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Vettel-Ausfall in Valencia

Problem erkannt, aber keine Lösung

06/2012, 2012 Red Bull Auspufftrick Valencia Foto: ams 15 Bilder

Renault hat die Ausfälle von Sebastian Vettel und Romain Grosjean beim GP Europa untersucht. In beiden Fällen wurde die Lichtmaschine zu heiß. Es ist aber noch nicht klar warum. Renault rätselt, ob es an Überlastung lag, einer fehlerhaften Serie oder dem neuen Design, das 2012 Einzug hielt. Motorenchef Rob White hält sich mehrere Lösungsansätze offen.

29.06.2012 Michael Schmidt

Technische Defekte haben in der modernen Formel 1 Seltenheitswert. Vor allem wenn sie in Serie auftreten. Bei GP Europa stoppten Sebastian Vettel und Romain Grosjean innerhalb von sieben Runden mit dem gleichen Schaden. Die Lichtmaschine, die mechanische Energie vom Motor in elektrische Energie verwandelt, um diverse Nebenaggregate anzutreiben, streikte. "Es sieht so aus, als ob Überhitzung in beiden Fällen eine Rolle gespielt hat", räumte Renault-Motorenchef Rob White ein. "Wir haben die einzelnen Komponenten der Alternatoren genau geprüft, und es gibt keinerlei Anzeichen für einen anderen Grund. Trotzdem werden wir versuchen, die Situation auf unseren Prüfständen in Viry nachzustellen."

Nicht die ersten Lichtmaschinenschäden

Die SafetyCar-Phase hat laut White nichts mit dem Überhitzungsproblem zu tun. Im Fall von Vettel hat sie das Leben der Lichtmaschine sogar um einige Runden verlängert. "Die langsameren Geschwindigkeiten hinter dem SafetyCar haben den totalen Ausfall der Systeme hinausgezögert. Als Sebastian wieder auf Rennspeed umschaltete, war es dann schnell vorbei." Während sich Vettels Defekt auf dem Display ankündigte, traf Grosjean der Stromausfall aus heiterem Himmel.

Im Zuge der Ermittlung forschte Renault in seinen Büchern nach, ob es in dieser Saison bereits einmal derartige Schäden gegeben hatte. Tatsächlich waren vorher bereits zwei Mal Probleme mit Lichtmaschinen aufgetreten. Ein Mal bei den Wintertestfahrten an einem Red Bull. "Das war ein Selbstversuch", erzählt White. "Wir sind ans absolute Limit mit dem Motor gegangen um zu schauen, wie lange die Komponenten halten. Nachdem dieses Problem aufgetreten war, sind wir mit den Motoreinstellungen auf die sichere Seite gegangen." Beim GP Monaco rollte Vitaly Petrov im Caterham nach 15 Runden lautlos aus. In diesem Fall lag die Ursache nach Meinung von White im hohen Alter der Lichtmaschine. "Sie hatte knapp über 4.000 Kilometer drauf und stand kurz vor Wartungsarbeiten. Seitdem haben wir die Wartungsintervalle deutlich verkürzt."

Die Alternatoren von Vettel und Grosjean waren praktisch brandneu. Nach 400 Kilometern auf dem Prüfstand kamen die frischen Triebwerke samt Lichtmaschinen am Samstag von Valencia in den Red Bull RB8 und den Lotus E20. "Insgesamt hatten die Teile zum Zeitpunkt des Ausfalls weniger als 1.000 Kilometer abgespult", verrät White. Er will deshalb nicht ausschließen, dass es sich bei den beiden Exemplaren um eine fehlerhafte Serie handelt.

Renault noch auf Fehlersuche

Ganz offenbar liegt der Grund für die Überhitzung nicht an den Umgebungstemperaturen. Red Bull-Teamchef Christian Horner sagte auf Anfrage gegenüber auto motor und sport. "Die Temperaturen in diesem Bereich lagen am Auto von Mark Webber in der fraglichen Zeit um zehn Grad höher als an Sebastians Auto." Das spricht eher für eine mechanische Überlastung. Ähnlich dem Szenario, das bei den Wintertestfahrten simuliert wurde.

In dem Zusammenhang ist interessant, dass Vettel und Grosjean den Großteil des Rennens freie Fahrt hatten und deshalb unbedrängt von anderen ihr Tempo fahren konnten. Ein hohes Tempo. Möglicherweise haben sie deshalb auch andere Motorkennfelder gewählt als die anderen sechs Piloten mit Renault-Motoren im Rücken. Das Motorkennfeld bestimmt nicht nur, ob man im Schongang oder auf Attacke fährt, es hat auch Einfluss auf das Nachfüttern von Auspuffgasen im Schleppbetrieb des Motors. Und das wiederum bestimmt die Aerodynamik und die Traktion.

Eine endgültige Lösung des Problems hat Renault noch nicht im Angebot. "Wir prüfen mehrere Lösungsansätze", bestätigt White. "Der eine wäre, für alle unsere Kunden Lichtmaschinen aus einer anderen Produktionsserie zu verwenden. Der zweite, den aktuellen Alternator zu modifizieren. Der dritte, die Spezifikation von 2011 einzusetzen. Wir werden unsere Kunden auch bitten, ob sie die Kühlung verbessern oder andere Motoreinstellung fahren können, die nicht so aggressiv sind. Egal, zu welchem Schluss wir kommen, werden wir nach dem Freitagstraining in Silverstone eine eingehende Untersuchung durchführen und gegebenenfalls Maßnahmen treffen."


Das hört sich noch nicht nach der endgültigen Behebung des Problems an. Zwischen den Zeilen hört man eher durch, dass die eigentliche Ursache der Schäden in den verwendeten Motoreinstellungen liegen könnte. Möglicherweise hat Renault weiter aggressive Kennfelder mit extremen Zündzeitpunkten und Einspritzzeiten im Angebot. Diese sind gut für die Rundenzeit, belasten aber das Motorumfeld zu stark. 

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