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Vettel zerstört Konkurrenz

Mit Monza-Flügel zum Spa-Sieg

Sebastian Vettel GP Belgien 2013 Foto: Wilhelm 66 Bilder

Sebastian Vettel hat in Spa die Konkurrenz zerstört. Der Sieger des GP Belgien hängte Fernando Alonso um 16,8 Sekunden, Lewis Hamilton um 27,7 Sekunden und Romain Grosjean um 55,8 Sekunden ab. Wir haben die Gründe für den dominanten Sieg.

27.08.2013 Michael Schmidt

Diese Überlegenheit überraschte selbst die Sieger. Sebastian Vettel setzte sich nach zwei Kilometern an die Spitze und fuhr ab da ungefährdet seinem fünften Saisonsieg entgegen. Er heimste alle Führungsrunden ein, die schnellste Rennrunde und er hängte die direkte Konkurrenz über 44 Runden um Längen ab.

16,8 Sekunden Vorsprung auf Ferrari, 27,7 Sekunden auf Mercedes und 55,8 Sekunden auf Lotus sind ein Klassenunterschied. Und das auf einer Strecke, auf der man den Red Bull für verwundbar hielt. Man muss sich nur Vettels Vorsprung pro Runde ausrechnen: Auf Alonso betrug er 0,381 Sekunden, auf Hamilton 0,629 Sekunden und auf Grosjean 1,268 Sekunden.

Red Bull-Sorgen im Mittelsektor

Nach dem Training sah das noch ganz anders aus. Da machte Red Bull vor allem die Vorstellung der Mercedes Sorgen. Hamilton hängte Vettel im Mittelsektor im Regen um über eine Sekunde ab. Wenigstens herrschte beim Top-Speed Gleichstand. Alonso war im kurvenreichen Teil und auf der Geraden schneller.
 
Da begann sich im Lager der Weltmeister Unsicherheit breitzumachen. Hatte man mit dem Monza-Heckflügel vielleicht doch zu viel riskiert? Würde man im Rennen in den Kurven zu viel rutschen und damit die Reifen zu schnell verschleißen?

Vettel wurde nicht ohne Grund nach fünf Runden ermahnt, auf die Reifen aufzupassen. "Doch Sebastian konnte sein Tempo weiterfahren, ohne dass die Reifen nachgelassen hätten", wunderte sich Teamchef Christian Horner. Mercedes-Kollege Ross Brawn analysierte: "Wir waren mit den Reifen am Anfang zu vorsichtig. Da hatte Red Bull mehr Mut."

Monza-Flügel nur Notlösung für Red Bull

Der Mini-Flügel im Heck war eine Notlösung. Mit dem für Spa konzipierten Flügel wären Sebastian Vettel und Mark Webber auf der Geraden verhungert. Spa zählt zu den Rennstrecken, in der das Rennen das Setup bestimmt. Lieber opfert man im Training etwas Rundenzeit, damit im Rennen der Speed auf der Geraden stimmt. Sonst kann man nicht überholen, oder wird ganz leicht überholt.

Red Bull lag in Spa im Topspeed mit 316,1 km/h zu 316,9 km/h im Bereich der Mercedes. Das kommt ganz selten vor. Nur Ferrari war um vier km/h schneller. Red Bull machte seine Zeit in Eau Rouge und Blanchimont gut. Vettel nahm Alonso in Eau Rouge 3,1 km/h und Hamilton 8,0 km/h ab. Im Mittelsektor kehrte sich am Renntag das Kräfteverhältnis um. In den mittelschnellen Kurven gewann Vettel bei einer Fahrtzeit von knapp 50 Sekunden auf Alonso ein Zehntel, auf Hamilton immerhin drei.

Red Bull auf schnelle Kurven getrimmt

Alles war eine Frage des Setups. Die aerodynamische Effizienz war beim Red Bull mehr Richtung schnelle Kurven getrimmt. Hätte es geregnet, wäre Mercedes im Vorteil gewesen. Das lag nicht daran, dass Mercedes wie vielfach vermutet ein Regen-Setup fuhr, sondern daran, bei welcher Geschwindigkeit und bei welchem Kurventyp die gewählte Aerodynamikabstimmung besonders effizient war.

"Wir sind auch mit einer Trockenabstimmung gefahren, hätten aber im Regen im Vergleich zu den anderen besser ausgesehen", erklärte Brawn. Ferrari lag irgendwo zwischen Red Bull und Mercedes. Lotus war chancenlos. Zu langsam auf der Geraden, nicht schnell genug in den Kurven. Schon im letzten Jahr haben die schwarzen Autos auf den schnellen Strecken keine besonders gute Figur gemacht.

Vettel brauchte frei Fahrt

Trotzdem konnte für Red Bull noch viel schiefgehen. Sebastian Vettel musste so schnell wie möglich an Lewis Hamilton vorbei, um freie Fahrt zu haben. Und er konnte froh sein, dass Fernando Alonso beim Start noch weit weg stand. Alonsos Einschätzung, dass er auch von der Pole Position nicht gewonnen hätte, muss nicht richtig sein. Der Ferrari war zwar klar langsamer als der Red Bull, aber nur, wenn beide Piloten frei fahren konnten.

An Alonso wäre Vettel nicht so einfach vorbeigekommen wie an Hamilton. Und hätte er sich hinter dem Ferrari lange anstellen müssen, hätten auch die Reifen mehr gelitten. Die Gegner sollten Vettels Erfolgsrezept eigentlich bereits durchschaut haben. Wenn er nicht gleich beim Start in Führung geht, versucht er es überfallartig in den ersten zwei Runden.

Für Hamilton in Spa brauchte er 35 Sekunden. Am Nürburgring war es eine Kurve. In Bahrain schaute er fünf Kurven in Alonsos Auspuff und zwei Runden in den von Nico Rosberg. Alles, was länger dauert, wird schwierig. "Weil dann der Vordermann seinen Rhythmus gefunden hat, wie er die Position verteidigt", erklärt Vettel.

Es gibt immer zwei Red Bull im Rennen

Mark Webbers Rennen hat gezeigt, was mit Red Bull passiert, wenn man im Verkehr steckenbleibt. Dann bricht das Kartenhaus mit der auf den Punkt genau gewählten Abstimmung zusammen. Die Aerodynamik des RB9 funktioniert nämlich nur bei perfekter Anströmung. Das Auto ist empfindlicher gegen Störungen als andere.

Deshalb sieht man im Rennen immer zwei Red Bull. Den, der problemlos vorne wegfährt, und den, der im Pulk mit Kompromissen leben muss. Webber ist im Rennen nicht so schlecht wie er oft aussieht. Das hat er in Malaysia gezeigt, als er ausnahmsweise mal an der Spitze fahren konnte.

Aber sobald der Red Bull anderen Autos hinterher hecheln muss, stimmt der Speed nicht mehr. Dann ist Red Bull wie in Spa zu einer alternativen Strategie mit einer anderen Reifenabfolge gezwungen. Sie sollte Webber aus dem Verkehr holen. Was nicht so funktionierte wie geplant. Der Australier lief immer wieder auf Nico Rosberg auf.

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