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Unfall-Analyse

800 Gramm-Feder trifft Massa am Helm

GP Ungarn 2009 Foto: dpa 31 Bilder

Die Umstände des Unfalls von Felipe Massa werden klarer. Eine Stahlfeder des dritten Dämpferelements brach am Brawn GP von Rubens Barrichello ab und traf den den mit 240 km/h heranrasenden Brasilianer am Kopf. Die Feder wiegt rund 800 Gramm.

25.07.2009 Michael Schmidt

Moderne Formel 1-Autos haben vorne und hinten jeweils drei Dämpferlemente, manche sogar vier. Mit den zwei konventionellen Dämpfern ist ein dritter verbunden, der die Bodenfreiheit kontrolliert. Er wird erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit durch den steigenden Anpressdruck komprimiert, um das Auto bei Top-Speed abzusenken. Das hilft der Aerodynamik. Besagter Dämpfer ist von einer Schraubenfeder umgeben, die über eine Stange und einen Bolzen festgehalten wird. Untersuchungen haben ergeben, dass der Haltebolzen abgebrochen ist. So konnte sich die Feder lösen.

Rubens Barrichello lag zum Zeitpunkt des Zwischenfalls vier Sekunden vor Massa. Der Brawn GP des Brasilianers verlor die Feder auf der Geraden zwischen den Kurven drei und vier. Dann passierte das Unglaubliche. Das 800 Gramm schwere Stahlteil sprang auf der Ideallinie auf und ab wie ein Gummiball. Bis Massa mit seinem Ferrari anflog. Aufgrund des Geschwindigkeitsprotokolls dürfte der Ferrari die Feder mit rund 240 km/h mit dem Frontflügel aufgegabelt haben.

Helm rettet Massa das Leben

Von dort sprang das Stahlteil auf die Chassisoberkante und dann weiter an den Helm des Brasilianers. Der 1,4 Kilogramm schwere Helm der Deutschen Firma Schuberth rettete Massa das Leben. Seit dem Unfall von Ayrton Senna 1994 in Imola haben die Helmfirmen auf Druck der FIA die Standards in Bezug auf Widerstandsfähigkeit verdoppelt. Die Helme bestehen heute ausschließlich aus Karbonlagen.

Für Brawn GP war das Problem eine neue Erfahrung. "In diesem Bereich ist bei uns noch nie etwas kaputtgegangen", erzählte Teamchef Ross Brawn. Feder und Dämpfer wurden sofort nach dem Unfall von der FIA sichergestellt. Der Dämpfer wurde mittlerweile an das Team zurückgegeben. Die Feder bleibt als Beweismittel in den Händen der FIA, solange bis feststeht, dass Massa den Unfall unbeschadet überstanden hat.

Federwechsel bei Button

Barrichello hatte bereits während der Fahrt gemeldet, dass etwas im Heck gebrochen sei. "Wenn die Feder bricht, dann sackt das Auto ab", erklärte Brawn. Aus Sicherheitsgründen wurden am Schwesterauto von Jenson Button mit Erlaubnis der FIA Dämpfer und Feder getauscht. Deshalb musste der Engländer bis drei Minuten vor Schluss warten, bis er am Top Ten-Finale teilnehmen konnte.

Nach der noch frischen Erinnerung des Unfalls von Henry Surtees vergangenen Sonntag in Brands Hatch, wird im Fahrerlager verstärkt nach neuen Sicherheitsbestimmungen für die Autos gerufen. Zum Beispiel Cockpitverglasungen oder einer Art Käfig um den Fahrerkopf herum.

Zufall "hilft" bei Horror-Crash

Ross Brawn warnt vor voreiligen Maßnahmen. "Wir müssen jetzt erst einmal die Umstände des Unfalls exakt untersuchen, bevor wir handeln. So etwas passiert im Motorsport äußerst selten. Es ist Zufall, dass es innerhalb weniger Tage zu einem ähnlichen Unfall kam." Auch FIA-Rennleiter Charlie Whiting sieht in dem Unfall eher die Ausnahme. "Wenn man dieses Szenario nachstellen wollte, würde man es wahrscheinlich in fünf Millionen Versuchen nicht schaffen, so etwas hinzukriegen."

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