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Vettel top, Räikkönen flop

Ist das Startprogramm schuld?

Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Österreich 2015 Foto: xpb 63 Bilder

Ferrari ließ in Österreich viele Punkte liegen. Sebastian Vettel verlor seinen dritten Platz durch einen schlechten Boxenstopp. Kimi Räikkönen war an der Kollision mit Fernando Alonso vermutlich selbst Schuld. Er unterschätzte den Drehmomentüberschuss im Startpgrogramm.

21.06.2015 Michael Schmidt

So ist Ferrari kein Herausforderer für Mercedes. Sebastian Vettel hatte nicht den Speed, um den Silberpfeilen zu folgen. Er taxierte den Unterschied auf drei Zehntel. Wie schon in Montreal schrumpfte die Differenz auf den härteren Reifen. Mit den Supersoft-Reifen steht der Ferrari mehr auf Kriegsfuss als mit der Mischung Soft.

Teamchef Maurizio Arrivabene will die Reifen nicht als Entschuldigung gelten lassen. "Wir müssen mehr Abtrieb und mehr Traktion finden. Basta. Es darf für uns keinen Unterschied ausmachen, auf welchen Reifentypen wir rollen." Dann gab der Capo die klare Losung aus: "Wir müssen Mercedes in absehbarer Zeit schlagen, nicht erst 2020. Ich halte an meinem Saisonziel von drei Siegen fest."

Arrivabene fordert andere Herangehensweise am Freitag

Ferrari hat am Sonntag wieder einmal nicht gehalten, was man am Freitag versprochen hat. In den Dauerläufen waren die roten Autos im Schnitt eineinhalb Zehntel schneller als die Silberpfeile. "Vielleicht haben wir am Freitag doch mehr Reserven als Ferrari", schlussfolgert Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Sein Gegenspieler Arrivabene fordert seine Ingenieure auf, die Abläufe zu ändern. "Es bringt nichts, wenn wir uns mit weniger Benzin betrügen. Ich will schon bei den Dauerläufen am Freitag das wahre Bild sehen."

Ferraris erster Mann spart auch bei den Boxenstopps nicht mit Selbstkritik. Sebastian Vettels dritter Platz ging nach 13 Sekunden Standzeit an Felipe Massa. Rechts hinten verkantete die Radmutter. "Es ist uns nicht zum ersten Mal passiert. Die Mechaniker trifft keine Schuld. Es ist ein Materialproblem. Das müssen wir dringend lösen." In Australien traf es Räikkönen, in Montreal Vettel. Arrivabene gab auch zu: "Auch bei einem perfekten Rennen hätten wir Mercedes nicht geschlagen." Nicht einmal mehr für Massa reichte es. "Felipe hat keinen Fehler gemacht, der groß genug gewesen wäre, ihn zu überholen", bedauerte Vettel.

Kein Problem mit Räikkönens Auto

Dann lobte der Ferrari-Chef Vettel: "Er ist ein wichtiger Faustpfand in unserem Aufstieg zum zweitbesten Team. Sebastian hat das absolute Maximum aus dem Auto herausgeholt." Als die Sprache auf Kimi Räikkönen kommt, drückt sich Arrivabene um klare Worte. "Leider war der Unfall nicht aus Alonsos Kameraperspektive zu sehen. Deshalb müssen wir glauben, was uns Kimi erzählt hat. Er hat von ungewöhnlichem Schlupf beim Beschleunigen gesprochen."

Räikkönen gab an, dass nach dem Hochschalten in den vierten Gang zu viel Drehmoment an den Hinterrädern lag. "Es ist bei hoher Geschwindigkeit an einer ungewöhnlichen Stelle passiert." Tatsächlich zeigt das Drehzahl-Leuchtband im Cockpit, dass die Drehzahlen konstant knapp unter dem Begrenzer liegen. Doch das ist keine Entschuldigung. Die Ferrari-Techniker beteuerten den FIA-Kommissaren gegenüber, dass es kein Problem mit dem Auto gegeben habe. Komisch auch der erste Funkspruch von Räikkönen auf die Frage, ob es ihm gut gehe. "I lost the clutch." Zu Deutsch. "Die Kupplung hat sich abgemeldet."

Alonso wusste nicht, dass ein Ferrari unter ihm lag

Unfallgegner Fernando Alonso und Jenson Button haben eine andere Theorie. Der eine wurde von Räikkönen aufgegabelt, der andere sah die Kollision erste Reihe Mitte. "Kimi hat das Auto von selbst verloren. Für mich sah es nach dem gleichen Problem wie bei seinem Dreher in Montreal aus. Das Startprogramm des Ferrari liefert das Drehmoment offenbar sehr aggressiv ab. Dazu hatte Kimi noch die harten Reifen drauf, die am Anfang nicht so viel Grip hatten."

Erinnern wir uns an Montreal. Da wechselte Räikkönen von supersoft auf soft. Die härteren Reifen waren in ihrer ersten Runde auch noch nicht voll im Arbeitsfenster. Beim Boxenstopp wird wie beim Start das Startprogramm aktiviert. Es lässt sich nach dem Anfahren nicht einfach so ausschalten. Die Regeln verlangen, dass es 90 Sekunden im Einsatz bleibt, sobald es einmal aufgerufen wurde.

Beim GP Kanada resultierte der Drehmomentüberschuss in einem Dreher, den sich Kimi nicht erklären konnte. Außer, dass beim Beschleunigen zu viel Power auf ein Mal kam. Button wunderte sich: "Obwohl das Heck immer wieder ausbrach, blieb Kimi voll auf dem Gas. Auch das Hochschalten hat nichts geändert. Die Hinterräder drehten durch, und er kam nur langsam vom Fleck. Dabei sind alle rechts an ihm vorbeigeschossen."

Bis auf einen. Alonso probierte es links. Nach Aussage einiger Kollegen ein optimistisches Manöver, weil links kaum Platz war. "Ich konnte nicht mehr nach rechts ziehen, weil Kimi plötzlich zu mir rüber in meine Fahrspur zog", verteidigte sich Alonso. Der Ferrari drückte den McLaren heftig in die Leitplanken und nahm den blinden Passagier dann Huckepack. "So sind wir noch eine ganze Weile dahingefahren", erzählte Alonso.

Und dann erzählte der Spanier den Sportkommissaren eine unglaubliche Geschichte: "Ich wusste nicht, dass Kimi unter mir lag. Aus meiner Sicht bin ich auf die Leitplanke geklettert. Als ich ausgestiegen bin, war ich echt überrascht, dass ich unter mir den Ferrari sah."

Räikkönen zog die Hände vom Lenkrad

Räikkönen hatte mehr Angst um seine Hände als um seinen Kopf, als ihn der McLaren in der Luft überholte. Das Auto über ihm schrammte Zentimeter an seiner Hand vorbei. Reaktionsschnell zog Kimi beide Hände vom Lenkrad zurück und legte sie auf seine Oberschenkel. Alonso wurde beim Einschlag durchgeschüttelt. Erste Messungen ergaben eine Verzögerung von 34 g.

Räikkönen steht nach der Pleite in der Qualifikation und dem Unfall in der Startrunde noch mehr unter Druck als vorher. Gibt es eine Frist, wann die Entscheidung über die Zukunft des Finnen fällt. Arrivabene lächelt dünn: "Es gibt sie, aber ich werde sie euch nicht verraten. Wir haben noch nicht einmal Halbzeit der Saison, und reden schon über Fahrerentscheidungen. Ich habe zum Fall Kimi immer gesagt, dass nur die Leistung zählt. Das bemisst sich nicht nur an Ergebnissen. Wir schauen auch darauf, wie er mit den Ingenieuren arbeitet."

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