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Trainingsanalyse GP Deutschland 2016

Red Bull und Ferrari im Freitagsschlaf

Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP Deutschland - 29. Juli 2016 Foto: xpb 108 Bilder

Hockenheim bestätigte das Bild der letzten Rennen. Mercedes kommt am besten aus den Startlöchern. Ferrari und Red Bull brauchen den Freitag um ihre Autos abzustimmen. Der wahre Abstand zeigt sich oft erst am Samstag. Im Longrun machte Red Bull schon am Freitag eine exzellente Figur.

29.07.2016 Michael Schmidt 2 Kommentare

Lange gab es viele Fragezeichen um diese Formel 1-Saison. In den letzten 4 Rennen wurde das Bild klarer. Die GP-Wochenenden werden sich in ihren Abläufen immer ähnlicher. Mercedes hält seinen Stammplatz an der Spitze fest in der Hand. Auf Rennstrecken mit einer Länge zwischen 4 und 5 Kilometern friert sich der Vorsprung bei einer halben Sekunde ein.

Das ist aber nicht von Anfang an so. Mercedes kommt grundsätzlich besser aus den Startlöchern als Red Bull oder Ferrari. Dann beginnt der Vorsprung mit jedem Training zu schrumpfen. In der ersten Trainingssitzung lagen zwischen Nico Rosberg und Sebastian Vettel noch erschreckende 1,150 Sekunden. Am Nachmittag waren es nur noch 0,594 Sekunden.

Mercedes konnte sich bei steigenden Temperaturen nicht mehr steigern. Die Asphalttemperaturen kletterten um 11 Grad. Nico Rosberg verfehlte seine Bestzeit vom Vormittag mit 1.15,517 Minuten in der zweiten Sitzung um 0,097 Sekunden. Ferrari verbesserte sich am Nachmittag um 0,459 Sekunden.

Nicht alles ist damit erklärbar, dass Ferrari sich wie üblich mit mehr Lernzeit auf der Strecke verbesserte. Mercedes konzentrierte sich im P2 komplett auf Longruns. Ferrari eher auf den Speed auf eine Runde. Andererseits beklagte Vettel ein Problem mit einer schief stehenden Lenkung.

Mercedes kennt sein Auto besser

Die Preisfrage ist, warum Mercedes immer sofort auf Speed kommt und die anderen erst daran arbeiten müssen. Man sollte glauben, dass die Simulationswerkzeuge großer Teams wie Mercedes, Ferrari und Red Bull nahezu gleichwertig sein müssten. „Vielleicht kennen wir unser Auto besser. Wir kommen fast immer mit einem gut abgestimmten Auto an der Strecke an und betreiben dann nur noch Feintuning abhängig vom Wetter. Es gab schon Rennen, da haben wir unser Auto praktisch gar nicht mehr angefasst“, verrät Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin. Vettel fügt hinzu: „Das Auto ist so gut, dass es gar nicht auffällt, wenn die mal zwei Zehntel danebenliegen.“

Ferrari und Red Bull können ihren Freitagsschlaf nur damit erklären, dass ihre Autos sensibler auf unterschiedliche Strecken reagieren. In Hockenheim erwartete die Fahrer und Ingenieure wegen des alten Belags eine andere Herausforderung als zuletzt in Spielberg und Budapest auf neuem Belag. Die Strecke in Hockenheim ist über die Jahre extrem wellig geworden. Mit diesen Bedingungen kam Mercedes schneller zurecht als seine Gegner.

Ferrari hat seit dem GP Europa in Baku praktisch jedes Mal sein Auto von Freitag auf Samstag komplett umgebaut. Ganz offensichtlich fehlt da noch das volle Verständnis für die Befindlichkeiten des SF16-H. Red Bull begründet das Phänomen damit, dass man das Auto wegen des Power-Defizits auf einen Kompromiss abstimmen müsse. „Bei uns dauert das Feintuning etwas länger, weil wir erst herausfinden müssen, wie viel Flügel wir aufgeben können, um noch genügend Abtrieb zu haben“, erklärt Teamberater Helmut Marko.

Hamilton musste langsam fahren

Kommen wir zu den Rundenzeiten. In der Qualifying-Simulation dominierte Nico Rosberg. Der Hockenheim-Sieger von 2014 nahm Lewis Hamilton im Schnitt 0,35 Sekunden ab. Während Hamilton noch ein bisschen mit der Balance seines Autos kämpfte, war Rosberg zufrieden. „Ein guter Start ins Wochenende. Die Reifen reagieren auf dem rauen Asphalt ganz anders als auf dem neuen Belag am Hungaroring.“ Hamiltons Training war immer wieder von langsamen Runden unterbrochen. Seine Dauerläufe sind schwer zu lesen. „Nico hat uns die Daten geliefert, die wir brauchten“, erzählte Teamchef Toto Wolff.

Auf eine Runde lag Ferrari vor Red Bull. Bei den Lonruns war es umgekehrt. Vettel war mit seiner Rennsimulation nicht zufrieden. Er landete mit den Soft-Reifen mit 1.22,034 Minuten im Schnitt über 18 Runden nur im hinteren Feld. Teamkollege Kimi Räikkönen war im Schnitt um eine halbe Sekunde besser. „Eine Runde ist okay, aber an den Longruns müssen wir noch arbeiten. Das Setup passt noch nicht so, dass ich attackieren kann“, resümierte Vettel.

Daniel Ricciardo legte mit Soft-Reifen den besten Dauerlauf auf die Bahn. Der Australier war mit 1.20,236 Minuten über 7 gezeitete Runden um 0,273 Sekunden schneller als Nico Rosberg auf dem gleichen Reifentyp. Mit den Supersoft-Reifen drehte Mercedes den Spieß um. Rosberg nahm mit 1.20,363 Minuten über 11 Runden Ricciardo 6 Zehntel ab. Max Verstappen landete nur 57 Tausendstel hinter seinem Teamkollegen. Red Bull träumt deshalb von einer kleinen Außenseiterchance.

Lewis Hamilton musste sich in den Rennsimulationen etwas zurücknehmen und lag deshalb auf keinem Reifentyp in den Top 3. Der Engländer übertrieb es mit dem Ausnützen der Streckenbegrenzung und bekam von den Rennkommissaren zwei Rüffel. „Lewis hat bereits zwei Verwarnungen. Wir wollten eine dritte vermeiden und haben sein Programm etwas umgestellt“, erklärte Technikchef Paddy Lowe.

Force India war die dritte Kraft

Force India lag in den Longruns hinter Mercedes und Red Bull auf Platz 3. Nico Hülkenberg lobte vor allem die Supersoft-Reifen. „Schnell und konstant.“ In seinem Supersoft-Versuch fuhr er 12 der 13 Runden im 1.21er Fenster. Auch Mercedes stellte fest, dass der Supersoft-Reifen eine echte Option für das Rennen ist. Über 17 Runden war die weichste Mischung im Schnitt um ein Zehntel besser als die härtere Variante Soft. Der Unterschied in der ersten Runde beträgt je nach Auto zwischen 1,2 und 1,5 Sekunden zugunsten des Supersoft.

Vom Medium ließen die Teams mit einer Ausnahme die Finger. Force India hat diesen Reifentyp offenbar in seine Taktik mit eingeplant. Als einziges Team reservierte man pro Fahrer 3 Garnituren des Medium-Reifen für das Wochenende. Hülkenberg sprach sogar von einem möglichen Einstopp-Rennen.

Bei einem Longrun im ersten Training kamen Perez und Hülkenberg im Schnitt auf starke 1.21er Zeiten. Das widerspricht den Bedenken von Pirelli, dass das Zeitdelta des Medium-Reifen im Vergleich zu Soft und Supersoft zu groß sein könnte, um einen Einsatz zu rechtfertigen.

Überraschend waren der starke Longrun von Valtteri Bottas auf dem Supersoft-Reifen, die gute Form der McLaren-Honda und die Toro Rosso, die nur im Mittelfeld landeten. Bei Williams scheinen die aerodynamischen Experimente und die neue Hinterachse Früchte zu tragen. Mit der Zeit von 1.21,226 Minuten über 9 Runden auf den Supersoft-Reifen liegt Bottas sogar auf Force India-Niveau. Auf den härteren Reifen sind die Force India besser. McLaren platzierte beide Autos in den Top 10, beschränkte sich aber bei den Longruns auf wenige Runden. Jenson Button musste wegen eines Augenproblems kurz ins Krankenhaus.

In unserer Galerie haben wir noch einmal die Highlights vom Trainingsfreitag.

FahrerØ längster LongrunRundenReifen
1. Rosberg1.20,36311supersoft
2. Ricciardo1.20,94711supersoft
3. Verstappen1.21,00410supersoft
4. Bottas1.21,2269supersoft
5. Hülkenberg1.21,59513supersoft
6. Hamilton1.21,6269supersoft
7. Perez1.21,68510supersoft
8. Sainz1.21,7246supersoft
9. Massa1.21,7317supersoft
10. Räikkönen1.21,74813supersoft
11. Kvyat1.21,74811supersoft
12. Alonso1.21,9159supersoft
13. Gutierrez1.22,03517supersoft
14. Palmer1.22,1809supersoft
15. Wehrlein1.22,23611supersoft
16. Nasr1.23,1109supersoft
------------
1. Ricciardo1.20,2367soft
2. Rosberg1.20,50911soft
3. Verstappen1.21,06012soft
4. Hamilton1.21,3227soft
5. Hülkenberg1.21,37216soft
6. Button1.21,5186soft
7. Räikkönen1.21,52313soft
8. Kvyat1.21,6676soft
9. Sainz1.21,8417soft
10. Perez1.21,85514soft
11. Bottas1.21,93417soft
12. Magnussen1:22.00910soft
13. Vettel1.22,03418soft
14. Massa1.22,17416soft
15. Ericsson1.23,6369soft
------------
1. Perez1.21,7447medium
2. Hülkenberg1.21,90411medium
Neuester Kommentar

"Der Engländer übertrieb es mit dem Ausnützen der Streckenbegrenzung und bekam von den Rennkommissaren zwei Rüffel."

Wie kann das denn angehen, wenn die Track Limits heute gar nicht beachtet wurden?

Tim 29. Juli 2016, 23:49 Uhr
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