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Trainingsanalyse GP Monaco 2015

Schafft Verstappen die Sensation?

Max Verstappen - Toro Rosso - Formel 1 - GP Monaco - 21. Mai 2015 Foto: xpb 110 Bilder

Das Wetter machte den Analysten einen Strich durch die Rechnung. Die Longruns im ersten Training zeigen, dass Mercedes und Ferrari diesmal Red Bull und Toro Rosso fürchten müssen.

21.05.2015 Michael Schmidt

Monte Carlo ist kein idealer Ort für Rennsimulationen. Auf keiner anderen Strecke gibt es so viel Ausschuss. Weil man im Vergleich zu anderen Schauplätzen im Verkehr überproportional viel Zeit verliert. Wir haben deshalb bei unserer Longrun-Analyse sämtliche Rundenzeit über 1.24,5 Minuten gestrichen.

Regenguss im zweiten Training

Doch selbst da ist die Auswertung lückenhaft. Ein Regenguss machte uns einen Strich durch die Rechnung. Am Nachmittag war die Strecke nach 22 Minuten unbrauchbar. Deshalb mussten ausnahmsweise Dauerläufe aus dem ersten Training herhalten. Alle gefahren mit dem zweiten Satz der Soft-Reifen. Da hatte die Strecke wenigstens schon ein bisschen Grip.

Die härtere der beiden Mischungen sagt leider weniger über das Kräfteverhältnis aus, als es der Supersoft-Gummi getan hätte. "Der Verschleiß ist verschwindend gering, und auch der Gripverlust spielt mit dem härteren Reifen keine Rolle", bestätigte Pirelli-Sportchef Paul Hembery. Nur Mercedes brachte die harten Sohlen sofort auf Temperatur. Ferrari brauchte drei Runden dafür. Andere noch länger.

Das liegt daran, dass es in Monte Carlo nur drei schnelle Kurven gibt, in denen der Reifen hart arbeiten muss: Die Massenet-Kurve vor dem Casino, die Tabakkurve und die erste Schwimmbad-Schikane. Bei 17 Grad auf dem Asphalt wollten vor allem die Vorderreifen nicht in das Arbeitsfenster gelangen. "Es soll mir keiner behaupten, dass du Abtrieb hier mit einer guten Mechanik wettmachen kannst. Abtrieb ist auch in Monte Carlo alles. Wir haben die Vorderreifen nicht angezündet. Du weißt bei keinem Bremspunkt, ob das Auto rechtzeitig anhält", klagte Sauber-Pilot Felipe Nasr.

Wegen der Reifenproblematik kam es bei den Dauerläufen und Quasi-Longruns zu der paradoxen Situation, dass der Durchschnitt der Rundenzeiten mit zunehmenden Runden schneller wurde. Weil die Reifen erst nach einer bestimmten Einfahrzeit zu haften begannen. Bei Pastor Maldonado war es ganz extrem. Der Lotus-Pilot war nach 9 Runden im Schnitt um acht Zehntel schneller als nach 7. Auch Alonso und Massa legten in den letzten beiden Runden seiner Simulation noch zu.

Max Verstappen sorgt für Sensation

Eigentlich sind im ersten Training nur Mercedes, Williams, Force India und Toro Rosso echte Longruns gefahren. "Was wir gemacht haben, war kein echter Dauerlauf", gab Red Bull-Berater Helmut Marko zu. "Uns ging einfach die Zeit dafür aus." Wir haben trotzdem genug gesehen. Red Bull und Toro Rosso waren nicht nur auf eine Runde schnell, sondern auch im Durchschnitt von sieben am Stück. Markos Fazit: "Hier gibt es keine Geraden. Dementsprechend gering ist der Beitrag des Motors. Jetzt wissen wir, dass wir mit dem Chassis richtig liegen. Wir waren in Barcelona nur neben der Spur, weil wir im Training kaum Runden fahren konnten."

Die große Sensation war Max Verstappen mit der zweitschnellsten Rundenzeit im ersten Abschnitt. Dem 17-jährigen Holländer fehlten bei seinem allerersten Monaco-Auftritt nur 0,149 Sekunden auf den Schnellsten Lewis Hamilton. "Max war dabei extrem konstant und absolut fehlerlos", lobte Teamcgef Franz Tost. Ohne ein gutes Auto geht das nicht. "Wahnsinn wie der ToroRosso auf der Vorderachse klebt", staunte Nasr.

Daniel Ricciardo kam mit 1.19,086 Minuten bis auf drei Zehntel an den Mercedes-Piloten heran. Hamilton verbesserte sich zu Beginn des zweiten Trainings zwar noch auf 1.17,192 Minuten, doch die Zeiten hatten insofern wenig Aussagekraft, weil die Fahrer nach 22 Minuten vom Regen überrascht wurden. Gerade als Pastor Maldonado den Supersoft-Reifen aufziehen ließ. Er kam nach einer Bummelrunde zurück an die Box.

Ferrari ist wieder zurück

Red Bull und Toro Rosso waren auch im Schnitt über sieben Runden flott unterwegs. An Hamiltons Bestwert von 1.20,650 Für den 7-Runden-Longrun bissen sich alle die Zähne aus, doch auf Nico Rosberg fehlten Verstappen nur zwei Zehntel. Und auf den drittplatzierten Sebastian Vettel 0,104 Sekunden. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene konstatierte: "Der Longrun zeigt: Wir sind wieder zurück." Damit verfestigt sich bei Ferrari die Meinung, die Vettel schon gestern vertrat: "Barcelona war ein einmaliger Ausrutscher." Ferrari trat mit dem neuen Aero-Paket an. Das von Vettel war ein Stück neuer als das von Kimi Räikkönen. Der WM-Dritte probierte vorne neue Bremsbelüftungen aus.

Daniel Ricciardo und Felipe Massa landeten im gleichen Pulk wie Rosberg, Vettel und Verstappen. Es könnte also im Kampf um Startplatz 3 hinter den Silberpfeilen ziemlich eng werden. Außer eines der Autos profitiert von Pirellis Superkleber mehr als das andere. Massa war der fleißigste Pilot im Feld. Der Brasilianer spulte 24 Runden am Stück ab, 19 davon mit einer verwertbaren Rundenzeit. Und dabei war das Mittel von 19 Runden mit 1.21,450 Minuten schneller als das der ersten 7 Runden. Bei dem kam Massa auf 1.21,531 Minuten.

McLaren darf hoffen

Was für Red Bull und Toro Rosso gilt, trifft auch auf McLaren-Honda zu. Fernando Alonso landete mit seinen schnellsten Einzelrunden auf den Plätzen 11 und 8. Doch im Longrun deutete der Spanier mit der siebtschnellsten Zeit an, dass die ersten Punkte für McLaren-Honda überfällig sind. Mit 1.21,629 Minuten über 7 Runden rangierte Alonso sogar in Reichweite der Ferrari, Red Bull, Toro Rosso und Williams. Bei ihm wurden die Runden ebenfalls immer schneller. Über 9 Runden sank der Schnitt auf 1.21,399 Minuten.

Auch auf die Lotus wird man achten müssen. Pastor Maldonados 9-Runden-Schnitt lag mit 1.21,670 Minuten auf Alonso-Niveau. Der Venezolaner fuhr seine beiden schnellsten Runden zum Schluss. 1.20,152 Minuten und 1.19,454 Minuten. Force India war nach dem ersten Trainingstag ebenfalls zufrieden. "Es sieht viel besser aus als in Barcelona", atmete Technikchef Andy Green auf. Einzige Sorge: "Es dauert ewig, bis wir die Vorderreifen auf Temperatur bringen. Dafür halten sie dann drei Renndistanzen. Ich gehe davon aus, dass wir am Samstag von den Supersoft-Reifen noch profitieren werden."

Ab sofort bieten wir Ihnen einen noch besseren Longrun-Service an. In der unten stehenden Tabelle vergleichen wir zwei Longruns. Den jeweils längsten, und dann aus diesem herausgelöst den Schnitt einer Minimumzahl von Runden, die jeder Fahrer zurückgelegt hat. In Monte Carlo waren das 7 Runden für den Soft-Reifen. Dieser Wert ist für den Speed des Autos unter Rennbedingungen repräsentativer, da der Abbau der Reifen sich auf die gleiche Rundenzahl bezieht. Sie finden ihn in der ersten Spalte. Dazu liefern wir ihnen noch die bei der Rennsimulation verwendete Reifensorte.

FahrerØ bester 7-Rd-LongrunØ längster LongrunRundenReifen
Hamilton1.20,6501.20,66111soft
Rosberg1.21,2221.21,46016soft
Vettel1.21,3261.21,3267soft
Verstappen1.21,4421.21,5458soft
Ricciardo1.21,4851.21,4857soft
Massa1.21,5311.21,45019soft
Alonso1.21,6291.21,3998soft
Bottas1.22,0161.22,18510soft
Hülkenberg1.22,0831.22,12311soft
Räikkönen1.22,0681.22,0687soft
Kvyat1.22,1081.22,1087soft
Sainz1.22,3501.22,3507soft
Maldonado1.22,4331.21,6709soft
Perez1.22,5511.22,4788soft
Nasr1.22,7291.22,7298soft
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