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Technikfragen an die FIA

Verdächtigungen im WM-Finale

Motor Racing - Formula One World Championship - Canadian Grand Prix - Qualifying Day - Montreal, Canada Foto: xpb.cc 55 Bilder

Im Finale der Weltmeisterschaft werden die Bandagen härter. Red Bull und Ferrari bombardieren die FIA mit Anfragen. Man geht davon aus, dass sie gegen den jeweiligen Rivalen zielen. Red Bull wollte wissen, wie weit man bei der Bremskühlung gehen darf. Ferrari stellte Fragen zum Ölkreislauf und hatte offensichtlich Red Bull im Visier. Der Schuss ging jedoch nach hinten los.

03.11.2012 Michael Schmidt

FIA-Rennleiter Charlie Whiting bekommt fast täglich Post. Immer wieder fragen die Technikchefs der Teams an, ob bestimmte Entwicklungen erlaubt oder verboten sind. Manchmal, um sich bei eigenen Plänen abzusichern, manchmal weil man die Konkurrenz im Verdacht hat, die Grauzonen des Reglements ein bisschen zu weit ausgelotet zu haben. Red Bull ist in diesem Jahr ja bereits einige Male mit schlechtem Beispiel vorangegangen.

Red Bull und Ferrari bombadieren FIA mit Mails

In den letzten Wochen erhielt Whiting Mails aus Milton Keynes und Maranello. Red Bull fragte die FIA um eine Klärung zum Tehma Bremsen an. Technikchef Adrian Newey wollte wissen, ob man Materialien aus zwei Metallen mit unterschiedlicher Wärmeausdehnung einsetzen dürfe. Man könnte sich da folgende Lösung vorstellen: In einem bestimmten Temperaturbereich öffnet sich eine Spalte, weil sich eines der beiden Metalle stärker verformt. Diese Spalte könnte man zur Kühlung benutzen.

Die FIA schrieb an Red Bull mit Referenz an alle Teams zurück, dass dies nach Artikel 11.1.4 des technischen Reglements verboten sei. Dort steht: "Jede Modulation des Bremsystems während der Fahrt darf nur durch direkten physischen Input des Fahrers vorgenommen werden und muss immer unter seiner Kontrolle bleiben." Damit ist auch ein System illegal, das Red Bull bereits zwei Mal am Freitag getestet hat. Dort öffnet und schließt sich die Bremstrommel in Abhängigkeit der Fliehkräfte.

Öltransfer legal

Ferrari wollte eine andere Frage geklärt haben. Wie viele Öltanks darf in Auto haben, darf unter Parc fermé-Bedingungen Öl von einem Behälter in den anderen gefüllt werden und ist es erlaubt, den Schmierstoff während der Fahrt hin- und herzupumpen?

Dieser Fall ist komplizierter. Die Zahl der Öltanks ist frei gestellt. Die Ölentnahme im Parc fermé ist erlaubt. Man muss das Öl jedoch danach wieder in den gleichen Behälter zurückfüllen, aus dem es entnommen wurde. Alles andere wäre nach Artikel 34.5 des Sportgesetzes eine unerlaubte Abstimmungsänderung.

Umpumpen während der Fahrt ist nur erlaubt, wenn es ausschließlich der Ölversorgung des Motors dient. Ansonsten wäre es nach Artikel 3.15 ein unerlaubter Eingriff in die Aerodynamik des Autos. Die Renault-Teams, darunter auch Red Bull, praktizieren dies offenbar. Das allerdings völlig legal. Die FIA-Kommissare stellten fest, dass der Öltransfer während der Fahrt in verschiedene Tanks nur dazu da ist, um den Motor mit Öl zu versorgen und nicht, um aktiv die Gewichtsverteilung oder Anstellung des Autos zu ändern.

Blinder Alarm von Ferrari

Die Anfrage von Ferrari führte im Red Bull-Lager zur Vermutung, dass man aus Maranello Giftpfeile Richtung Milton Keynes abschießt, um die Titelverteidiger aus dem Tritt zu bringen. Offenbar vermutete Ferrari, dass Red Bull beim Ölsystem wieder einmal einen Schritt zu weit gegangen ist. Andere Teams glauben, dass Red Bull das Bremssystem gefahren ist, das man bei der FIA anfragen ließ. Dieser Verdacht ist unbegründet. Red Bull hat das System nur getestet.

Es wäre ja nicht das erste Mal in diesem Jahr. Man erinnert sich an die Schlitze im Unterboden, and die Luftdurchleitung durch die Vorderachse, an den manuell verstellbaren dritten Dämpfer der Vorderachse, an die zu stark angewinkelte Zugstrebe der Hinterachse und an die extreme Auslegung der Motorkennfelder.

In allen Fällen klopfte die FIA Red Bull auf die Finger, und das Weltmeisterteam musste ein Rennen später zurückrudern. Diesmal ist alles blinder Alarm. Red Bull ist sowohl in Bezug auf die Bremsen legal, als auch in der Frage der Öltanks.

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