Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Vettel rätselt

Warum war Red Bull so langsam?

Mark Webber GP Spanien 2011 Foto: dpa 50 Bilder

Der vierte Saisonsieg von Sebastian Vettel war eine Zitterpartie. Erst fuhr ihm Fernando Alonso 19 Runden vor der Nase herum. Und dann hatte er 40 Runden lang Lewis Hamilton formatfüllend im Rückspiegel. Kommentar des WM-Spitzenreiter: "Mann, das war echt knapp heute."

22.05.2011 Michael Schmidt

Sebastian Vettel sah man die Verteidigungsschlacht über 66 Runden in Barcelona noch eine Stunde nach der Zielflagge an. In seinen Augen wetterleuchtete ein Rennen, das von der Papierform so einfach schien. Die Red Bull waren im Training so überlegen, dass Lewis Hamilton nach der Trainingsniederlage orakelte: "Morgen kann ich nur auf den ersten 100 Metern mit den Red Bull kämpfen." Es wurden 66 lange Runden daraus.

Zuerst einmal wurden die Favoriten von Fernando Alonso überrascht, der wie der Pfeil aus der zweiten Startreihe alle Gegner vor ihm düpierte. "Ich dachte noch: Wo kommt der denn her?", wunderte sich Vettel, als der Ferrari vor ihm in die erste Kurve bog. Immerhin wusste er Teamkollege Mark Webber als Manndecker hinter sich. Lewis Hamilton stellte sich auf Platz vier an.

McLaren auf Augenhöhe mit Red Bull

Keiner ahnte, dass ausgerechnet der Mclaren-Pilot zu Vettels großem Gegner werden würde. "Fernando hat uns aufgehalten. Aber ich kam einfach nicht vorbei. In der Schikane kannst du nicht richtig auf das Auto vor dir aufschließen. Und auf der Geraden war er viel schneller. Ich hätte in den Kurven schon über Alonso drüberspringen müssen."

Hamilton glaubt, dass Alonso eine Hilfe für McLaren war: "So konnten die Red Bull vorne ihr Tempo nicht fahren." Vettel bezweifelt das: "Wenn ich ehrlich bin, war der McLaren auf beiden Reifentypen am Ende des Turns immer schneller als wir, auf den harten mehr als auf den weichen." Der vierfache Saisonsieger rätselte, warum sein Verfolger im Renntrim plötzlich auf Augenhöhe fuhr.

Offenbar hatte McLaren Normalform. Red Bull dagegen büßte gegenüber dem Training mehr Speed ein. Dazu ein kleines Rechenspiel. Hamiltons schnellste Rennrunde war um 4,766 Sekunden schlechter als seine Trainingszeit. Bei Vettel lagen zwischen Rennen und Qualifikation 5,981 Sekunden.

Aggressive Strategie geht auf

Vettel: "Wir haben da ein paar Theorien, müssen aber erst die Daten analysieren. Das war ziemlich dünn heute. Wenn Lewis einmal vor mich gekommen wäre, hätte ich ihn wahrscheinlich nicht mehr erwischt." Lag es vielleicht an den relativ hohen Temperaturen? Das Thermometer kletterte im Rennen immerhin auf 27 Grad. "Das könnte ein Faktor gewesen sein", grübelte Vettel.

Red Bull wählte für Vettel die aggressive Strategie, um das Hindernis Alonso zu knacken. "Wahrscheinlich hätte es schon beim ersten Stopp funktioniert, aber ich kam hinter Massa und Button raus, und konnte eine halbe Runde lang den Vorteil der frischen Reifen nicht nutzen."

Als auch Alonso seinen zweiten Reifensatz abgeholt hatte, lag der Ferrari erneut in Führung. Dafür machte sich hinter Vettel jetzt Hamilton und nicht mehr Webber breit. Hamilton zog den Joker des frischen Reifensatzes bereits im zweiten Turn. Vettel erst im dritten.

Da klappte endlich der Schachzug, Alonso mit dem früheren Reifenwechsel auszutricksen. "Wir sind nur so früh reingekommen, um auf der Strecke einen Platz zu gewinnen. Sonst hätten wir mit den ersten beiden Reifensätzen schon noch länger fahren können."

Red Bull hat wieder Ärger mit KERS

Als Vettel seinen dritten Turn begann, las er auf der großen Anzeigentafel die Zahl "18" ab: "Ich dachte, ich träume. Noch 48 Runden zu fahren, und schon zwei Reifensätze weg. Kommen wir da überhaupt an?"

Lange konnte er sich keine Gedanken darüber machen. Hamilton holte auf wie der Wirbelwind. Vettel bekam immer mehr Ärger mit seinem KERS. "Ich kenne das Spiel ja schon. Anfangs fiel es nur zweitweise aus. Das ist nervig, weil du sofort die Bremsbalance und ein paar andere Sachen verstellen musst, damit sich das Fahrverhalten nicht ändert."

15 Runden vor Schluss kam der Funkspruch: "Schalte das KERS ganz ab." Vettel rekapituliert: "Das ist die letzte Nachricht, die du zu so einem Zeitpunkt hören willst. Lewis hatte KERS, und er hatte den verstellbaren Heckflügel. Das sind allein auf der Geraden drei Zehntel."

Vettel muss 18 Runden zittern

Hamilton zeigte sich ein paar Mal verdächtig nah im Getriebe, aber eine echte Überholchance hatte er nie. "Ich war nie nah genug an Sebastian dran, um einen Angriff starten zu können. In den schnellen Kurven war der Red Bull zu gut für uns. Ich konnte nur mit Mühe dranbleiben."

Vettel war sich trotzdem bis zur erlösenden Zielflagge nicht sicher: "Mit diesen Reifen kannst du nicht planen. Sie verzeihen dir einerseits keinen Fehler, andererseits belohnen sie dich nicht, wenn du nett zu ihnen bist. Wenn du 18 Runden mit einem Satz draußenbleiben musst, ist das eine Fahrt ins Blaue hinein. Weil keiner weiß, wie lange der Reifen hält. Ein paar Mal habe ich gehofft, dass sich Lewis hinter mir die Reifen ruiniert, aber das ist leider nicht passiert." Der WM-Spitzenreiter war erleichtert. Sein Einsatz zahlte sich aus. Jetzt trennen ihn schon 41 Punkte von Hamilton.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden