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Trainingsanalyse GP Italien

Mercedes mit Spa-Flügel weit vorne

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Italien - Monza - 2. September 2016 Foto: xpb 97 Bilder

Mercedes zerstört die Konkurrenz. Im Longrun mehr als auf eine Runde. Während bei Red Bull und Ferrari die Rundenzeiten mit zunehmender Laufzeit der Reifen anstiegen, blieb die Kurve bei den Silberpfeilen fast flach. Das Geheimnis ist viel Abtrieb dank Spa-Flügel.

02.09.2016 Michael Schmidt

Mercedes-Teamchef Toto Wolff konnte es nicht glauben. Er packte sein Mobiltelefon aus und fotografierte die Longrun-Kurven, die der Computer von Mercedes und der Konkurrenz ausgedruckt hatte. „Ich habe so etwas noch nie gesehen.“

Der Vergleich zeigte die Dauerläufe auf den Supersoft-Reifen. Die Kurve bei Lewis Hamilton und Nico Rosberg verlief praktisch flach. Die bei Ferrari und Red Bull stieg am Ende an. Bei einer Differenz von 0,8 bis 0,9 Sekunden im Schnitt. Das ist ein Klassenunterschied.

Auf eine Runde war der Rückstand der Verfolger erträglich. Ferrari verlor 0,453 Sekunden auf Hamiltons Bestzeit. Bei Red Bull waren es schon 0,931 Sekunden. Das Geheimnis der Mercedes-Dominanz von Monza lag auch darin, dass die Silberpfeile mit den Spa-Flügeln unterwegs waren und auf den Monza-Miniflügel verzichten konnten.

Nico Rosberg wurde in der Früh trotzdem mit 358 km/h auf der Geraden gemessen. „Immer wenn wir Abtrieb rausgenommen haben, wurden wir langsamer“, erklärten die Ingenieure. Anpressdruck bringt Rundenzeit und schont die Reifen.

Red Bull-Flügel war ein flaches Brett

Ferrari und Red Bull packten die üblichen Monza-Flügel aus und kämpften mit der Balance. Das ist immer auch der Nährboden für eine starke Reifenabnutzung. Bei Ferrari sind wir es gewohnt, dass die roten Autos erst am Samstag ihre Normalform erreichen. Das ist seit dem Grand Prix in Baku fast schon Routine geworden. Red Bull zeigte sich in der jüngeren Vergangenheit am Freitag eigentlich immer ganz gut sortiert. Diesmal nicht.

Das liegt daran, dass Red Bull noch nicht den perfekten Abtriebs-Level gefunden hat. „Wir fahren so wenig Abtrieb, dass wir auf den Geraden nur 0,15 Sekunden auf die Mercedes verlieren. Dafür aber geht uns die Zeit in den Kurven ab. Dort lassen wir noch eine gute halbe Sekunde liegen“, bedauerte Teamchef Christian Horner.

Einziger Trost: „Bei den Longruns sind wir auf Ferrari-Niveau.“ Daniel Ricciardo meinte: „Wahrscheinlich hatten wir zu wenig Abtrieb drauf. Wir werden es morgen mit mehr Flügel probieren.“ Am Freitag war der Red Bull-Heckflügel mehr oder weniger ein flaches Brett.

Williams besser als Ferrari und Red Bull

Die Nummer zwei hinter den Mercedes war weder Ferrari noch Red Bull. Williams ist auch in diesem Jahr in Monza wieder eine Macht. Für das in Monza geforderte Abtriebsniveau ist der Williams FW38 in seinem optimalen Fenster.

Valtteri Bottas schlug beim Dauerlauf auf den Supersoft-Sohlen sogar die Ferrari und die Red Bull. Mit 1.27,688 Minuten im Schnitt über 12 Runden lag der Finne 0,797 Sekunden hinter dem besten Longrun von Hamilton. Der Engländer legte dabei noch 3 Runden mehr zurück als der Williams-Pilot.

Auch auf dem Soft-Reifen deutete Bottas an, dass ein Williams am Sonntag auf das Podium fahren kann. Der Dritte des GP Kanada schaffte mit 1.27,413 Minuten die zweibeste Longrun-Zeit hinter Hamilton. Die Differenz zu Mercedes fällt mit 0,712 Sekunden auch auf diesem Reifentyp stattlich aus.

McLaren überrascht mit guter Elektro-Power

Die Überraschung sind die McLaren-Honda. Das Auto mit dem schwächsten Motor war am ersten Trainingstag die vierte Kraft in Monza. Fernando Alonso und Jenson Button fuhren auf die Plätze 7 und 10. Schon in Spa hatte McLaren die Gegner überrascht. Power-Strecken haben ihren Schrecken verloren. Der Grund für die gute Form ist bei Honda zu suchen.

Alonso und Button sagen im Gleichklang: „Wir sind jetzt schon die Besten bei der Freigabe der Elektro-Power.“ GPS-Daten zeigen. Keiner kann so lange elektrische Leistung abrufen wie Honda. „Jetzt müssen wir nur noch Leistung von der Verbrennungsmaschine finden, ohne dass wir unsere elektrische Leistung beeinträchtigen. Und genau das ist die ganz große Kunst“, sagt Teamchef Eric Boullier.

Force India gehört auch noch zu den Teams, die nach der perfekten Balance suchen. Wenn nur ein Mal pro Jahr die Highspeed-Flügel ans Auto kommen, tun sich alle schwer mit dem Setup. „Das Auto macht alles. Wir haben Unter- und Übersteuern. Und keinen vernünftigen Top-Speed“, klagte Nico Hülkenberg.

Teamkollege Sergio Perez sieht auch noch viel Arbeit vor sich: „Im Moment sind McLaren und Williams noch besser als wir. Das könnte eine harte Kiste werden. Die Balance ist je nach Reifenmischung und Spritladung auch noch unterschiedlich.“

Supersoft-Reifen halten bei Mercedes 18 Runden

Die Supersoft-Reifen von Pirelli erwiesen sich in Monza trotz 44 Grad Streckentemperatur als deutlich standhafter als in Spa. Das liegt daran, dass Monza weniger Kurven hat als die Ardennenpiste. Mercedes schätzt, dass ein Satz Supersoft 18 Runden hält. Eine Garnitur Soft vielleicht 30.

„Damit wird es mit einem Einstopp-Rennen eng. Außer man nimmt den Medium-Reifen. Der ist aber zu langsam, wenn das repräsentativ ist, was wir bei Red Bull gesehen haben“, meinen die Mercedes-Strategen. Jenson Button bestätigt: „Auf dem Medium-Reifen rutschst du nur herum.“

Perez sieht ohne den Medium-Reifen keine Chance auf ein Einstopp-Rennen. „Alles hängt davon ab, wie lange du mit den Supersoft-Reifen fahren kannst. 12 Runden sind zu wenig.“ Auf eine Runde gewinnt der Supersoft 0,6 Sekunden auf die Soft-Mischung und 1,4 Sekunden auf den Medium-Gummi.

In der Fotogalerie zeigen wir die besten Bilder des Trainingstages.

FahrerØ längster LongrunRundenReifentyp
1. Hamilton1.26,89115supersoft
2. Rosberg1.26,95415supersoft
3. Bottas1.27,68812supersoft
4. Verstappen1.27,78412supersoft
5. Räikkönen1.27,90112supersoft
6. Hülkenberg1.28,29712supersoft
7. Grosjean1.28,2916supersoft
8. Perez1.28,36014supersoft
9. Palmer1.28,59615supersoft
10. Alonso1.28,6674supersoft
11. Button1.28,68311supersoft
12. Gutierrez1.28,93015supersoft
13. Wehrlein1.28,93010supersoft
14. Ericsson1.29,0259supersoft
15. Sainz1.29,12714supersoft
16. Nasr1.29,34110supersoft
------------
1. Hamilton1.26,70117soft
2. Bottas1.27,41316soft
3. Vettel1.28,15821soft
4. Ricciardo1.28,40318soft
5. Alonso1.28,80511soft
6. Wehrlein1.29,04713soft
7. Kvyat1.29,32913soft
8. Magnussen1.29,49518soft
9. Grosjean1.29,53812soft
------------
1. Rosberg1.27,09317medium
2. Massa1.28,0366medium
3. Perez1.28,55515medium
4. Hülkenberg1.29,01112medium
5. Button1.29,3159medium
6. Nasr1.29,3369medium
7. Ericsson1.29,34110medium
8. Palmer1.29,86711medium
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