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Turbo-Legenden am Red Bull-Ring

Falscher Sprit killt Ferrari-Motor

Pierluigi Martini - Minardi M186 - Legends Parade - GP Österreich 2015 Foto: Reinhard 39 Bilder

Die heimlichen Stars am Red Bull-Ring waren die PS-Legenden. Autos wie Fahrer. Eineinhalb Stunden vor dem Start des GP Österreich wurden noch einmal die Turbo-Autos der 80er Jahre von der Kette gelassen. Mit 3 Turbo-Weltmeistern im Cockpit.

23.06.2015 Michael Schmidt

Hinterher waren wir uns nicht mehr so sicher. Hießen die Helden des GP Österreich jetzt Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel? Oder waren es vielleicht doch Niki Lauda, Nelson Piquet oder Alain Prost? Der Brabham BT52-BMW und der McLaren MP4-2 Porsche von 1984 bekamen mindestens genauso viel Applaus wie der aktuelle Mercedes AMG W06 oder der Ferrari SF15-T.

Es gehört am Red Bull-Ring zum guten Ton, vor dem Grand Prix ein Rennen der Legenden zu zeigen. Die Stars und Autos der Vergangenheit haben schon im letzten Jahr die Fans in ihren Bann gezogen. 2014 stand der historische Teil unter dem Motto: Die Formel 1-Österreicher. In diesem Jahr passte sich das Thema der Technik an. Vor den Turbos der Gegenwart waren die Turbos der 80er Jahre an der Reihe.

Zehn WM-Titel und 116 GP-Siege im Cockpit

Und so sah das illustre Feld aus: Ein Brabham BT52-BMW von 1983. Ein McLaren MP4-2 Porsche aus dem Jahr 1984. Sein Nachfolger, der MP4-2B aus der Folgesaison. Der Ferrari F1-88C aus dem letzten Turbojahr 1988. Ein Renault RS50 von 1984. Ein Zakspeed 871 aus der Saison 1987. Der Lotus 98T-Renault, mit dem Ayrton Senna die Saison 1986 bestritten hat. Ein Minardi M186-Motori Moderni aus dem gleichen Jahr.

Dazu schmuggelte sich noch ein Sauber C14-Ford von 1995 in den Autokorso. Weil der Lotus nicht fahrbar war, und weil es ein Überangebot an Fahrern gab. Der Lotus blieb wegen Motorproblemen im Fahrerlager.

Optisch waren die Autos in ladenfrischem Zustand. Die Herren im Cockpit dagegen trugen bereits die Insignien des Alters mit sich. Bei manchen fand sich schon das ein oder andere graue Haar, bei den anderen spannte sich der Overall in der Leibesmitte. Dafür hatten sie viel mehr zu erzählen als das Fahrerfeld der Gegenwart.

Niki Lauda, Alain Prost, Nelson Piquet, Gerhard Berger, Riccardo Patrese, Jean Alesi, Christian Danner und Pierluigi Martini waren den Fans noch so präsent, als wären sie gestern erst zurückgetreten. Einige Herren sind ja heute noch in anderen Jobs aktiv. Lauda und Danner als TV-Experten bei RTL, Prost als Markenbotschafter von Renault, Berger als Regelexperte für die FIA.

Ferrari und Zakspeed mussten passen

Am Samstag durften die Stars von früher eine halbe Stunde lang üben. Im Fahrerlager mitten im Fan-Dorf spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Leuchtende Augen, und Beifall allenthalben. Alle fühlten sich in eine andere Zeit zurückversetzt, und viele meinten, dass es eine bessere war. Jeder wollte sie noch einmal sehen, die insgesamt acht mit 10 WM-Titeln, 116 GP-Siegen und 1.395 GP-Teilnahmen dekorierten PS-Ritter.

Zwei mussten schon nach dem Training passen. Gerhard Bergers Ferrari verendete in einer riesigen Rauchwolke. Ein klassischer Motorschaden. Vermutlich war ein Kolben durchgebrannt. "Wahrscheinlich das falsche Benzin getankt", urteilte Berger knapp und war sofort wieder zu Späßen aufgelegt: "Das Auto gehört Bernie (Ecclestone). Ich muss ihn mal fragen, ob er es mir jetzt billig abgibt." Berger hat einen emotionalen Bezug zu dem 88er Ferrari. Mit dem Modell hatte der Österreicher den GP Italien gewonnen.

Auch der Zakspeed trat am Sonntag nicht mehr zu Rennen an. Der Vierzylinder-Reihenmotor streckte ein Pleuel von sich. Vorher hatte Christian Danner noch einmal richtig Spaß. Er saß zum ersten Mal seit einer Demo-Fahrt 2001 in Hockenheim wieder in seinem Auto von 1987: "Das Ding war von der Zakowski-Truppe super vorbereitet, und es ging wie die Hölle. Ich war im Begrenzer, habe demnach über 300 km/h draufgehabt." Danner fuhr noch im Original-Overall, den er bei sich im Keller gefunden hatte. Mit dabei auch, der damalige Chefkonstrukteur Chris Murphy.

Minardi sorgt für Feuerzauber

Auch bei Brabham-BMW kam es zum Familientreffen. Nelson Piquet hatte sich lange bitten lassen. Doch am Ende war der Brasilianer froh, dass er die lange Reise aus der Heimat angetreten hatte. Natürlich durften BMW-Motorenchef Paul Rosche, PS-Tüftler Roland Ast und Elektrikmeister Peter Voll nicht fehlen. Der Brabham-BMW aus dem Münchener Museum lief wie eine eins. Piquet freute sich über den Dampf aus dem bayerischen Vierzylinder-Turbo und fand nur eine Kritik: "Die Reifen waren zu hart." Beim Probelauf rutschte er in der ersten Kurve prompt in die Auslaufzone.

Niki Lauda musste sich am Samstag von Nico Rosbergs Physiotherapeut am rechten Arm behandeln lassen. "Ich kann keine Hände mehr schütteln. Mir tut der rechte Arm von der Schalterei weh." Trotz seiner 66 Jahre fegte Lauda mit Vollgas im fünften Gang die Schönberg-Gerade herunter. Zuerst mit 2,8 bar Ladedruck. "Das Auto ging wie eine Rakete. Die Mechaniker haben mir dann den Ladedruck aus Angst vor einem Motorschaden auf 0,8 bar zurückgedreht. Das war mir zu langsam. Ich bin mit dem Handrad wieder auf 1,8 bar rauf." Lauda fand: "Eine Riesen Hetz."

Während Jean Alesi im Sauber eine zu kurze Übersetzung bemängelte, fühlte sich Alain Prost direkt ins Jahr 1985 zurückversetzt. "Alles wie früher. Nur der Sitz war etwas zu groß für mich." Der Professor ist immer noch durchtrainiert und gertenschlank. Das Auto gehört übrigens Gerhard Berger. Sehr zum Ärger von Ron Dennis, der es nicht gerne sieht, wenn seine heiligen Autos in private Hände geraten.

Riccardo Patrese mühte sich mit einem Renault mit Zündaussetzern ab. Der Italiener dreht in Schleichfahrt seine Runden. Für den Feuerzauber des Tages sorgte Pierluigi Martini. Er stellte seinen Minardi mit einem kapitalen Motorschaden auf dem Weg zur Remus-Kurve ab. Das komplette Heck stand dabei in Flammen und erinnerte alle, wie aufregend die erste Turbo-Ära doch war.

Martin Brundle meinte belustigt: "Irgendwie hat sich in den letzten 30 Jahren nichts geändert. Die McLaren und der Brabham laufen perfekt. Der Minardi und der Zakspeed gehen kaputt." Brundle war 1987 Danners Teamkollege bei Zakspeed.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen die Bilder der spektakulären Show.

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