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Vertraglich an Formel 1 gebunden

Ferrari kann gar nicht aussteigen

Monte Carlo 2009 Foto: dpa 22 Bilder

Ferrari droht mit Ausstieg aus der Formel 1, sollte der Weltverband FIA im Regelstreit nicht einlenken. Doch der italienische Rennstall riskiert einen Vertragsbruch, wenn er den GP-Sport vor dem Jahr 2012 verlässt.

22.05.2009 Michael Schmidt

Im Streit um das Budgetlimit und das neue Reglement für 2010 geht es längst nicht mehr um die Sache selbst. Es ist ein Machtkampf zwischen Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und FIA-Chef Max Mosley geworden. Der eine will die Macht des anderen brechen, und der andere will ihm zeigen, dass er sie immer noch hat. Montezemolo hat sich so in die Sache hineingesteigert, dass ihm einige gravierende taktische Fehler unterlaufen sind.

Die einstweilige Verfügung gegen die Durchsetzung des Reglements wurde zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt erlassen, nämlich gerade dann, als man mit der FIA über das Für und Wider einer Budgetdeckelung reden wollte. Die Argumente der Ferrari-Anwälte waren schlecht vorgetragen. Wie kann man Dringlichkeit beantragen, wenn man in diesem Jahr schon zwei Chancen, ein Veto einzulegen, ungenutzt verstreichen lässt?

Ferrari verspottet mögliche Konkurrenz

Eine regelrechte Todsünde war es allerdings, die angekündigten neuen Formel 1-Teams auf der Ferrari-Website als GP3-Klasse zu verspotten. Das hat die Stimmung im Fahrerlager kippen lassen. Ferrari muss sich von Freund und Feind eine gewisse Arroganz vorwerfen lassen.

Das Einfordern des Vetorechts war ein klassisches Eigentor. Die meisten im Zirkus haben zwar seit der Gründung der Teamvereinigung FOTA von Ferraris Spezialbehandlung gewusst, doch jetzt, wo Ferrari davon Gebrauch macht, hinterlässt das im Feld der Konkurrenten böses Blut. Während BMW-Rennleiter Mario Theissen erklärt, man habe die Sonderrechte akzeptiert, weil sie Ferrari im Interesse der FOTA einsetzt, fühlt sich Frank Williams als Mensch zweiter Klasse. Ross Brawn vergleicht: "Das ist so, als würde Manchester United mit der UEFA die Fußballregeln festlegen." Die FIA wird in einer Art Selbstanzeige den Passus aus dem Vertrag schreiben, um zu verhindern, dass die Brüsseler Wettbewerbshüter einschreiten.

Bei Ausstieg droht Ferrari eine Klage

Die Ablehnung der einstweiligen Verfügung war aber noch aus einem zweiten Grund für Ferrari fatal. Der Richter stellte fest, dass Ferrari weiter an seine Verträge mit der FIA gebunden ist. Diese beinhalten eine Startgarantie bis 2012. Auch mit Bernie Ecclestone gibt es ein Abkommen über diesen Zeitraum. Würde Ferrari seine Ausstiegsdrohung wahrmachen, könnten die Inhaber der kommerziellen Rechte Ferrari verklagen und das Geld zurückfordern, was man seit 2006 an Maranello gezahlt hat. "Ferrari hat sich mit seinen Aktionen in eine Ecke manövriert, aus der sie nur schwer wieder herauskommen", sagt ein Konkurrent.

Die anderen Teamchefs sind längst zu Mitläufern degradiert worden. Toyota, Renault und Red Bull hängen sich an Montezemolos Rockzipfel, während Williams, Brawn GP und Force India auf die FIA-Seite eingeschwenkt sind. BMW und Mercedes halten sich nach außen hin bedeckt. Man könnte fast meinen, sie haben gar keine Meinung. Während BMW eher mit Ferrari sympathisiert, hat man bei Mercedes das Gefühl, dass eine Budgetdeckelung vor dem Hintergrund der Autokrise ganz gelegen kommt. Am Ende schaut wieder jeder nach seinem eigenen Vorteil.

Kostensenkung für Privatteams unumgänglich

Force India-Besitzer Vijay Mallya brachte es auf den Punkt. "In der gegenwärtigen Krise muss sich jede Firma neu strukturieren. Warum sollte es in der Formel 1 anders sein? Wir leben nicht auf einem anderen Planeten. Die Kosten müssen gesenkt werden. Wie das Kind genannt wird, ist mir egal, Hauptsache es passiert etwas. Die Privatteams müssen gegen die großen Werke eine Chance haben."

FIA-Präsident Max Mosley versuchte noch am Tag vor der entscheidenden Sitzung mit den Teamchefs am Freitag (22. Mai) Ruhe in die Partie zu bringen. Er schrieb Luca di Montezemolo einen Brief, in dem er nach der Ablehnung der einstweiligen Verfügung förmlich auf die Einschreibefrist vom 22. bis zum 29. Mai hinweist, den Ferrari-Präsidenten aber zu einem Dialog einlädt: "Ich hoffe wir sehen uns in Monte Carlo zu einem konstruktives Gespräch über die Zukunft der Formel 1."

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