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Unfall von Maria de Villota

Villota verliert rechtes Auge

Maria de Villota Foto: xpb 16 Bilder

Update ++ Testfahrerin Maria de Villota hat bei ihrem Unfall das rechte Auge verloren. Auch eine Notoperation konnte die Teil-Erblindung nicht verhindern. Der Zustand sei ansonsten stabil, erklärte das Marussia-Team einen Tag nach dem Horror-Crash.

03.07.2012 Tobias Grüner

Der schwere Unfall von Marussia-Ersatzfahrerin Maria de Villota hat die Formel 1 erschüttert. Die Pilotin war am Dienstag (3.7.) bei einem so genannten "Straight-Line-Aerodynamik-Test" verunglückt und musste in das Krankenhaus von Cambridge gebracht werden.

Am Mittwoch (4.7) hat das Team endlich Details zum Gesundheitszustand veröffentlicht. Trotz einer langwierigen Notoperation von Dienstagnachmittag bis Mittwochfrüh musste Marussia mitteilen, dass es den Ärzten wegen der Schwere der Verletzungen nicht gelungen war, das rechte Auge zu retten. Neben den schweren Gesichtsverletzungen trug de Villota bei ihrem Unfall auch einen Schädelbruch davon.

Die Pilotin liegt aktuell im Addenbrookes Krankenhaus in Cambridge, wo sie am Dienstag nach ihrem Unfall eingeliefert wurde. Ihre Familie befindet sich in ihrer Nähe. Villota soll bei Bewusstsein und ansprechbar sein. "Ihr Zustand ist kritisch, aber stabil", erklärte das Team.

Bei einem so genannten Straight-Line-Test auf gerader Strecke hatte de Villota gerade den ersten Installation-Run absolviert, als sie um 09:15 Uhr (Ortszeit) aus noch ungeklärter Ursache plötzlich in den Teamlaster krachte. Augenzeugen berichten, dass das Auto schon vor der provisorischen Box verlangsamt hatte und dann plötzlich wieder beschleunigte.

De Villota kollidiert mit Laderampe

De Villota geriet unglücklich unter die Laderampe des LKWs und prallte mit dem Helm frontal auf die Kante des Transport-Fahrzeugs. Es war de Villotas Pech, dass die Ladebordwand aus Aluminium halb abgesenkt war, auf eine Höhe von etwa 70 bis 80 Zentimetern. So rutschte die Schnauze des Autos unter die Platte und der Helm der Fahrerin wurde mit voller Wucht getroffen.

Nach dem heftigen Aufprall sei sie zunächst nicht in der Lage gewesen, sich aus dem Auto zu befreien. Die sofort alarmierten Sanitäter halfen ihr dann aus dem Cockpit. "Es gab diesen schrecklichen Moment, als alle einfach nur geschockt waren", berichtete ein BBC-Reporter, der den Unfall mitangesehen hatte. Für eine Viertelstunde habe sich die Rennfahrerin nicht bewegt, erst nach rund einer Stunde hoben Nothelfer sie demnach aus dem Auto.

Formel 1-Piloten schicken Genesungswünsche

Die Formel-1-Gemeinde zeigte sich nach dem Crash entsetzt. Ferrari-Star Fernando Alonso rief sofort de Villotas Familie an. "Meine ganze Energie ist bei Euch", ließ der Spanier via Twitter wissen. "Ein schlimmer Unfall", twitterte McLaren-Star Jenson Button. "Meine Gedanken sind in dieser schweren Stunde bei Maria und ihrer Familie."

Williams-Pilotin Susie Wolff, wie de Villota Ersatzfahrerin bei ihrem Team, schrieb: "Mir wurde schlecht, als ich von Marias Unfall gehört habe. Bitte, lass sie okay sein." Auch Caterham-Pilot Heikki Kovalainen zeigte via Internet-Botschaft Mitgefühl: "Ich hoffe, sie erholt sich und alles wird gut."

De Villota habe nach dem Unfall die "bestmögliche medizinische Versorgung" in der Unfallchirurgie des Addenbrookes Hospital von Cambridge erhalten, betonte das Marussia-Team. "Unsere allererste Priorität haben nun Maria und ihre Familie", hieß es in der Mitteilung.

Test neuer Teile für Silverstone

Für de Villota sollte es der erste Test für das Team sein. Geplant waren zweitägige Aerodynamik-Probefahrten auf dem Gelände des "Imperial War Museum", bei denen vor dem Großen Preis von Großbritannien am Sonntag in Silverstone neue Teile für den MR-01 getestet werden sollten. "Ich zähle schon seit drei Monaten die Tage", hatte de Villota zuvor gesagt. "Ich habe mich lange darauf vorbereitet. Jetzt kann ich es kaum noch erwarten."

Um die Unfallursache rankten sich sofort einige Spekulationen. Die Technikspezialisten der angesehenen Zeitschrift "Racecar Engineering" vermuteten auf ihrer Website, dass de Villota möglicherweise von der Anti-Abwürg-Automatik ("Anti-Stall") des Cosworth-V8 überrascht wurde.

Bei Drehern oder bei allzu zaghaftem Losfahren aus dem Stand gibt die Elektronik von Formel 1-Autos quasi automatisch Gas. Normalerweise funktioniert das aber nur bei sehr niedriger Geschwindigkeit und im Leerlauf. Dass das Auto automatisch einen Gang einlegt und von sich aus beschleunigt sollte eigentlich durch die Elektronik ausgeschlossen sein.

Bedienungsfehler am Lenkrad?

Andere Theorien sagen, dass de Villota einen sogenannten "Bite-Point-Learn" durchgeführt hat. Dabei wird die Kupplung beim Anfahren bei niedriger Geschwindigkeit losgelassen. Die Elektronik merkt sich den Schleifpunkt und programmiert ihn für die Anfahrautomatik ein. "Das ist eine relativ komplexe Angelegenheit", hatte Sebastian Vettel einmal erklärt. "Dabei müssen mehrere Knöpfe gleichzeitig gedrückt werden."

Es ist unwahrscheinlich, dass dies aus Versehen passierte. Außerdem wird diese Prozedur normalerweise bei der Fahrt aus der Box durchgeführt. Eher möglich scheint, dass die unerfahrene Pilotin einen falschen Knopf gedrückt hat. Formel 1-Renner können zum Beispiel automatisch aus der Box anfahren und bis auf die vorher einprogrammierte Geschwindigkeit beschleunigen.

Unfall aus Unerfahrenheit?

Die Spanierin befand sich auf der ersten Runde im Marussia-Formel 1-Renner. Denkbar ist, dass diese Unerfahrenheit bei dem tragischen Unfall eine Rolle spielte. So berichteten Rennfahrer immer wieder, dass ihnen beim Umsteigen in ungewohnte Fahrzeuge unerklärliche Fehler unterliefen.

Angesichts der Komplexität eines modernen Formel 1-Autos erscheint diese Hypothese nicht abwegig. Nur zwei Pedale, Wippschaltung, Handkupplung und eine Unzahl von Einstellmöglichkeiten auf dem Lenkrad - dies benötigt sicherlich Eingewöhnungszeit.

Kalte Reifen scheiden als Unfallursache ziemlich sicher aus. Wie üblich bei Neulingen im Cockpit wurde de Villota auf Intermediate-Reifen auf die Piste geschickt, obwohl es trocken war. Diese profilierten Reifen verfügen über eine weichere Gummimischung als Slicks und verhalten sich im Gegensatz zu den profillosen Pneus unkritisch, auch dann wenn sie den Betriebstemperatur nicht erreichen.

Formel 1-Traum von Maria de Villota

Die Tochter des früheren Formel-1-Piloten Emilio de Villota war kurz vor Saisonbeginn von Marussia als Ersatzfahrerin verpflichtet worden. "Das wird mir dabei helfen, meinem Ziel näher zu kommen, in der Formel 1 zu fahren", sagte sie seinerzeit. Zweiter Stammfahrer des Rennstalls ist neben Glock der Franzose Charles Pic. Das Team war im Jahr 2010 unter dem Namen Virgin in die Formel 1 eingestiegen. Seither hat der Rennstall noch keinen WM-Punkt in der Königsklasse sammeln können.

Die studierte Sportwissenschaftlerin de Villota ist nicht die erste Fahrerin bei einem Formel-1-Team. In der Geschichte der Rennserie hat es auch schon Stammpilotinnen gegeben. Die erfolgreichste war die Italienerin Lella Lombardi, die 1975 Sechste beim Grand Prix in Spanien wurde. De Villota fuhr bereits in mehreren Rennserien und durfte im August 2011 einen Formel-1-Boliden von Renault testen.

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