Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Unsere Ideen zur Formel 1-Zukunft (Teil 1)

Neuer Schlüssel zur Geldverteilung

Parc Fermé - Formel 1 - GP China - Shanghai - 11. April 2015 Foto: Wilhelm

Am 14. Mai tagt die Strategiegruppe über die Zukunft der Formel 1. Thema: Wie können wir sie spektakulärer, billiger, ausgeglichener und zuschauerfreundlicher machen? auto motor und sport hat sich eigene Gedanken gemacht. In Teil 1 geht es um die Geldverteilung.

02.05.2015 Michael Schmidt

Zu viele Köche verderben den Brei. Getreu diesem Motto hat die Strategiegruppe der Formel 1 bislang noch keinen verwertbaren Vorschlag in der Diskussion um die Zukunft der Formel 1 gebracht. Weil der eine dem anderen misstraut. Ein Vorschlag, den Red Bull macht, kann aus Sicht von Ferrari aus Prinzip nicht gut sein. Selbst wenn er gut wäre. Er könnte ja Red Bull einen Vorteil verschaffen. So kommt man nie auf einen gemeinsamen Nenner.

Vor diesem Hintergrund treffen sich Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren, Williams und Force India mit Bernie Ecclestone, CVC-Chef Donald Mackenzie, FIA-Präsident Jean Todt und Charlie Whiting zur nächsten Runde. Experten geben auch diesem Treffen wenig Erfolgschancen. Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, wie die Formel 1 ab 2017 spektakulärer, billiger, ausgeglichener und zuschauerfreundlicher aussehen könnte. Wegen der Größe der Aufgabe teilen wir unseren Vorschlag in sechs Kapitel ein. In Teil 1 geht es um die Geldverteilung.

Faire Geldverteilung für Hinterbänkler

Eines ist jedem klar. Das Geld in der Formel 1 wird ungerecht verteilt. Ferrari bekommt für den vierten WM-Platz 2014 inklusive Treueprämie die stolze Summe von 171 Millionen Dollar ausbezahlt. Force India wurde Sechster, erhält aber nur 63 Millionen Dollar. Da stimmt einfach das Verhältnis nicht. Alle Darsteller sind wichtig für die Show. Die Stars wie die Hinterbänkler. Jede Rolle muss besetzt sein. Ein Sport lebt davon, dass der Underdog hin und wieder den Favoriten schlägt.

Die Hinterbänkler bleiben nur bei der Stange, wenn sie eine faire Chance zum Überleben und zum Aufstieg ins Mittelfeld haben. Der Mittelstand wiederum muss in der Lage sein, bei guten Leistungen und richtigen Entscheidungen in die Spitzengruppe aufzusteigen. So funktioniert es bei den vier großen amerikanischen Sportarten. American Football, Basketball, Baseball und Eishockey zahlen allen Teilnehmern ungefähr die gleiche Summe aus. Die Meisterschaften sind seit Jahrzehnten gesund. Noch Fragen?

Kein Geld für lahme Abzocker

Wir sind gegen totale Gleichmacherei. Ein bisschen sollten Erfolg und Zugehörigkeit schon belohnt werden. Zu je 10 Prozent der Gesamtsumme. Aber 80 Prozent des Kuchens müsste an alle Teams zu gleichen Teilen ausbezahlt werden. Egal, ob 10 oder 13 Teams mitfahren. Es gibt jedoch eine Bedingung. Sie verhindert, dass moderne Glücksritter zwei Krücken an den Start stellen, nur um das Geld abzugreifen. Die Basissumme bekommt nur, wer bei 90 Prozent aller Einsätze eine Hürde von 105 Prozent zur besten Zeit im Q1 schafft. Sonst gibt es nichts. Das frei gewordene Geld wird zu gleichen Teilen an den Rest ausgeschüttet.

Im konkreten Fall 2015 wären das 90 Prozent von 38 Einsätzen. Die Teams müssten also 34 Mal diese Hürde überspringen. Bei einer Rundenzeit von 1.30 Minuten dürfte man maximal 4,5 Sekunden langsamer sein.

Manor-Marussia hätte damit schon ein Problem. Sie schaffen zwar inzwischen locker die 107 Prozent zur Teilnahme am Rennen, wären aber bereits sieben Mal an den 105 Prozent gescheitert. In diesem Fall hieße es: Fahren ja, Geld nein. Sie sagen: 105 Prozent sind zu brutal? Nicht, wenn die Kosten sinken und sich die Budgets angleichen. Dann kann man von jedem verlangen, dass er ein ordentliches Auto auf die Räder stellt.

80 Millionen Dollar für alle garantiert

Wir spielen den Fall am aktuellen WM-Stand bei einer Ausschüttung von 900 Millionen Dollar wie in diesem Jahr einmal durch. 720 Millionen gehen in den Topf an dem alle zu gleichen Teilen partizipieren. Jeweils 90 Millionen werden für Erfolg und Historie ausbezahlt. Bei 10 Teams würde jeder Rennstall einen Grundstock von 72 Millionen Dollar bekommen. Da Manor aber bereits die Qualifikation dafür verpasst hat, steigt der Anteil für die restlichen neun Teilnehmer auf jeweils 80 Millionen Dollar.

Was machen wir mit dem Erfolgsbonus? Da hat Bernie Ecclestone Recht. Er sollte nur für die Top Ten reserviert sein. Im Moment würde jeder Teilnehmer partizipieren. Der Weltmeister muss deutlich mehr bekommen als der zweite. Auch zwischen Platz 3 und Rang sowie zwischen Platz 6 und 7 und 9 und 10 sollte es einen größeren Sprung geben. Unsere Verteilung ist natürlich willkürlich.

Wir geben dem Weltmeister 25 Millionen Dollar, dem Zweiten 15 und dann 12, 10, 8, 7, 5, 4, 3 und eine Million für die weiteren Plätze. Wäre die aktuelle Reihung nach 4 Grand Prix der WM-Endstand bekäme Mercedes die 25 Millionen, Ferrari 15, Williams 12, Red Bull 10, Sauber 8, Lotus 7, ToroRosso 5, Force India 4, McLaren 3 und Manor 1 Million Dollar.

Dienstjahre werden belohnt

Ein wesentlicher Bestandteil ist der historische Bonus. Er ist eigentlich höher zu bewerten als der Erfolg. Wer lange diesem Sport gedient hat, soll dafür auch belohnt werden. Ferrari muss dafür belohnt werden, dass 2015 bereits die 66. Formel 1-Saison für die Roten ist. Es werden nur Jahre gezählt, die unter dem aktuellen Teamnamen bestritten wurden. Und da gibt es in einigen Fällen Diskussionsbedarf.

Sauber würde gerne die Jahre 2006 bis 2009 dazurechnen. Falsch. Bewerber war damals BMW. Man käme dann nämlich in einen Konflikt, wenn BMW in die Formel 1 zurückkehrte. Man müsste dann BMW genau diese Jahre anrechnen und nicht Sauber.

Streitpotenzial gibt es auch bei Lotus. Was hat der aktuelle Rennstall noch mit dem von Colin Chapman zu tun, der 1958 in der Formel 1 debütierte und 1994 seine Tore schloss? Teambesitzer Gerard Lopez hat den offiziellen Segen der Chapman-Erben den Namen Lotus führen zu dürfen. Damit führt er auch die Historie fort.

Mercedes kann natürlich nicht die Jahre anrechnen, die dieser Rennstall unter den Namen BAR, Honda und Brawn GP angetreten ist. Genauso wenig wie Force India Ansprüche von Jordan, Midland oder Spyker anmelden kann. Genau darin steckt ja der Sinn des Historienbonus. Belohnt wird nur, wer den Namen beibehält.

Es ist einer der Schwachpunkte dieses Sports, dass die Teamnamen laufend wechseln. So können sich die Zuschauer mit den Rennställen nicht identifizieren. Ferrari hat auch deshalb die größte Fangemeinde, weil sie am längsten dabei sind.

Ferrari immer noch die Nummer 1

Wie funktioniert die Sonderzahlung für die Mitgliedschaft im Club. Ganz einfach. Es werden alle Saisons zusammengezählt, die die 10 Teams in der Formel 1 angetreten sind. Inklusive der laufenden. Im aktuellen Fall sind das 256 Jahre. Bei einer Ausschüttung von 90 Millionen Dollar bringt jedes Jahr die Summe von 351.562 Dollar.

Ferrari ist mit 66 Jahren die Nummer 1 im Feld. Multipliziert mit dem Jahresbonus ergibt das für Maranello eine Auszahlung von 23.203.092 Dollar. McLaren folgt mit 50 Dienstjahren und einem Betrag von 17.578.100 Dollar. Mercedes muss sich wie Force India für nur jeweils 8 Saisons mit 2.812.496 Dollar begnügen (siehe Tabelle).

Insgesamt ergäbe das eine wesentlich gerechtere Verteilung des Geldes. Ferrari bekäme immer noch das meiste Geld, aber nicht mehr so exorbitant viel mehr als jetzt. Mit 118.203.092 Millionen Dollar aus dem Topf kann sich Maranello nicht beschweren. Wenn dann die Regeln so geschrieben sind, dass man nicht mehr als 150 Millionen Dollar für eine Saison braucht, macht Ferrari ein richtig gutes Geschäft. Weil sie ja allein diese Summe an Sponsorgeldern einstreichen. Dann hätte Sergio Marchionne Ferrari hübsch für den Börsengang gemacht.

Mercedes hätte am Jahresende ebenfalls ein dickes Plus in der Kasse. Sie bekämen allein 107.812.496 Dollar aus dem Topf der Rechteinhaber. Wenn wir von mindestens 100 Millionen an Sponsorgeldern ausgehen, könnte Brackley einen Gewinn von 50 Millionen ausweisen. Auch am Ende des Feldes muss man sich nicht beschweren. Force India wäre mit einer Auszahlung von 86.812.496 Dollar momentan das Schlusslicht. Bei geschätzten Sponsoreinnahmen von 40 Millionen Dollar könnte die Truppe von Vijay Mallya die Top-Teams durchaus ärgern.

Nur Manor würde in die Röhre schauen. Anderseits hätte Haas F1 im nächsten Jahr eine reelle Chance gleich am großen Kuchen teilzuhaben, wenn sie nur ein halbwegs vernünftiges Auto bauen. Bislang ist es so, dass man als Neuling erst einmal 3 Jahre lang Steine fressen muss, bis es Geld von den Rechteinhabern gibt. Unsere Regelung würde mehr Teams in die Formel 1 locken. Bastler wären nach einem Jahr wieder weg. Weil sie praktisch kein Geld aus dem System ziehen könnten.

Hier die Links zu den weiteren Teilen unserer Ideen-Sammlung für eine bessere Formel 1:

>> Teil 1: Geldverteilung
>> Teil 2: Kosten
>> Teil 3: Technisches Reglement
>> Teil 4: Motoren
>> Teil 5: Sportliches Reglement
>> Teil 6: Fan-Service

TeamBasisPlatzierungHistorieBonusGesamt
Ferrari80 MioP2 = 15 Mio1950-201523.203.092 $118.203.092 $
Mercedes80 MioP1 = 25 Mio1954-55, 2010-152.812.496 $107.812.496 $
Williams80 MioP3 = 12 Mio1972-75, 1978-201514.765.604 $106.765.604 $
Lotus80 MioP6 = 7 Mio1958-1994, 2012-201514.414.042 $101.414.042 $
McLaren80 MioP9 = 3 Mio1966-201517.578.100 $100.578.100 $
Sauber80 MioP5 = 8 Mio1993-2005, 2010-20156.675.678 $94.675.678 $
Red Bull80 MioP4 = 10 Mio2005-20153.867.182 $93.867.182 $
Toro Rosso80 MioP7 = 5 Mio2006-20153.515.625 $88.515.625 $
Force India80 MioP8 = 4 Mio2008-20152.812.496 $86.812.496 $
Manor---P10 = 1 Mio2015351.562 $1.351.562 $
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden