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Vettel erklärt Stallregie-Fehler

"Mark hätte es nicht verdient gehabt"

Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - GP China - 11. April 2013 Foto: xpb 18 Bilder

Zwei Wochen nach dem GP Malaysia gab es im Camp von Red Bull nur ein Thema. Der Teambefehl, den Sebastian Vettel ignoriert hat. Während sich Mark Webber betont kleinlaut äußerte, zog Vettel ordentlich vom Leder. Er ließ durchblicken, dass er für Webber nicht auf den Sieg verzichten wollte und in der gleichen Situation wieder genauso handeln würde.

11.04.2013 Michael Schmidt

Mark Webber kam mit neuem Kurzhaarschnitt nach Shanghai. Ist das der Beginn eines neuen Kapitels in seiner Karriere, wurde der Australier gefragt. "Nein, eher ein Fehler des Friseurs. Als ich merkte, dass er zu kurz schneidet, war es schon zu spät."

So locker war Webber aber nur bei der Frage nach seiner Haartracht. Kam die Sprache auf die missglückte Stallregie blieb der Zweite des GP Malaysia einsilbig. "Mir sind in den drei Wochen Pause viele Gedanken durch den Kopf gegangen, positive wie negative. Das soll aber nicht heißen, dass ich mit der Formel 1 abgeschlossen habe. Ich werde wie jedes Jahr im Sommer mit Dietrich Mateschitz über meine Zukunft sprechen."

Sebastian Vettel ging dafür in die Vollen. Der Weltmeister wollte nicht den Vorwurf auf sich sitzen lassen, er hätte die Entschuldigung nur der Kosmetik wegen ausgesprochen und sich von Anfang an nicht um den Teambefehl geschert.

"Meine Entschuldigung galt dem Team und nicht Mark. Ich habe einen Befehl falsch verstanden, den ich nicht hätte falsch verstehen dürfen. Damit habe ich gegen die Teaminteressen gehandelt. Deshalb die Entschuldigung. Nicht nur vor meinem Rennteam, sondern der gesamten Mannschaft in der Fabrik." Und die Reaktion darauf? "Die haben nicht wirklich verstanden, wofür ich mich entschuldigt habe."

Was gibt es an Multi 21 nicht zu verstehen?

Sebastian Vettel bekam im entscheidenden Moment den Befehl "Multi 21" von seinem Renningenieur Guillaume Rocquelin via Funkspruch mitgeteilt. Das hieß nicht nur, dass die Reihenfolge mit der Startnummer 2 vor der Startnummer 1 einzuhalten war, sondern, dass Vettel und Webber auf ihrem Multifunktionsschalter am Lenkrad auf die Position "21" gehen sollten. Dabei werden wie bei dem entgegengesetzten Befehl "Multi 12" alle Systeme auf Schongang heruntergefahren.

Auf die Frage, was bei einer so simplen Aufforderung nicht zu verstehen sei, antwortete Vettel: "Der Befehl kam nur einmal und in einem Moment, in dem ich abgelenkt war. Als Fahrer hat man ja auch noch ans Fahren zu denken." Mark Webber zweifelt den Wahrheitsgehalt dieser Worte an. Die Inquisiteure der englischen Presse auch. "Ihr könnt mir glauben, oder auch nicht, aber es war so", beteuerte Vettel.

Auch der Ärger von Teamchef Christian Horner, als er sich bei Vettel mit den Worten "Come on, this is silly, Seb", beschwerte, kam im Cockpit mit der Startnummer 1 nicht richtig an. "Christian spricht mit mir eher selten. Deshalb weiß er auch nicht, wo man als Fahrer Funksprüche besser oder schlechter versteht. Er hat mich bei voller Drehzahl auf der Geraden erwischt. Ich hörte, da redet einer was am Funk, aber ich hörte nicht was."

Webber hat Sieg nicht verdient

Vettel ist immerhin ehrlich genug zuzugeben, dass er die Teamorder wahrscheinlich auch dann nicht befolgt hätte, hätte er sie einwandfrei verstanden. "Ich hätte dann darüber nachgedacht. Ob ich sie befolgt hätte, steht auf einem anderen Blatt. Wahrscheinlich nicht, denn Mark hätte es nicht verdient gehabt, dass ich wegen ihm auf einen Sieg verzichte. Ich war zu dem Zeitpunkt schneller als er, und ich hatte von den Reifen und vom Spritverbrauch her noch zwei Joker in der Hand." Rumms, das saß. Vettel sprach darauf indirekt auf frühere Teambefehle an, die Webber in den Wind geschrieben hatte. GP Türkei 2010, GP England 2011, GP Brasilien 2012. "Mark hat schon mehrfach gezeigt, dass er nicht ans Team denkt."

Auch Webber sprach alte Vorfälle an, dachte aber an etwas anderes als Vettel. Es ging um das Finale der Saison 2010, als er nach Punkten besser dastand als der Deutsche, Vettel sich aber weigerte Webber zu helfen, so lange er selbst noch theoretische Chancen auf den Titel hatte.

Herrscht jetzt Krieg bei Red Bull? "So würde ich das nicht nennen", weicht Vettel aus: "Ich habe einen großen Respekt vor Mark als Rennfahrer. Privat eher nicht. Wir sind keine Freunde, es ist kein Vertrauen da, aber wir haben trotzdem ein professionelles Verhältnis. Um dem Team zu schaden, müsste sich schon ein Spalt bilden, und den sehe ich nicht."

Vettel hatte nur den Sieg vor Augen

Vettel dachte in den letzten Runden des GP Malaysia nicht an die sieben WM-Punkte, die ihm möglicherweise zum vierten WM-Titel helfen könnten. "So früh in der Saison denkst du nicht an Punkte oder die WM. Auch nicht daran, dass Alonso schon ausgefallen war. Es erwischt jeden von uns ein Mal in der Saison. Ich bin Rennfahrer und will einfach nur gewinnen. In dem Augenblick hatte ich den Sieg mehr vor Augen als die Interessen des Teams."

Einen möglichen Imageverlust kann Vettel verschmerzen: "Du kannst es nicht jedem Recht machen." Viele Beobachter interpretieren den Vorfall so, dass Vettel jetzt der Chef im Ring ist und nicht Christian Horner oder Red Bull-Konsulent Helmut Marko. "Das sieht vielleicht von außen jetzt so aus", wehrt Vettel ab, "aber das ist Quatsch. Es waren unglückliche Umstände, die dazu geführt haben. Christian ist der Boss im Team."

Keine Stallorder mehr bei Red Bull

Nach der Panne von Malaysia ist Stallregie bei Red Bull ab sofort tabu. Der große Chef Dietrich Mateschitz hat von seiner Alm herunter ein Machtwort gesprochen. Angeblich sollte Teamberater Helmut Marko deshalb sogar eine Auszeit nehmen. Nach einigem Zögern meinte Webber: "Das macht unser Leben als Fahrer leichter."

Vettel ist der gleichen Meinung. Doch da könnte er sich täuschen. In Zukunft könnte es in der Hitze des Gefechts dazu kommen, dass der eine dem anderen ein Rad reinstellt. "Mark hat es mir nie leicht gemacht. Deshalb wird sich nichts ändern", winkt Vettel ab.

Vielleicht doch. Wenn sich Red Bull in einer ähnlichen Situation in ein sinnloses Teamduell verstrickt, dann opfern die Fahrer damit auch die Laufzeit ihrer Motoren und Kraftübertragungen. Was Vettel im Kampf gegen Webber oder umgekehrt verschwendet, könnte der ein oder andere ein Rennen später gegen Fernando Alonso oder Lewis Hamilton dringend brauchen.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die negativen Höhepunkte der gestörten Beziehung zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel.

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