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Vernetztes Fahrwerk im Lotus E21

Geheimnis steckt im linken Seitenkasten

Lotus E21 vernetztes Fahrwerk Foto: Tobias Grüner 22 Bilder

Die Technik ist vier Jahre alt. Trotzdem wird erst jetzt darüber gesprochen. Mercedes hat das vernetzte Fahrwek zwar nicht erfunden, aber publik gemacht. Nach Aussage von Mercedes hat Lotus das beste System. Das entscheidende Bauteil steckt im linken Seitenkasten des Lotus E21. Wir erklären, was dahinter steckt.

03.05.2013 Michael Schmidt

Williams leistete Pionierarbeit. Bereits vor vier Jahren hat der Rennstall aus Grove versucht, die vier Dämpfer des Autos hydraulisch mit einander zu verbinden, mit dem Ziel, das Auto immer in der aerodynamisch günstigsten Position zu halten. Eine aktive Aufhängung light gewissermaßen. Die Hydraulik ist Computer und ausführendes Element zugleich. Das Reglement verlangt, dass dem System von außen keinerlei Hilfe zuteil wird. Jegliche Sensorinformation oder sonstiger elektronischer Input sind verboten. Williams schob das Projekt 2009 wegen zahlreicher Kinderkrankheiten auf die lange Bank.

Mercedes begann 2010 mit der Entwicklung eines solchen Systems. Es wurde intern "Fric" genannt. Teamchef Ross Brawn schmunzelt: "Ehrlich gesagt, nicht einmal ich weiß, warum es so heißt. Ich sollte mal danach fragen." Ein Lösungsvorschlag von unserer Seite: Front and Rear Interactive Control.

Mercedes: Von der S- zur A-Klasse

Natürlich musste die Mercedes-Lösung eine S-Klasse sein. Die Dämpfer wurden nicht nur von vorne nach hinten vernetzt, sondern auch über Kreuz und von links nach rechts. Ziel war es sowohl die Nickbewegungen des Autos beim Bremsen und Beschleunigen auszugleichen als auch das Rollen des Autos um die Längsachse in den Kurven. Nach zwei Jahren Ärger gab Mercedes auf. Die Komplexität der Technik erwies sich als Eigentor. Immer wieder kam es zu Abstimmungsfehlern, für die Nico Rosberg und Michael Schumacher vor allem im Rennen bezahlen mussten. Deshalb begannen die Mercedes-Ingenieure ihr System zurückzurüsten und sich auf die Lastwechsel in Fahrtrichtung zu konzentrieren. Ein Überläufer von Lotus lehrte die Mercedes-Ingenieure, dass das Geheimnis in der Einfachheit besteht.

Eine Feder plus Ölspeicher

Ross Brawn und sein Projektleiter Aldo Costa vermuten, dass Lotus die derzeit effizienteste Niveauregulierung einsetzt. Weil das Lotus-System so simpel ist. Die Schlüsselkomponente ist, wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 10/2013) berichtet, im linken Seitenkasten versteckt. Es handelt sich dabei um eine Feder mit einem Ölspeicher. Je nachdem wie das Auto beim Bremsen und Beschleunigen vorne oder hinten eintaucht, wird die Feder be- und entlastet. In Abhängigkeit davon presst es das Öl darüber durch vier Leitungen in die Dämpfer und bringt das Auto in die aerodynamisch gewünschte Position. Der Effekt muss im Sinne eines ausgewogenen Fahrverhaltens sanft und mit einer gewissen Verzögerung eintreten. Die Vorspannung der Feder bestimmt, mit welchem Zeitverzug der Niveausgleich an der entsprechenden Achse ankommt. Sie kann abhängig vom Streckentyp variieren.

Force India rüstet nach

Die Abstimmung birgt auch in der abgespeckten Version Risiken, weil sie auf einen Kompromiss getrimmt werden muss. Zu Beginn des Rennens drückt es das Auto wegen des vollen Tanks hinten mehr in die Federn. Das ändert sich während des Rennens. "Gute Systeme gleichen diesen Gewichtstransfer über eine Renndistanz aus", erklärt ein Ingenieur. Mittlerweile fahren praktisch alle Teams mit mehr oder weniger komfortablen Varianten dieser Technik. Red Bull, Mercedes, Ferrari, McLaren, Lotus, Williams, Sauber, ja sogar ToroRosso haben sie an Bord. Force India will demnächst nachrüsten.  

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