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Unglückliche Konstellation

Darum war Brasilien so langweilig

Nico Rosberg - GP Brasilien 2015 Foto: Pirelli 58 Bilder

Der GP Brasilien war eigentlich immer für spannende Formel 1-Rennen gut. Diesmal nicht. Woran es lag? Die Abstände waren einfach zu groß. Es gab kein Safety-Car. Und der Regen blieb aus. Bei der Konstellation hilft kein Streckenlayout.

20.11.2015 Michael Schmidt

Was haben wir in Interlagos schon für spannende Rennen erlebt? 2004 etwa, als Juan-Pablo Montoya und Kimi Räikkönen um den Sieg kämpften und Michael Schumacher, der große Dominator der Saison unterging. Oder 2006, als eben jener Schumacher nach einem Reifenplatzer zu Rennbeginn eine grandiose Aufholjagd auf die Bahn zauberte und eines der besten Rennen seiner Karriere hinlegte.

So wie 2009, als sich Jenson Button mit dem Mut der Verzweiflung durch das Feld wühlte, um mit einem fünften Platz Weltmeister zu werden. Dann natürlich die Herzschlagfinale 2008 und 2012. Beide waren mit Wetterchaos gewürzt. Auch 2013 spielte Petrus Regie und machte aus einem eigentlich bedeutungslosen Rennen einen unterhaltsamen Nachmittag.

Und diesmal? Die ersten sieben Plätze waren praktisch am Ende der ersten Runde gesetzt. Nur Nico Hülkenberg und Daniil Kvyat tauschten noch die Plätze. Der Platzwechsel fand in den Boxen statt. Das Mercedes-Duell war nach dem dritten Boxenstopp entschieden. Der beste Ferrari lag 14,2 Sekunden zurück. Ferraris Nummer zwei hatte 33,2 Sekunden Rückstand auf Sebastian Vettel. Alle anderen wurden überrundet. Bis Platz 9 kamen die Teilnehmer unbedrängt ins Ziel. Erst dahinter gab es Zweikämpfe.

GP Brasilien mit nur 36 Überholmanövern

Insgesamt haben wir 36 Überholmanöver, 49 Boxenstopps, kein Safety-Car und nur einen Ausfall gezählt. Was für ein Kontrast zu Austin mit 78 Positionswechseln auf der Strecke. Aufreger waren in Sao Paulo Mangelware. Die Kollision zwischen Pastor Maldonado und Marcus Ericsson vielleicht. Aber auch das Rennen 2014 war nicht viel besser. Es lieferte 38 Überholmanöver und 52 Boxenstopps. Auch vor einem Jahr fiel nur ein Auto aus. Wenigstens drehte sich da Lewis Hamilton in Führung liegend kurz von der Strecke.

Der Cocktail, der die letzten beiden Brasilien-Rennen bestimmte, ist überall ein Spannungskiller. Kein Streckenlayout der Welt kann diese Konstellation spannend machen. Interlagos ist mit seiner langen Vollgas-Passage nach einer langsamen Kurve ohnehin mit der bestmöglichen Überholmöglichkeit gesegnet.

Das Problem liegt woanders. Alle Trainingssitzungen fanden auf trockener Straße statt. Die Startaufstellung entsprach dem Normalfall. Die zwei schnellsten Autos vor den beiden zweitschnellsten und so weiter. Auch im Rennen blieb das Wetter stabil. Die Zwei- und Dreistopp-Strategie war annähernd gleich schnell. Keiner machte Fehler, die Technik war zuverlässig. Wie soll sich da etwas im Rennen verschieben?

Abstände doppelt so groß wie 2014

In diesem Jahr kam es deshalb noch schlimmer als in der Vorsaison, weil die Abstände zwischen den Teilnehmern angewachsen sind. Auch wenn Ferrari vom Gegenteil träumt. 2014 trennten den besten Mercedes vom besten Nicht-Mercedes im Training 0,224 Sekunden. Diesmal waren es 0,522 Sekunden. Auch sonst waren die Claims klar abgesteckt. Ferrari war drei Zehntel schneller als Williams. Die lagen zwei Zehntel vor Red Bull und Force India.

Im Rennen kam es noch schlimmer. Mit Ausnahme von Lotus und ToroRosso fuhr jeder seinen eigenen Speed. Mit Daniel Ricciardo gab es zwar einen Top-Fahrer, der von einem der hinteren Startplätze ins Rennen ging, doch es wurde nicht die ganz große Aufholjagd daraus. Der Red Bull war auf der Geraden zu langsam für Überholmanöver.

Im Augenblick hirnen die Regelhüter darüber, wie sie die Autos und die Motoren ändern sollen, um die Rennen spannender zu machen. Die goldene Lösung liegt anderswo. Unberechenbarkeit wird nicht durch Autos und Motoren bestimmt, sondern durch Vorbereitung, Werkzeuge wechselhaftes Wetter und Trainingsergebnisse, die nicht dem Rennspeed der Autos entsprechen. Dazu bräuchte man Regen oder weniger Daten, um die Ingenieure im Dunkeln tappen zu lassen. Solange sich daran nichts ändert, wird der Großteil der Rennen so ablaufen wie die letzten beiden Male in Sao Paulo.

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