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Verwirrspiel um die Reifen

Reifen als Spielball der Formel 1-Politik

Michelin Reifen Foto: xpb 26 Bilder

Pirelli oder Michelin? Wer versorgt die Formel 1 künftig mit Reifen? Pirelli hat Verträge mit allen Teams und Bernie Ecclestone, nicht aber mit der FIA. Michelin will zurück in die Formel 1 und wartet darauf, dass Jean Todt die Reifenversorgung ab 2014 neu ausschreibt. Welches Spiel wird da hinter den Kulissen gespielt?

05.09.2013 Michael Schmidt

Die Situation ist grotesk. Pirelli hat Verträge mit allen elf Formel 1-Teams. Als letzter Rennstall unterschrieb auch Marussia. Und Pirelli hat ein Abkommen mit Bernie Ecclestone bis 2018. Trotzdem wartet die Firmenzentrale in Mailand noch auf eine Bestätigung der FIA, auch weiterhin Alleinausrüster in der Königsklasse sein zu dürfen.

Bernie Ecclestone bestätigte in Spa gegenüber auto motor und sport das Interesse von Michelin in die Formel 1 zurückzukehren. "Sie können aber erst zum Zug kommen, wenn die Verträge mit Pirelli abgelaufen sind." Das Problem dabei: Pirelli hat keinen Vertrag mit der FIA. Alle Abmachungen mit den Teams und Ecclestone sind nur kommerzieller Natur.

Ausschreibung erst mit Concorde Abkommen?

Die FIA hat es bislang unterlassen, das Reifenmonopol für die nächsten drei Jahre neu auszuschreiben. Das ist laut ihren eigenen Statuten und nach EU-Gesetz Pflicht. Zumindest bei Verträgen über einen längeren Zeitraum. Geht es um ein Jahr, kann diese Regel außer Kraft gesetzt werden. So passiert 2010, dem letzten Jahr von Bridgestone.

Der Dunstkreis von Jean Todt kolportiert, dass der FIA-Präsident die Reifenfrage erst zur Ausschreibung bringen will, wenn das Concorde Abkommen unter Dach und Fach ist. Das wäre frühestens Ende September der Fall. Ist es dann nicht zu spät für die Beteiligten noch Reifen für 2014 zu bauen? Für Michelin offenbar nicht. Die Franzosen haben schon heimlich mit LMP1-Autos von Audi geübt.

Bereitere Reifen bedeuten Kostenrisiko für Pirelli

Bei Pirelli hat die Entwicklung der 2014er Reifen längst begonnen. Die Italiener jetzt noch vor den Kopf zu stoßen, wäre höchst unfair. Es lässt aber tief blicken, dass Pirelli relativ lautlos von seinen Plänen die Hinterreifen zu verbreitern wieder abgekommen ist.

Der Grund könnte darin liegen, dass man sich im Worstcase Szenario zusätzliche Kosten ersparen wollte. Hätte Pirelli jetzt die Produktionsmaschinen und Formen geändert, wäre das eine Investition gewesen, die man im Ernstfall in die Tonne hätte klopfen können. Nämlich dann wenn Michelin doch noch den Zuschlag bekäme.

Also lieber in den sauren Apfel beißen, mit den aktuellen Reifendimensionen auf Nummer sicher gehen und dafür betonharte Mischungen backen. Pirelli wäre nicht mit einem Vertrag nur für 2014 gedient. "Für uns ist ein kurzfristiger Vertrag uninteressant. Sonst lohnt sich der Entwicklungsaufwand nicht", sagt Reifenchef Paul Hembery.

Pirelli gegen Michelin wie Ecclestone gegen Todt

Es sieht so aus, dass die Reifenhersteller zum Spielball der Formel 1-Politik werden. Ecclestone setzt auf Pirelli. Weil die Reifen bauen, die seiner Show dienen. Also kurzlebig und unberechenbar. Todt favorisiert Michelin, die eher auf Nachhaltigkeit setzen. Ein umweltfreundlicher Reifen muss mindestens ein Rennen lang halten.

Das grüne Element hat sich Michelin auch in der Sportwagen-WM an die eigenen Fahnen geheftet. Ein Reifensatz hält da mehrere Stints. Die Rundenzeiten werden trotz alternder Reifen bei abnehmendem Spritniveau schneller. Umgekehrt zur Formel 1. Außerdem baut Michelin die Reifen für die neue emmissionsfreie Elektro-Formel-Serie Formula E.

Damit liegt Michelin auf einer Linie mit dem neuen Ansatz des Weltverbandes umweltverträglichen Motorsport zu fördern. Gut möglich, dass Todt nach einem Concorde Abkommen, wenn es denn je kommt, die Muskeln spielen lassen will. Und Ecclestone wird sich das nicht gefallen lassen.

Es muss etwas dahinterstecken, wenn der alte Fuchs Ecclestone das Thema Michelin so offensiv vorantreibt. Vielleicht um seinen Gegenspieler schlecht aussehen zu lassen. Es kursieren nämlich Gerüchte, dass Pirelli in Monza als künftiger Reifenlieferant bestätigt werden soll.

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