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Vettel pokert hoch

Arrogant oder genial?

Sebastian Vettel GP Singapur 2013 Foto: xpb 60 Bilder

Sebastian Vettel hat hoch gepokert. Nach einer überlegenen Vorstellung in allen Trainingsläufen verzichtete Vettel bei einem Vorsprung von 0,59 Sekunden auf den letzten Reifensatz. Nico Rosberg hätte ihn fast noch eingeholt. Teamberater Helmut Marko schimpfte die Taktik als "überheblich".

21.09.2013 Michael Schmidt

Das hätte ins Auge gehen können. An der Pole Position von Sebastian Vettel gab es eigentlich nie einen Zweifel. Im Q2 nahm er dem Rest der Welt neun Zehntel ab. Nach dem ersten Versuch im Q3 trennten ihn 0,590 Sekunden von Nico Rosberg. Dann stieg Vettel aus. Und Rosberg explodierte. Am Ende fehlten dem Mercedes-Piloten nur 0,091 Sekunden auf die Trainingsbestzeit.

Vettel entschuldigte sich für seinen Poker: "Eigentlich hatte ich ja geplant, zwei Versuche zu machen. Dann aber war der Vorsprung ziemlich groß, und ich sah die Chance, mir einen Reifensatz für das Rennen aufzuheben. Mein Renningenieur Rocky hat mich gefragt, um wie viel ich mich noch steigern könnte. Ich bin von zwei Zehnteln ausgegangen. Ein Zehntel von der Strecke, eines von mir. Dass die Strecke dann so viel schneller wird, hätte ich nie geglaubt." Nico Rosberg auch nicht: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die neun Hundertstel bestimmt noch irgendwo gefunden."

Konkurrenz verteidigt Vettels Taktik

Da kann Vettel von Glück reden, dass Rosberg im ersten Sektor das entscheidende Zehntel auf ihn liegen ließ. Red Bull-Berater Helmut Marko hätte auf die spannende Schlussphase lieber verzichtet: "Das hat uns wieder mal gezeigt, dass wir nicht überheblich sein dürfen. Beim nächsten Mal machen wir es nicht mehr so. Wir hätten nie erwartet, dass die Strecke so viel schneller wird. Rosbergs dritter Sektor war fast der Killer für uns. Und der Sektor hat die ganze Zeit Vettel gehört."

Red Bull bekommt trotz der riskanten Taktik Rückendeckung von der Konkurrenz. Mercedes-Teamchef Ross Brawn wäre vielleicht das Risiko nicht eingegangen, zeigte aber Verständnis für Vettels Entscheidung: "Sebastian hat es nicht aus Arroganz getan. Es gab einen plausiblen Grund dafür. Der Reifensatz, den er sich dadurch gespart hat, wird am Sonntag ein Vorteil sein."
 
Auch Lotus-Ingenieur Alan Permane will Vettel nicht kritisieren: "Wir sind mit Grosjean im Q1 ein großes Risiko eingegangen und haben ihn mit den harten Reifen rausgeschickt. Das wäre auch fast schiefgegangen."

"Falsche Strategie sich zurückzulehnen"

Sebastian Vettel hat die Trainingstage auf dem Marina Bay Circuit auf eine Weise dominiert, die an das Jahr 2011 erinnert. Der zweifache Singapur-Sieger bleibt vorsichtig. Das Rennen in Singapur dauert zwei Stunden, und es hat in der Vergangenheit oft schon verrückte Geschichten geschrieben. In allen fünf Rennen ging das Safety Car auf die Strecke. Wegen der vielen Bodenwellen ist die Ausfallquote höher als anderswo. Man kann ganz leicht mit der Strategie verzocken.

Vettel: "Mercedes und Lotus haben im Training bereits gezeigt, dass sie stark sind. Ich erwarte auch Ferrari besser. Die können sich im Rennen immer noch steigern. Wir werden weiter voll angreifen. Es wäre die falsche Strategie, sich jetzt zurückzulehnen und zu warten, was die Gegner tun."

Webber verschenkte Zeit in Sektor 3, Grosjean in Sektor 1

Teamkollege Mark Webber konnte von Vettels Poker nicht profitieren. Dabei legte der Australier im ersten Sektor los wie die Feuerwehr und markierte Bestzeit. Webber verlor wie üblich im letzten Abschnitt Boden. Ganze drei Zehntel. "Das ist Marks schwacher Sektor. Deshalb hatten wir auch keine Sorge, dass er Vettel schlagen würde", winkte Marko ab.
 
Mercedes und Lotus ließen ihn jedoch zittern. Auch Romain Grosjean hatte die Trainingsbestzeit in der Hand. Ihm fehlten 0,217 Sekunden auf Vettel. Dazu Chefingenieur Alan Permane: "Romain wurde in seiner Aufwärmrunde aufgehalten. Deshalb hat er die zwei Zehntel im ersten Sektor verloren. Da waren die Reifen noch nicht voll da."

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