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Verzögerung bei Bianchi-Unfall

G-Sensor im Ohr misst 92 g

GP Japan 2014 - Unfall Bianchi Foto: ams 26 Bilder

Jules Bianchi hat die kritischen Stunden nach seinem Unfall in Suzuka überstanden. Das gibt der Familie Hoffnung. Sein Vater Philippe Bianchi zitierte die Ärzte, die angesichts des Aufpralls von einem Wunder sprachen. Es ist zu hören, dass die Verzögerung am Kopf 92 g betragen haben soll.

14.10.2014 Michael Schmidt

Jules Bianchi hat die kritischen ersten 24 Stunden nach seinem Unfall in Suzuka überstanden. Dann die kritischen ersten 72 Stunden. Ein Funken Hoffnung kommt auf. Sein Vater Philippe sagte der Gazzetta dello Sport: "Die Situation ist verzweifelt. Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, könnte es das Krankenhaus mit der Nachricht sein, dass Jules nicht mehr lebt. Aber er kämpft. Er wird die wichtigste Qualifikationsrunde seines Lebens bestehen. Er gibt nicht auf. Da bin ich mir sicher. Sein Trainer Andrea sagt, dass wenn es einer mit seinem Willen schaffen kann, dann Jules."

Noch immer liegt der 25-jährige Franzose auf der Intensivstation des Mie General Hospital in Yokkaichi. In kritischem, aber stabilen Zustand. Bianchis Vater erzählte der renommierten italienischen Sportzeitung auch: "Die Ärzte sagen uns, dass es ein Wunder ist. Nie hat jemals ein Mensch einen so schlimmen Unfall überlebt." Die FIA verglich den Unfall von seiner Dynamik her mit dem von Heikki Kovalainen beim GP Spanien 2008. Der Finne schlug damals mit 130 km/h in die Reifenstapel ein. Im Fall von Bianchi stand aber ein massives Hindernis im Weg.

Bianchis Sicherheitszelle blieb intakt

Tatsächlich wirkten bei dem Aufprall des Marussia in den Bergekran unvorstellbare Kräfte. Das 9 Tonnen schwere Fahrzeug wurde eineinhalb Meter in die Luft gehoben. Der Marussia kam innerhalb von 5 Metern zum Stillstand. Die gesamte linke Seite des Fahrzeugs fehlte. Der Überrollbügel war wie von einem Messer abgetrennt. Der Nackenschutz, der den Kopf im Cockpit weich abfangen soll, wurde später hinten im Motorraum wiedergefunden.

Das Chassis hatte einen Riss vom vorderen Schott bis zum Cockpitbereich. Trotzdem wurde Bianchi ohne sichtbare physische Schäden aus dem Wrack geborgen. Ein weiterer Beweis, wie gut die Sicherheitsvorkehrungen in der Formel 1 funktionieren. Die Sicherheitszelle blieb intakt, inklusive der linken Seitenwand, die den Nackenschutz beherbergt.

Die Daten der Blackbox sind Teil des Unfallberichts, den FIA-Präsident Jean Todt an die Sicherheitskommission des Weltverbandes unter der Leitung von Peter Wright übergab. Sie enthalten die Geschwindigkeiten bei der Entstehung des Unfalls und beim Aufprall, dazu dreidimensional die Verzögerungskräfte. Der Bericht ist geheim.

Charlie Whiting sagte bei der FIA-Pressekonferenz in Sochi auf die Frage, ob ein Käfig geholfen hätte, nur: "Die Kräfte lagen weit über dem, was ein Überrollbügel eines Formel 1-Autos aushalten muss. Wenn wir schon Probleme haben, ein herumfliegendes Rad durch einen Käfig abzuhalten, ist es unwahrscheinlich, dass es etwas gibt, das so einem Einschlag widersteht."

G-Sensor im Ohr misst Verzögerung bei Bianchi-Unfall

Seit dieser Saison ist es Pflicht, dass die Fahrer in ihrem Ohrenstöpseln G-Sensoren tragen. Sie messen die Verzögerung am Kopf. Sie muss nicht gleichbedeutend mit der vom Auto sein, weil der Kopf anders beschleunigt und verzögert wird als das Fahrzeug. HANS und der Nackenschutz sorgen dafür, dass der Helm weich aufgefangen wird. Das verteilt die Verzögerung über einen gewissen Zeitraum.

Im Fall von Bianchi soll von den Ohr-Sensoren der unglaubliche Wert von 92 g gemessen worden sein. Damit wird verständlich, wenn die Ärzte von einem Wunder sprechen. Die entscheidende Frage ist hier, über welchen Zeitraum.

Luciano Burti kam 2001 bei seinem Unfall in Spa auch auf einen Spitzenwert von knapp über 80 g. Allerdings über eine kurze Zeitspanne. Der Brasilianer kam mit einer Gehirnprellung davon. Es fehlte allerdings nicht viel, und Burti hätte noch sehr viel ernsteren Verletzungen erlitten.

Die FIA will mit den Ohrsensoren bei der Analyse von Unfällen noch bessere Daten gewinnen. Anhand dieser Daten werden in den TRL-Labors Unfälle mit Originalhelmen nachgestellt. Das hilft sie besser zu verstehen und für künftige Fälle Vorsorge zu treffen.

In unserer Bildergalerie haben wir die Verzögerungswerte von einigen anderen schweren Unfällen in der Formel 1 zusammengetragen.

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