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Strafe für Ferrari-Stallorder

FIA-Urteil mit abschreckender Wirkung?

Fernando Alonso & Felipe Massa Foto: xpb 31 Bilder

Der Motorsport-Weltrat der FIA urteilt am Mittwoch (8.9.) über den Stallorder-Skandal beim Großen Preis von Deutschland. Ferrari muss mit einer weit höheren Strafe als den bereits verhängten 100.000 Dollar rechnen.

07.09.2010

Ferrari droht ausgerechnet vor seinem Heimspiel ein juristischer Rückschlag im Titelrennen. Der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobil-Verbandes FIA entscheidet am Mittwoch, ob es beim Stallorder-Skandal von Hockenheim bei der vergleichsweise milden Geldbuße von 100.000 Dollar bleibt oder ob das italienische Formel-1-Team wegen der dubiosen Vorfahrt nicht wesentlich härter bestraft wird. Für die beiden Verkehrssünder Fernando Alonso und Felipe Massa könnte ein Punktabzug den vorzeitigen K.O. im WM-Kampf bedeuten.

Ferrari hüllt sich vor der richtungsweisenden Entscheidung in Schweigen. "Wir geben keinen Kommentar ab", sagte ein Ferrari-Sprecher auf die Frage, mit welchen Sanktionen das Team rechne. Der Weltrat könnte im günstigsten Fall die Entscheidung der vier Rennkommissare bestätigen. Aber auch eine drastische Erhöhung der Geldbuße und im - für Ferrari und die Fahrer - schlimmsten Fall die Streichung des Doppelerfolges beim Großen Preis von Deutschland am 25. Juli oder sogar ein Ausschluss von einigen Rennen sind möglich.

Urteil ausgerechnet vor Ferrari-Heimspiel in Monza

Weil das delikate Verfahren unmittelbar vor dem Großen Preis von Italien stattfindet, bekommt es zusätzliche Brisanz. Egal wie die Juroren entscheiden, das Urteil wird beim 13. Saisonlauf in Monza auf jeden Fall ein beherrschendes Thema sein. Allerdings befasst sich das FIA-Gremium mit dem heiklen Top-Thema erst am Schluss seiner Sitzung. Deshalb ist frühestens am späten Nachmittag mit der Bekanntgabe des Schiedsspruchs zu rechnen. Ferrari ist bei der Anhörung am FIA-Sitz in Paris durch Teamchef Stefano Domenicali vertreten. Alonso und Massa werden wohl per Videokonferenz zugeschaltet.

Teamorder ist seit 2002 offiziell verboten. Pikanterweise hatte der damalige Ferrari-Teamchef und heutige FIA-Präsident Jean Todt mit seiner Anweisung an Rubens Barrichello, Michael Schumacher beim Großen Preis von Österreich passieren zu lassen, die Regelverschärfung ausgelöst. Allerdings lässt sich durch verschlüsselte Anweisungen dieses Verbot leicht umgehen.

FIA beschuldigt Ferrari der Stallregie

Die Rennkommissare bezichtigten Ferrari in Hockenheim, gegen Paragraf 39.1 des Sportreglements und gegen Artikel 151c des Internationalen Sport-Kodex' der FIA verstoßen zu haben. Der führende Massa hatte in jener ominösen 49. Runde Alonso durch demonstratives Abbremsen offensichtlich vorbeigelassen, so dass der Spanier den Grand Prix vor dem Brasilianer gewann.

Die Teamverantwortlichen bestritten, eine Stallorder ausgegeben zu haben und auch Massa beteuerte damals: "Das war definitiv meine Entscheidung." Aber offensichtlich hatten die Verantwortlichen den sichtlich frustrierten Fahrer vorher auf Linie gebracht.

Stallregie-Frage spaltet Formel 1-Welt

Der unsportliche Vorfall hatte zu wilden Diskussionen geführt und die Formel 1 regelrecht entzweit. Rekord-Weltmeister Schumacher sprach als klarer Befürworter und mehrfacher Nutznießer einer Stallorder von "Mumpitz". Red-Bull-Teamchef Christian Horner schimpfte seinerzeit: "Das ist schon eine Schande." Beim Vettel-Team hofft man insgeheim, dass der Drittplatzierte von Hockenheim im Falle einer Disqualifikation des Ferrari-Duos als nachträglicher Sieger im WM-Rennen entscheidend Punkte im WM-Duell gutmachen kann.

Die italienische "Gazzetta dello sport" hofft indes auf eine Regel-Korrektur. "Vielleicht kommt ja eine Klärung heraus, die diese Heuchelei überwindet und die Stallorder zulässt, so lange diese nicht Piloten oder Autos anderer Team schadet", schrieb das Blatt am Dienstag (7.9.). "Die jetzige Regelung ist doch eh leicht zu umgehen."

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