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Überleben schwer gemacht

Formel 1-Teams sauer auf Ecclestone

Bernie Ecclestone - 2014 Foto: xpb 41 Bilder

Caterham und Marussia haben das Handtuch geworfen. Möglicherweise für immer. Als nächste könnte es Sauber, Force India und Lotus treffen. Ihnen wird das Überleben schwer gemacht. Die Kosten steigen, und die Einnahmen sinken. Schuld daran sind auch die Inhaber der kommerziellen Rechte.

30.10.2014 Michael Schmidt

Rein optisch ist die Formel 1-Welt noch in Ordnung. Über den beiden letzten Garagen in der Boxengasse von Austin stehen die Namen der Teams und der Fahrer von Caterham und Marussia. Doch die Marussia-Box ist leer. Und bei Caterham hat sich Pirelli breitgemacht. In den Boxen von Marcus Ericsson und Kamui Kobayashi werden an diesem Wochenende die Reifen montiert.

Beim GP USA treten nur 18 Autos an. So wenig wie zuletzt beim GP Monaco 2005. Damals aufgrund besonderer Umstände. BAR war gesperrt. Weil die FIA-Inspektoren in den BAR-Autos versteckte Tanks entdeckt hatte.

Diesmal bedroht der Ausverkauf der Teams die Formel 1. Caterham und Marussia stehen zwar unter Aufsicht von Insolvenzverwaltern, um Zeit zu gewinnen. Beide hoffen, in der Zwischenzeit die Probleme zu lösen und 2015 wieder anzutreten.

Doch es könnte auch ein Abschied für immer sein. Beide Teams haben bei der FIA die Crashtests für die nächstjährigen Autos abgesagt. Das klingt nach einem endgültigen Ende.

Keine Uhrenwerbung mehr auf dem Podium

Die Formel 1 diskutiert bereits den Einsatz von dritten Autos für 2015. Doch diese Notlösung könnte sich bald schon als Schuss in den Ofen erweisen. Mit Force India, Sauber und Lotus gibt es drei weitere Wackelkandidaten. Und wenn die ausfallen, hat die Königsklasse kein Auffangnetz mehr. Alles nur Panikmache? Mitnichten. Der Sport tut alles, um den Teams das Überleben immer schwerer zu machen.

Kürzlich bekamen alle Teams Post von Bernie Ecclestone. Darin steht, dass die Fahrer bei den Siegerehrungen ihre Uhren abziehen müssen. Der Hintergrund der Aufforderung ist klar. Seriensponsor Rolex will nicht, dass die Mercedes-Fahrer Werbung für IWC machen, Ferrari für Hublot, Red Bull für Casio und Williams für Oris. Auch die Fahrer von Sauber und Force India werben für Uhren. Deren Partner wollen für ihre Mitgift einen bestimmten Gegenwert sehen. Wenn der von oben herab verboten wird, werden die Sponsoren über kurz der lang aussteigen.

Weniger Gästepässe, höhere Transportkosten

Für große Firmen ist es inzwischen attraktiver für die Meisterschaft zu werben als für einzelne Teams. Weil damit weniger Risiko verbunden ist. McLaren musste es schmerzlich erfahren. Johnnie Walker war als Hauptsponsor ins Auge gefasst. Doch die Whisky-Firma wirbt in Zukunft lieber für die Serie als für McLaren.

Gut für Ecclestones Auftraggeber, schlecht für die Teams. Sie bekommen nur 60 Prozent der Einnahmen, und das geteilt durch 10. McLaren hätte bei einem direkten Vertrag 40 Millionen Euro eingestrichen. So sind es über dem Umweg Ecclestone lediglich 2,4 Millionen.

Gleichzeitig wurden den Teams in diesem Jahr die Gästepässe für den Fahrerlager-Zugang gekürzt. Von 300 auf 200 pro Jahr. Die Rechteinhaber wollen, dass die Teams Paddock Club-Tickets für ihre Sponsorgäste kaufen. Für durchschnittlich 4.500 Dollar pro Gast. So wird es immer schwieriger Sponsoren anzulocken.

Die Gier der Rechteinhaber, ihre Anleihen auf die Formel 1 zu refinanzieren, wird für die Teams immer mehr zum Problem. Die Einnahmen sinken, die Kosten steigen. Obwohl die Teams die Frachtkosten für zwei Chassis und zehn Tonnen Material erstattet bekommen, zahlen sie heute mehr als früher, als es diesen Service noch nicht in dem Umfang gab.

Ein Mittelfeld-Team schickt pro Rennen 24 Tonnen rund um die Welt. Macht über das Jahr Extrakosten von vier Millionen Euro. Die Destinationen im GP-Kalender werden immer exotischer. Das erhöht den Reise-Etat auf zwei Millionen Euro pro Jahr. Wenn man sich an die Vorschrift von maximal 60 Teammitgliedern vor Ort hält. Die großen Teams mit mehr Marketingaufwand kommen locker auf 80 oder 90 Mitarbeiter an der Strecke.

Formel 1-Teams lehnen Kostenreduzierungsplan ab

Wer Chancen auf WM-Punkte haben will, muss mindestens 300 Mitarbeiter beschäftigen. Das bedeutet Lohnkosten von 25 Millionen Euro im Jahr. Die Motoren kosten ohne Nebengeräusche 18 Millionen. Mit Getriebe und Hydraulik über 20.

Wenn die Motorentwicklung auf Wunsch von Ferrari und Renault bis auf Juli verlängert wird, werden die Kunden zusätzlich zur Kasse gebeten. Ferrari erzählt zwar, dass man eine Ausbaustufe zusätzlich kostenneutral hinbekommen könnte, doch die Kunden erzählen, dass ihnen bereits eine Preissteigerung angedroht wurde. Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist da ganz offen. "Wenn wir bis Juli entwickeln, kostet das 20 Prozent mehr. Und das müssen auch die Kunden tragen."

Die FIA hatte vor der Saison einen Kostenreduzierungsplan auf Basis einer Budgetobergrenze vorgeschlagen. Ursprünglich haben die meisten Teams zugesagt. Als es im Rahmen der Formel 1-Kommissionssitzung vor dem GP Österreich zur Abstimmung kam, wurde der Vorschlag abgelehnt. Von den gleichen Teams, die vorher noch dafür waren.

Die Teamchefs leben in einer Traumwelt. Sie überblicken nicht, dass es immer teurer wird, je weniger Teams antreten. Für die Gewinner mag diese Rechnung aufgehen. Dummerweise gibt es in dem Spiel mehr Verlierer als Gewinner. So rennt die Formel 1 sehenden Auges in ihren Untergang.

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