseren Longrun-Service an. In der unten stehenden Tabelle vergleichen wir zwei Longruns. Den jeweils längsten, und dann aus diesem herausgelöst den Schnitt einer Minimumzahl von Runden, die jeder Fahrer zurückgelegt hat.

In Spa-Francorchamps waren das jeweils 4 Runden für den medium-Reifen und für die Soft-Garnitur. Dieser Wert ist für den Speed des Autos unter Rennbedingungen repräsentativer, da der Abbau der Reifen sich auf die gleiche Rundenzahl bezieht. Sie finden ihn in der ersten Spalte. Dazu liefern wir Ihnen noch die bei der Rennsimulation verwendete Reifensorte.

Die Bilder des Tages finden Sie in der Galerie.

FahrerBester Longrun (4 Runden)Schnitt längster LongrunRundenReifen
Rosberg1:54.8561:55.2385soft
Sainz1:55,5161:55.5164soft
Hamilton1:55,6261:55.6264soft
Bottas1:55.6691:55.6694soft
Nasr1:58.3331:58.3334medium
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