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Unfallflut in Abu Dhabi

Strafe für Perez ungerecht

Start GP Abu Dhabi Crash Hülkenberg 2012 Foto: Wolfgang Wilhelm 43 Bilder

Es krachte an allen Ecken und Enden beim GP Abu Dhabi. Mittendrin in den meisten Unfällen waren Romain Grosjean und Mark Webber. Doch der einzige, der von den Sportkommissaren eine Strafe bekam, war Sergio Perez. Nicht nur Sauber-Teammanager Beat Zehnder glaubt, dass der Mexikaner zu Unrecht bestraft wurde.

05.11.2012 Michael Schmidt

Die vier Sportkommissare Lars Osterlind, Radovan Novak, Khaled Bin Shaiban und Derek Warwick hatten während der 55 Runden des GP Abu Dhabi viel zu tun. Es krachte vom Start bis ins Ziel. Diesmal ließen die Schiedsrichter erfreulich viel durchgehen. Nur Sergio Perez musste für zehn Sekunden auf die Strafbank, weil er angeblich Romain Grosjean umgedreht hatte. Damit konnte der bis dahin glänzend gefahrene Mexikaner WM-Punkte vergessen.

Hülkenberg-Aus nach Startcrash

Den ersten Crash gab es schon beim Start. Nico Hülkenberg, Paul di Resta, Bruno Senna und Sergio Perez versuchten nebeneinander in die erste Kurve einzubiegen. Das einzige Opfer des Staus war Nico Hülkenberg. Dem Force India knickte bei der Kollision mit Paul di Resta das linke Vorderrad ab. "Ein typischer Rennunfall", hakte Hülkenberg seinen Kurz-Grand Prix ab.

Di Resta und Senna konnten trotz Streifschüssen weiterfahren. Perez kam ungeschoren davon. Dafür beschädigte sich Nico Rosberg im Trümmerhagel den Frontflügel. Der Mercedes-Pilot legte sich wenig später in den Kurven 11 und 12 mit Romain Grosjean an. Aha, wieder Grosjean, war man geneigt zu sagen. Doch in diesem Fall lag die Schuld eher bei Rosberg. Die beiden Kampfhähne mussten schon am Ende der ersten Runde an die Box, um die Kampfspuren beseitigen zu lassen.

Rosberg mit 27 g in die Bande

Der Crash zwischen Narain Karthikeyan und Nico Rosberg hatte technische Gründe. Ein Hydraulikdefekt am HRT legte die Servolenkung lahm. Karthikeyan sah sich mit einer nahezu festgeschraubten Lenkung konfrontiert. "Ich konnte nirgendwo hin, war sowieso schon ganz außen und musste vom Gas, weil ich voll auf die Leitplanken zusteuerte."

Rosberg konnte nicht ahnen, in welchen Nöten sein indischer Kollege steckt. Der Mercedes machte bei 220 km/h einen haarsträubenden Satz über den HRT und landete unsanft in den Tecpro-Barrieren. Die Blackbox zeichnete eine Verzögerung von 27 g auf.

Webber bringt sich selbst in Gefahr

Der nächste Aufreger war das missglückte Überholmanöver von Mark Webber an Pastor Maldonado. Der Williams-Pilot drehte Webber um. Da war Webber selbst schuld. Er hatte zwar die Nase vorn, aber ließ seinem Gegner keinen Platz. Maldonado stand voll auf der Bremse, als er den Red Bull traf.

Auch bei der Kollision mit Felipe Massa konnte man Webber eine Mitschuld nicht absprechen. Massa forderte sogar eine Strafe für den WM-Vierten. "Mark hat versucht, mich außen zu überholen. Dabei haben wir uns berührt. Mark hat daraufhin die Schikane abgekürzt. Als er zurückkam, ist er mir einfach ins Auto gefahren."

Massencrash reißt Webber und Grosjean aus dem Rennen

Die Sportkommissare entschieden in allen Fällen auf normalen Rennunfall. Nur bei dem Massencrash in der 38. Runde schritten sie ein. Sergio Perez war im Duell mit Paul di Resta in den Kurven 11, 12 und 13 neben die Strecke gedrängt worden. Kurz nach Kurve 13 bog der Mexikaner wieder auf die Piste ein. 50 Meter später krachte Grosjean beim Einlenken in Kurve 14 dem Sauber in die Flanke.

Der fällige Dreher von Perez führte zu noch mehr Verwirrung. Grosjean versuchte nach innen auszuweichen und übersah dabei Mark Webber. Dem Red Bull scherte beim Aufprall das rechte Hinterrad ab.

Die Sportkommissare verdonnerten Perez zu einer Zehnsekunden Stop-and-Go-Strafe. Das ist die härteste Buße, die ein Fahrer während des Rennens bekommen kann, außer ihm wird die schwarze Flagge gezeigt.

Strafe für Perez überzogen?

Sauber-Teammanager Beat Zehnder hält die Aktion für ungerecht: "Wenn man Sergio einen Vorwurf machen kann, dann dass er di Resta nicht genügend Platz gelassen hat. Aber di Resta hat ganz klar den Scheitelpunkt von Kurve 12 abgekürzt. Sergio muss nach rechts ausweichen und kehrt in Kurve 13 auf die Strecke zurück, ohne einen zu behindern. Der Vorfall mit Grosjean ist erst in der nächsten Kurve passiert. Grosjean fährt ihm einfach von hinten ins Auto. Wenn man einem eine Strafe geben will, dann ihm."

Zehnder hat in der Rennleitung Sympathisanten gefunden. Doch die Entscheidung liegt allein bei den vier Kommissaren. Was meinen Sie zu den Unfällen in Abu Dhabi? Wurden die richtigen bestraft, oder war die Strafe gerecht? Schreiben Sie uns Ihren Kommentar.

Die spektakulären Bilder des Rennens haben wir in unserer Fotogalerie.

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