Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Trainingsanalyse GP Kanada 2015

Mercedes hat Angst vor Ferrari

Sebastian Vettel - GP Kanada 2015 Foto: Wilhelm 103 Bilder

Über eine Runde dominiert Mercedes auch in Montreal. Doch im Longrun ist das Bild komplett seitenverkehrt. Da fährt Ferrari die Silberpfeile an die Wand. Mit beiden Reifentypen. Mercedes schiebt die gute Vorstellung der roten Autos auf den neuen Motor.

05.06.2015 Michael Schmidt

Business as usual. Danach sehen die Ergebnislisten nach dem ersten Trainingstag zum GP Kanada aus. Lewis Hamilton führt sie beide an. Einmal mit 0,415 Sekunden Vorsprung auf Teamkollege Nico Rosberg. Dann mit 0,316 Sekunden Luft auf Sebastian Vettel.

Ferrari kam mit der schnellsten Runde erst am Nachmittag in Schwung. Im ersten Training wollte man sich noch nicht groß aus dem Fenster lehnen. Die neuen Motoren sollten bei ihrer Premiere noch nicht am Limit gefahren werden. Außerdem verlegte man sich ganz auf Dauerläufe mit viel Sprit.

Schon am Vormittag wurde deutlich, dass die Rennsimulationen ein ganz anderes Bild ergeben als die Jagd nach der schnellsten Rundenzeit. Ferrari dominierte sie. Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel waren im Run über 6 Umläufe auf der härteren der beiden Reifenmischungen um eine halbe Sekunde schneller als die Mercedes.

Soft Reifen besser als Supersoft

Am Nachmittag fiel der Vorsprung noch krasser aus. Longrun-König Räikkönen blieb den härteren Reifen treu und nahm Rosberg auf dessen extraweichen Reifen im Mittel von sieben Runden eine Sekunde ab. Sein Mittelwert von 1.18,490 Minuten war eine Klasse für sich. Jetzt müsste es für den Finnen endlich auch mal in der Qualifikation klappen.

Hamilton war noch langsamer. Er legte seinen Nachmittags-Dauerlauf wie Räikkönen auf den harten Pirellis zurück. Vettel wechselte wie Rosberg auf die Supersoft-Mischung und war im Durchschnitt mit 1.18,836 Minuten trotzdem vier Zehntel langsamer als sein Teamkollege. Aber immer noch schneller als beide Mercedes.

Die Rundenzeiten sprechen dafür, dass der härtere Reifentyp möglicherweise der bessere Rennreifen ist. "Der hält 70 Runden", prophezeite Pirelli-Sportchef Paul Hembery. Nach seiner Aussage spricht alles für ein Einstopprennen.

Bringt der neue Motor Ferrari in Schwung?

Mercedes-Teamchef Toto Wolff staunte: "Ferrari ist in der Rennsimulation deutlich schneller als wir. Das müssen wir analysieren, weil wir eigentlich keine Setup-Probleme hatten. Wir sind auch nicht vorsichtiger gefahren als sonst am Freitag. Es war die übliche angezogene Handbremse."

Ferrari-Technikchef James Allison zweifelte noch: "Wir waren heute stark unterwegs, doch wir wissen nicht, was wir davon halten sollen. Normalerweise bekommt man am Freitag ja schon ein Gefühl. Wegen des komprimierten Programms müssen wir aber vorsichtig sein. Ich glaube Mercedes hat noch nicht alles gezeigt."

Wolff kann sich den ungewöhnlich großen Vorsprung des Gegners nur so erklären: "Ferrari hat beim Motor richtig draufgelegt." Die Spekulationen reichen von 20 bis 40 PS. Mercedes-Techniker sagen: "Wenn sie den Zylinderkopf geändert haben, dann haben sie den Bereich angefasst, aus dem am meisten Leistung herauszuholen ist."

Regen erschwert die Longrun-Analyse

Wie in Monte Carlo hat das Wetter die Longrun-Analyse erschwert. Nach einem trockenen ersten Training auf grüner Strecke, zogen am Nachmittag schnell dunkle Wolken auf. Nach 34 Minuten begann es wie aus Kübeln zu schütten. Mercedes schickte seine Fahrer mit Intermediates in die Fluten. "Wir wollten die Kupplung kalibrieren, weil wir das vorher nicht mehr geschafft hatten. Das geht auch im Nassen", begründete Technikchef Paddy Lowe die Aktion, die für Hamilton im Reifenstapel der Haarnadel endete.

Es war Hamiltons dritter Ausrutscher an diesem Tag. Der Engländer wollte die Monte Carlo-Pleite so schnell wie möglich abstreifen und versuchte sich mit Rekordrunden moralisch aufzubauen. Lauda nahm seinen Schützling in Schutz: "Lewis ist voll motiviert. Er hat alles riskiert und das Limit ausgelotet. Da kann so etwas passieren. Besser am Freitag als am Samstag."

Lotus ist das drittstärkste Team

Hinter den Mercedes und Ferrari machten Lotus und Toro Rosso die beste Figur. Bei Lotus zeigten sowohl Romain Grosjean als auch Pastor Maldonado am Morgen eine Leistung, die mit etwas Glück sogar auf dem Podium enden könnte. Die schwarzen Autos waren nicht nur auf eine Runde schnell. Grosjean knackte mit den harten Reifen mit 1.19,702 Minuten die 1.20er Marke sogar recht deutlich. Das gelang auch Max Verstappen, der wegen der Kollision mit Grosjean in Monte Carlo zur Strafe fünf Startplätze zurück muss.

Die beiden Unfallgegner kamen auf unterschiedliche Weise auf ihre Longrun-Zeiten. Grosjean fuhr regelmäßig, kämpfte aber nach sechs Runden mit abbauenden Reifen. Verstappen legte mehr Erholungsphasen in seinen Dauerlauf.

Jenson Button machte das gleiche und deutet mit einer Longrun-Zeit von 1.20,458 Minuten an, dass Punkte für McLaren-Honda auch auf einer Strecke wie Montreal nicht mehr unmöglich sind. Noch ein Indiz dafür, dass es mit McLaren aufwärts geht: Fernando Alonso fuhr im ersten Training die neuntschnellste Zeit.

Damit lagen die McLaren in Summe knapp hinter Force India und Williams. Sergio Perez ist übrigens der einzige Mercedes-Pilot, der weiter mit dem ersten Motor unterwegs ist. Über den Grund darf gerätselt werden. Könnte ein Zahlungsverzug daran schuld sein?

Red Bull entzog sich einer Longrun-Analyse. Daniel Ricciardo drehte am Nachmittag auf der Mischung "soft" vier Runden mit 1.20,476 Minuten als Durchschnitt. Zu wenig, um eine Aussage zu treffen. Teamchef Christian Horner war zufrieden: "Es läuft besser als wir dachten. Zwei Zehntel noch, und wir kämpfen um Platz 3 hinter Mercedes und Ferrari."

Red Bull überspielt sein PS-Defizit mit einem Monza-Heckflügel. Die Frontflügel trafen erst in der Nacht zum Freitag in Montreal ein. Sie wurden eilig verstärkt, nachdem die FIA angekündigt hatte, nach dem Abschlusstraining die Flaps auf ihre Steifigkeit hin zu überprüfen.

Ab sofort bieten wir Ihnen einen noch besseren Longrun-Service an. In der unten stehenden Tabelle vergleichen wir zwei Longruns. Den jeweils längsten, und dann aus diesem herausgelöst den Schnitt einer Minimumzahl von Runden, die jeder Fahrer zurückgelegt hat.

In Montreal waren das 7 Runden für den Supersoft-Reifen und 6 Runden für die härtere Mischung. Dieser Wert ist für den Speed des Autos unter Rennbedingungen repräsentativer, da der Abbau der Reifen sich auf die gleiche Rundenzahl bezieht. Sie finden ihn in der ersten Spalte. Dazu liefern wir Ihnen noch die bei der Rennsimulation verwendete Reifensorte.

FahrerØ bester 7-(6)-Rd-LongrunØ längster LongrunRundenReifen
Räikkönen1.18,490 (6)1.18,5459soft
Vettel1.18,8361.18,9289supersoft
Vettel1.19,095 (6)1.18,9408soft
Rosberg1.19,4861.19,5659supersoft
Rosberg1.19,498 (6)1.19,4986soft
Grosjean1.19,702 (6)1.19,9419soft
Verstappen1.19,788 (6)1.19,9478soft
Hamilton1,19,796 (6)1.19,7598soft
Maldonado1.20,105 (6)1.20,55914soft
Hülkenberg1.20,178 (6)1.20,41710soft
Bottas1.20,299 (6)1.20,59912soft
Perez1.20,4351.20,4718supersoft
Button1.20,458 (6)1.20,4587soft
Ericsson1,21,833 (6)1.21,6568soft
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden