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Trainingsanalyse GP Italien 2015

Ferrari gegen Mercedes-Kunden

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Italien - Monza - 4. September 2015 Foto: Wilhelm 103 Bilder

Die Rennsimulationen bestätigen das Bild des Trainingsresultats. Mercedes ist in Monza haushoch überlegen. Ferrari schlägt sich mit den Mercedes-Kundenteams herum, von denen Williams und Force India praktisch Kopf an Kopf liegen.

04.09.2015 Michael Schmidt

Endlich wieder ein ganz normaler Freitag. Ohne Regen, ohne rote Flaggen am Nachmittag. Mit Longruns auf beiden Reifensorten. Das schärft das Bild für das Rennen. Und was lernen wir daraus? Platz 1 und 2 sind gesetzt. Die Mercedes-Piloten dominieren auf eine Runde und im Dauerlauf. Ferrari bekommt massive Gegenwehr von Williams und Force India. Die Renault-Teams zahlen dem Power-Defizit Tribut.

Während Lewis Hamilton von Nico Rosberg nur 21 Tausendstel trennten, lag der drittplatzierte Sebastian Vettel schon 0,759 Sekunden zurück. Eine Welt für eine Rennstrecke mit nur 11 Kurven. Die Erfahrung lehrt uns, dass der Abstand in der Qualifikation eher noch größer wird. Dann packen die Mercedes-Teams ihren Power-Joker aus. Im Rennen sollte der Abstand wieder etwas schrumpfen, aber nicht so, dass sich Mercedes fürchten müsste.

Hamilton führte die Longruns mit einem Schnitt von 1.27,626 Minuten für neun Runden an. Rosberg lag mit 1.28,031 Minuten schon deutlich zurück. Dabei ist die Stärke des Deutschen in diesem Jahr eigentlich das Rennen. Rosberg drehte allerdings 16 Runden am Stück und ließ es zu Beginn des Longruns deshalb etwas gemütlicher angehen.

Räikkönen auf weichen Reifen, Vettel auf harten

Auf Platz 3 folgte Kimi Räikkönen mit einer durchschnittlichen Zeit von 1.28,471 Minuten. Knapp vor Bottas, der auf 1.28,535 Minuten kam. Beide Finnen waren auf der weichen Reifenmischung unterwegs. Sebastian Vettel zeigte mit einem Mittelwert von 1.28,709 mit den Medium-Sohlen, dass die harte Mischung im Rennen kein großer Nachteil sein wird.

Das bestätigen auch die Longruns von Daniil Kvyat, der 10 Runden mit den weichen Reifen unterwegs war und 16 Runden mit den harten. Auf 9 Runden heruntergerechnet war der Russe mit dem Soft-Gummi nur um knapp zwei Zehntel schneller. Gleiches Bild bei Nico Hülkenberg. Er war mit den harten Reifen sogar schneller. Über 9 Runden haben wir einen Schnitt von 1.28,921 Minuten ermittelt. Auf den weichen Sohlen schaffte der Le Mans-Sieger 1.29,093 Minuten. Aber: Auf den Mediums hatte Hülkenberg weniger Sprit an Bord. So wird es auch im Rennen sein, wenn die weichen Gummis nach dem ersten Stint abgelegt werden.

Das Freitagstraining lässt noch offen, welcher Mercedes-Kunde am Sonntag die besseren Karten haben wird. Auf eine Runde machen die Force India den stärksten Eindruck. Den Topspeeds nach zu urteilen, fahren Sergio Perez und Nico Hülkenberg mit dem geringsten Abtrieb. Perez wurde mit 356,7 km/h gestoppt, Hülkenberg mit 352,4 km/h. Die Williams sind auf der Geraden um 5 km/h langsamer, dafür im Dauerlauf leicht schneller. Lotus hinkt noch deutlich hinterher. Die Dritten von Spa schlugen sich in den Rennsimulationen mit Sauber herum. Aber das ist am Freitag oft so. Romain Grosjean und Pastor Maldonado wachten auch in Spa erst am Samstag richtig auf.

Red Bull fehlen 16 km/h Topspeed

Für Red Bull gibt es in Monza nicht viel zu holen. "Wir werden die Top Ten nicht schaffen. Die gehören acht Mercedes-Autos und zwei Ferrari", unkte Teamberater Helmut Marko. "Auf die Distanz sieht es etwas besser aus als auf eine Runde, aber ich sehe hier für uns wenig Chancen." Daniel Ricciardo hinkte im Topspeed den Force India um 16 km/h hinterher. Dazu kommt, dass die beiden Red Bull-Piloten wegen der Strafversetzung für insgesamt vier Motorwechsel wahrscheinlich aus der letzten Reihe starten müssen. "Wir gehen bei Ricciardo von 35 Startplätzen aus", sagt Marko.

Die Red Bull-Longruns wurden dazu noch durch Hydraulik- und Getriebeprobleme gestört. Daniil Kvyat lag mit einem Schnitt von 1.29,259 Minuten bereits 1,6 Sekunden über den Mercedes-Zeiten. Ganz schlimm traf es McLaren-Honda. Fernando Alonso war mit 1.31,206 Minuten weit weg vom Schuss. Beim Topspeed auch. Mit 338,5 km/h unterbot er sogar die Red Bull-Topspeeds.

Die schlussendlich abgesegneten Reifendrücke von 21 PSI vorne und 19,5 PSI hinten bewährten sich. Es gab keinerlei Beschwerden. "Wir haben nicht einmal Blasen beobachtet", freute sich Sportchef Paul Hembery und lehnte sich weit aus dem Fenster: "Wir erwarten ein Einstopprennen." Die Strategen der Teams sind sich da noch nicht so sicher. "Die meisten Teams haben Longruns mit weichen Reifen probiert, um zu schauen, wie weit sie nach dem Start kommen. Theoretisch kann man mit den harten Reifen die Restdistanz fahren, aber es wird eng. Vielleicht ist es schneller zwei Mal zu stoppen."

Seit diesem Jahr bieten wir Ihnen einen noch besseren Longrun-Service an. In der unten stehenden Tabelle vergleichen wir zwei Longruns. Den jeweils längsten, und dann aus diesem herausgelöst den Schnitt einer Minimumzahl von Runden, die jeder Fahrer zurückgelegt hat.

In Monza waren das jeweils 9 Runden für den medium-Reifen und für die Soft-Garnitur. Dieser Wert ist für den Speed des Autos unter Rennbedingungen repräsentativer, da der Abbau der Reifen sich auf die gleiche Rundenzahl bezieht. Sie finden ihn in der ersten Spalte. Dazu liefern wir Ihnen noch die bei der Rennsimulation verwendete Reifensorte.

FahrerØ bester 9 Runden LongrunØ längster LongrunRundenReifen
Hamilton1.27,6261.27,6269soft
Rosberg1.28,1061.28,03116soft
Räikkönen1.28,4711.28,58716soft
Bottas1.28,5351.28,88120soft
Vettel1.28,7091.28,77417medium
Hülkenberg1.28,9211.28,89112medium
Sainz1.29,0441.29,05520soft
Hülkenberg1.29,0931.29,26519soft
Massa1.29,1331.29,22316medium
Perez1.29,1751.29,29517soft
Kvyat1.29,2591.29,03710medium
Ricciardo1.29,3161.29,25219soft
Verstappen1.29,3651.28,34615soft
Kvyat1.29,4381.29,50316soft
Ericsson1.29,7121.29,7129soft
Sainz1.29,8471.28,57014medium
Grosjean1.29,9421.30,03719medium
Nasr1.30,2081.30,2089medium
Maldonado1.30,4071.30,08319soft
Alonso1.31,2061.31,06510soft
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