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Trainingsanalyse GP Spanien 2015

Mercedes haushoch überlegen

Foto: Wilhelm 90 Bilder

Barcelona ist eine Mercedes-Strecke. Auf eine Runde lag Ferrari eine Sekunde zurück. Aber auch im Longrun hinkten die roten Autos deutlich hinterher. Eine überraschend starke Figur gaben die Williams und auch die Force India ab.

08.05.2015 Michael Schmidt

Das hatte sich Ferrari anders vorgestellt. Da bauen die Ingenieure das halbe Auto um, und dann wird der Abstand zu Mercedes größer statt kleiner. Gewiss, auch Mercedes hat technisch aufgerüstet. Doch der klare Abstand muss noch andere Gründe haben. "Vielleicht liegt es am Streckentyp", grübelte Sebastian Vettel. Ein paar Indikatoren sprechen dafür.

Dem Sieger des GP Malaysia fehlten auf eine Runde bei 45 Grad Asphalttemperatur mit den weichen Reifen nur 0,406 Sekunden auf die Bestzeit von Lewis Hamilton. Am Morgen bei 20 Grad tieferen Temperaturen auf dem Streckenbelag und schnelleren Rundenzeiten trotz harter Sohlen fiel Ferraris Rückstand mit 0,978 Sekunden größer aus. Diese Diskrepanz zeigt deutlich den Unterschied der beiden Fahrzeugkonzepte. Der Mercedes entwickelt mit Abstand den meisten Abtrieb. Deshalb bringt er die härteren Reifen auch besser zum Arbeiten als der reifenschonende SF15-T.

Platz 1 und 2 für Rosberg

Auf eine Runde ist Mercedes in Barcelona unschlagbar. Das wusste Ferrari bereits vorher. Doch dann folgte bei den Rennsimulationen am Nachmittag eine böse Überraschung. Die Lücke zwischen Silber und Rot ging noch weiter auf. König der Longruns war Nico Rosberg. Der WM-Zweite belegte Platz 1 und 2. Seine 1.31,251 Minuten im Schnitt von 6 Runden blieben unerreicht. Er war aber auch auf der harten Reifenmischung im Mittel von 5 Runden schneller als Lewis Hamilton im besseren seiner beiden Dauerläufe.

Hamilton musste den Longrun auf dem weichen Reifensatz vorzeitig abbrechen. Erneut klagte der Engländer über einen zu heißen Sitz. "Komisch, der Rosberg hat das nie", rätselt Niki Lauda. Die Ingenieure vermuten, dass heiße Luft aus dem Motorbereich in das Cockpit eindringt. "Wir haben schon alle Löcher gestopft, die es gibt", berichtet ein Techniker. Wegen der langen Pausen, die ihn insgesamt 46 Minuten in der Garage festhielten, blieb Hamilton bei einem Rundenschnitt von 1.31,855 Minuten hängen. Als er am Ende für 6 Runden von den weichen auf die harten Reifen wechselte, war er mit 1.31,980 Minuten ähnlich schnell wie auf dem weichen Reifensatz. Das zeigt: Da geht noch mehr. Den Speed von Rosberg hat er drauf.

Die extrem starken Rundenzeiten der Mercedes auf den harten Reifen sind der Beweis für viel Abtrieb. Kein anderes Auto bringt die Beton-Sohlen so zum Arbeiten wie der AMG W06. Kimi Räikkönen bettelte seinen Renningenieur sogar an, das Experiment auf den harten Reifen zu beenden. "Das führt zu nichts. Ich komme mit diesen Reifen nicht klar", klagte der Finne. Sein Rundenschnitt von 1.33,719 Minuten lieferte den Beweis für die Misere. Der Ferrari braucht die weichen Reifen, um schnell zu sein. Sebastian Vettel legte die harten Pirellis schon nach vier Runden ab. Aber auch sein Longrun auf den weichen Sohlen war nicht berühmt. Mit 1.32,459 Minuten lag er 1,2 Sekunden hinter Rosberg.

Helfen die 2015er Reifen dem Mercedes?

Ob Mercedes das bessere Aero-Paket nach Barcelona gebracht hat, oder ob Pirellis neue Reifenkonstruktion dem Mercedes hilft, müssen die Teams noch analysieren. Vielleicht hat Ferrari mit seinen vielen Modifikationen zu viel des Guten gewollt und braucht ein paar Rennen, bis man die neue Aero-Spezifikation versteht. Oder die Roten haben sich beim Motor-Modus mehr Reserven gelassen. Auch möglich, dass die 2015er Reifen Mercedes einen Steilpass zuspielen. Wegen der neuen Konstruktion der Hinterreifen verlagert sich die Schwachstelle eindeutig Richtung links vorne. Und damit kann Mercedes besser umgehen als Ferrari. Der Joker der roten Autos ist der schonende Umgang mit den Hinterreifen. Und diese Trumpfkarte scheint in diesem Jahr in Barcelona nicht zu stechen.

Ferrari muss beim fünften Rennen der Saison sogar auf Williams aufpassen. Felipe Massa schob sich mit einem Longrun mit 1.31,927 für die ersten 6 Runden deutlich vor Vettel. Doch je länger die Williams auf der Strecke bleiben, umso mehr bauen die Reifen im Vergleich zum Ferrari ab. Vettel war über 16 Runden im Mittelwert schneller als Massa über 13. Der Ferrari-Pilot erreichte mit 1.32,581 Minuten fast die gleiche Zeit wie bei den ersten 6 Runden. Massa verlor mit 1.32,781 Minuten über die längere Laufzeit deutlich an Boden.

Kollege Valtteri Bottas hinkte mit 1.32,976 Minuten überraschend klar hinter seinem Teamkollegen her. Auf den harten Reifen herrschte zwischen Ferrari und Williams praktisch Gleichstand. Massa egalisierte mit 1.33,764 Minuten die Räikkönen-Zeit.

Vierkampf im Mittelfeld

Red Bull litt erneut unter Motorprobleme. Daniel Ricciardos Motor musste wegen eines erneuten Wasserlecks vorzeitig getauscht werden. Der Australier kam mit Motor Nummer 4 nur noch fünf Minuten lang zum Fahren. Es reichte gerade für vier Runden. Daniil Kvyat schaffte auf den weichen und harten Reifen jeweils die Minimum-Distanz. Die Zeiten waren fast identisch. Ein Zeichen dafür, dass der Red Bull viel Abtrieb hat und die harten Reifen trotz fehlender Motorleistung auf Temperatur bringt.

Kvyat musste mit einem ebenfalls angeschlagenen Motor mehrmals die Kennfelder wechseln, was sich auf die Rundenzeit niederschlug. "Die neue Nase und der Frontflügel funktionieren. Wir müssen jetzt nur noch die richtige Abstimmung dafür finden", stöhnte Teamberater Helmut Marko.

Das Nummer 1-Team im Stall war erneut ToroRosso. Carlos Sainz überzeugte mit einem Longrun von 1.33,278 Minuten. Trotzdem beschwerte er sich: "Absolut kein Grip auf der Strecke. Ich bin schon mit schnelleren Autos hier gefahren." So ging es allen. Die Rundenzeiten waren im Freitagsvergleich um 1,3 Sekunden langsamer als im Vorjahr.

Der Spanier im Toro Rosso lag im Bereich von Pastor Maldonado (1.33,168 Minuten) und Nico Hülkenberg (1.33,180 Minuten). Die Rundenzeiten der Force India waren eine Überraschung. Die Piloten hatten das härteste Rennen des Jahres befürchtet. Hülkenberg warnt aber: "Die Longrun-Zeiten waren gut. Auf eine Runde sah es weniger positiv aus." Tatsächlich drehten nur noch die Manor-Ferrari langsamere Runden.

Umgekehrtes Bild bei McLaren. Jenson Button und Fernando Alonso schafften es am Nachmittag mit ihren schnellsten Runden auf die Plätze 7 und 11. Da winkt bereits das Q3. Im Longrun stellten sich die McLaren-Piloten hinten an. Nur Marcus Ericsson lag in ihrem Bereich. Deutlich besser dafür Sauber-Kollege Felipe Nasr, der sich mit 1.33,314 Minuten nur zwei Zehntel hinter dem Lotus von Maldonado platzierte. Es könnte hier am Sonntag ein enges Rennen zwischen Lotus, Toro Rosso, Force India und Sauber geben.

Ab sofort bieten wir Ihnen einen noch besseren Longrun-Service an. In der unten stehenden Tabelle vergleichen wir zwei Longruns. Den jeweils längsten, und dann aus diesem herausgelöst den Schnitt einer Minimumzahl von Runden, die jeder Fahrer zurückgelegt hat. In Barcelona waren das 6 Runden für den Medium-Reifen und 5 Runden für die harte Mischung. Dieser Wert ist für den Speed des Autos unter Rennbedingungen repräsentativer, da der Abbau der Reifen sich auf die gleiche Rundenzahl bezieht. Sie finden ihn in der ersten Spalte. Dazu liefern wir ihnen noch die bei der Rennsimulation verwendete Reifensorte.

FahrerØ bester 6-Rd-LongrunØ längster LongrunRundenReifen
Rosberg1.31,2511.31,5829medium
Rosberg1.31,839 (5 Rd.)1.31,7047hart
Hamilton1.31,855 (5 Rd.)1.31,7816hart
Massa1.31,9271.32,74613medium
Hamilton1.31,9801.31,9806medium
Vettel1.32,4591.32,58116medium
Bottas1.32,9761.33,39813medium
Maldonado1.33,1681.33,87617medium
Hülkenberg1.33,1801.33,1788medium
Sainz1.33,2781.33,66511medium
Nasr1.33,3141.33,93414medium
Kvyat1.33,3321.33,3326medium
Kvyat1.33,355 (5 Rd.)1.33,3555hart
Sainz1.33,645 (5 Rd.)1:33,6555hart
Perez1.33,6691.34,10212medium
Räikkönen1.33,719 (5 Rd.)1.33,54613hart
Hülkenberg1.33,729 (5 Rd.)1.34,13612hart
Massa1.33,764 (5 Rd.)1.33,7645hart
Verstappen1.33,818 (5 Rd.)1.34,09914hart
Nasr1.33,843 (5 Rd.)1.34,4119hart
Button1.33,9211.33,99210medium
Ericsson1.33,9941.34,39913medium
Bottas1.34,084 (5 Rd.)1.34,0845hart
Alonso1.34,1561.34,12810medium
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