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Unheimliche Serie

Schon zweiter Brembo-Defekt bei Mercedes

Nico Rosberg - GP Deutschland 2014 Foto: xpb 84 Bilder

Das Abschlusstraining von Lewis Hamilton war nach 10 Minuten beendet. Dann steckte der Engländer im Reifenstapel der Sachskurve. Rechts vorne war die Bremsscheibe gebrochen. Für Mercedes bereits der zweite Defekt dieser Art. Für Bremsenhersteller Brembo schon mindestens der neunte. Das Problem liegt im Material.

19.07.2014 Michael Schmidt

Die Sachskurve ist nicht der härteste Bremspunkt am Hockenheimring. Nach Angaben von Brembo wird auf einer Strecke von 63 Metern von 260 auf 120 km/h runtergebremst. Als Lewis Hamilton in seiner sechsten Runde im Q1 in die Eisen stieg, brach rechts vorne die Bremsscheibe.

Das linke Vorderrad blockierte, der Mercedes drehte sich einmal um 270 Grad und krachte seitlich in den Reifenstapel. Hamilton wurde mit einer Verzögerung von 21 g in die Gurte gedrückt. Er klagte über Schmerzen in den Knien, knöcheln und am Rücken.

Nico Rosberg musste nicht fürchten, dass ihn das gleiche Problem ereilt. Während Hamilton aus dem Bremssortiment Scheiben von Brembo auswählte, zog Rosberg das Material von Carbon Industries vor. Feinheiten entscheiden bei dieser Wahl, die von Rennstrecke zu Rennstrecke anders ausfallen kann. "Vom Bremsgefühl her gibt es große Unterschiede, weil sich die unterschiedlichen Scheibentypen unterschiedlich aufheizen", erklärt Rosberg.

Die eine Bremse wärmt sich schneller auf und hat einen härteren Biss, ist aber nicht so gut dosierbar. Bei der anderen geht der Temperaturaufbau langsamer vor sich. Der Fahrer kann das Auto auf der Bremse aber besser spüren. Hamilton probierte im freien Training beide Scheibentypen, ließ sich aber für die Qualifikation Brembo einbauen. "Die verzögert besser."

Rosbergs Bremse versagte beim Barcelona-Test

Für Mercedes war es nicht der erste Bremsdefekt. Nico Rosberg flog bei Testfahrten in Barcelona von der Bahn, weil links vorne eine Scheibe explodiert war. Auch bei diesem Zwischenfall war der Mercedes mit Brembo-Scheiben ausgerüstet. Niki Lauda ärgert sich: "Brembo hat uns versprochen, das Material zu verstärken. Dass es jetzt wieder passiert, ist nicht akzeptabel."

Hamilton wird im Rennen aus Sicherheitsgründen wahrscheinlich mit Scheiben von Carbon Industries an den Start gehen. "Es ist unmöglich in der Kürze der Zeit festzustellen, warum die Scheibe kaputtging", bedauerte Teamchef Toto Wolff.

Ein Wechsel des Scheibenfabrikats könnte allerdings bedeuten, dass Hamilton nicht von Platz 15 starten darf, sondern aus den Boxen ins Rennen gehen muss. Das fällt unter den Punkt "Change of specification" und ist gleichbedeutend mit einer Abstimmungsänderung.

Ferrari deckte sich mit alten Scheiben ein

Die Branche ist alarmiert. Nicht nur Mercedes ist von Bremsdefekten betroffen. Auch Toro Rosso, Sauber, Marussia und Caterham hatten in diesem Jahr mit Bremsscheibenbrüchen zu tun. Toro Rosso drei, Sauber und Marussia je zwei Mal. Das Problem liegt im Material. Der Scheibenlieferant von Brembo hat sich in die Luftfahrtindustrie verabschiedet. Bei den kleinen Mengen in der Formel 1 lässt sich zu wenig verdienen.

Brembo musste einem neuen Fabrikanten vertrauen, der offenbar noch Schwierigkeiten hat, durchgehend gutes Material zu liefern. Es sind aber nicht alle Brembo-Kunden von dem Problem betroffen. Von Ferrari und Red Bull kommen keine Klagen. Bei Ferrari kennt man den Grund. Die Italiener haben ihr Lager klugerweise noch rechtzeitig mit den Scheiben aus dem letzten Jahr aufgefüllt.

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