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Verrückter Red Bull-Ring

Das Geheimnis der Williams-Stärke

Felipe Massa - GP Österreich 2014 Foto: xpb 79 Bilder

Verkehrte Welt: Williams besetzt die erste Startreihe, Mercedes nur zweiter Sieger, und Sebastian Vettel schafft es nicht in die Top Ten. Was macht den Red Bull-Ring so besonders, dass Felipe Massa und Valtteri Bottas die Mercedes schlagen? Und sehen wir am Sonntag ein ganz anderes Rennen?

21.06.2014 Michael Schmidt

Die Experten verstehen die Welt nicht mehr. In Montreal verloren die Mercedes ihr erstes Rennen, nur 14 Tage später am Red Bull-Ring ihr erstes Training. In der ersten Reihe zum GP Österreich stehen nicht zwei Silberpfeile, sondern zwei Williams-Mercedes. Und Red Bull muss beim Heim-Grand Prix leiden. Daniel Ricciardo schaffte mit letzter Kraft den Sprung in die letzte Qualifikationsrunde, Sebastian Vettel flog raus. Hat sich die Formel 1-Hackordnung über Nacht auf den Kopf gestellt, oder birgt dieser Red Bull-Ring mit seinen neun Kurven ein Geheimnis, das alle bisher bestehenden Gesetze außer Kraft setzt?

Red Bulls-Technikguru Adrian Newey räumt ein, dass die Strecke etwas anders ist als der Rest im Kalender ist. Der Motor spielt wegen eines Vollgastanteils von 61 Prozent eine genauso große Rolle wie in Montreal. Der Asphalt ist so glatt, dass die Reifen nur schwer auf Temperatur kommen. Und die Kurvenradien sind mit zwei Ausnahmen extrem kurz.
 
Das heißt, dass eine gute Aerodynamik ihren Bonus nicht ausspielen kann. Nachteil Mercedes, Nachteil Red Bull. Und weil die hohen Fliehkräfte fehlen, walken die Reifen zu wenig. "Wir brauchen entweder höhere Außentemperaturen oder mehrere Runden, bis die Reifen arbeiten", hofft Ricciardo auf das Rennen.

Streckenlayout optimal für Williams

Die Konsequenz daraus: Wer seine Zeit in der ersten fliegenden Runde fahren will, muss Vorder- und Hinterreifen gleichmäßig schnell auf Temperatur bringen. Das geht nur über aggressive mechanische Abstimmungen. Mit der Gefahr, im Rennen dafür zu bezahlen. Denn die Hinterreifen leiden über die Distanz.

Bei Mercedes hat man voll auf das Rennen gesetzt. Mit dem Resultat, dass die Autos stark untersteuerten, um im Rennen die Hinterreifen am Leben zu halten. "Wir hoffen, dass Williams mit dem Setup zu viel riskiert hat", betet der Trainingsdritte Nico Rosberg und denkt dabei an frühere Rennen, bei denen an den Williams die Hinterreifen eingebrochen sind.
 
Der Höhenflug der weißen Autos hat nichts mit einer magischen Entwicklungsstufe zu tun. "Wir fahren Stand Montreal", bestätigte Massa nach der 16. Pole Position seiner Karriere. Der ersten seit dem GP Brasilien 2008. Niki Lauda glaubt, dass die Streckencharakteristik den Williams geholfen hat: "Sie sind sauschnell auf der Geraden. Ihr aerodynamischer Nachteil fällt bei diesen Kurven nicht so stark ins Gewicht." Die Top-Speed-Messungen bestätigen: Massa war mit 327,5 km/h der Schnellste.

Mit Bremstrick mehr Reifentemperatur

Es liegt aber nicht nur daran, dass Der Red Bull-Ring eine Williams-Strecke ist. Auch die Abstimmung macht den Unterschied. Teamberater Alexander Wurz meint geheimnisvoll: "Wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken über das Reifenmanagement gemacht. Der Red Bull-Ring ist Montreal zwar ähnlich, aber in einigen Dingen doch sehr speziell", verrät der Beinahe-Sieger von Le Mans. Mehr will er nicht preisgeben. Also müssen andere Quellen her.

Das Geheimnis ist es, die Vorderreifen schnell auf Temperatur zu bringen, ohne dass dabei die hinteren Sohlen leiden. Wer sich nur auf die üblichen Einstellungen wie Radsturz, Vorspur und Federwege beschränkt, wird irgendwann einen Kompromiss eingehen müssen. Williams fand den Schlüssel bei den Bremsen. Sie sind auch ein Werkzeug, um Reifentemperatur zu generieren.
 
In Monaco hatten die Piloten Probleme, die Reifen ins Arbeitsfenster zu bekommen. Seit Kanada gibt es eine neue Bremsbelüftung, mit der die Gummis leichter aufgeheizt werden. Bei Mercedes hofft man, dass der Weg von Williams am Sonntag in einer stärkeren Reifenabnutzung resultiert.
 
Felipe Massa wollte sich den Moment des Triumphes nicht mit negativen Gedanken kaputtmachen lassen. "Ich genieße den Augenblick, solange wie ich darauf warten musste. Nach all dem Pech in diesem Jahr haben wir die Pole Position verdient. Zum ersten Mal sieht mich mein Sohn auf Platz eins. Ich hoffe, die Pole ist nur der Beginn einer Erfolgsstory."

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