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Vettels heiße WM-Nummer

16 Überholmanöver und zwei Kollisionen

Sebastian Vettel GP Brasilien 2012 Foto: Red Bull 58 Bilder

Sebastian Vettel ist mit einem Minimalprogramm Weltmeister geworden. Ihm reichte ein sechster Platz. Doch der Weg dorthin war mit Dramen aller Art gepflastert. Bei dem Unfall in der ersten Runde ging es um Millimeter. Die Aufholjagd erinnerte an Abu Dhabi. Diesmal musste Vettel 16 Mal aktiv überholen.

27.11.2012 Michael Schmidt

Selten hat ein Weltmeister um seinen Titel so zittern müssen. "Wir haben es unnötig spannend gemacht", kritisierte Red Bull-Berater Helmut Marko. "Eigentlich müsste uns Bernie Ecclestone für diese Nummer extra bezahlen." Tatsächlich wurde für Vettel die vermeintlich leichte Aufgabe eine schwere. Vergleichbar vielleicht mit der Zitterpartie von Lewis Hamilton in Interlagos 2008 und Michael Schumacher in Suzuka 2003.

Vettels Glückszahlen zum Titel

Doch so viel Pleiten, Pech und Pannen hat die Dramaturgie selten für einen Weltmeister eingebaut. Sagen Ihnen die Zahlen 4 - 6 - 20 - 6 - 17 - 4 - 5 - 7 - 11 - 6 etwas? Das sind nicht die Zahlen der Glücksspirale und auch nicht der Geheimcode für einen Banksafe. Das ist Vettels Jojo-Fahrt durch den Grand Prix von Brasilien.

Als Vierter gestartet, als Sechster in die Gegengerade eingebogen, als 20. aus der ersten Runde zurückgekehrt, bis auf Platz sechs nach vorne gekämpft, nach dem ersten Boxenstopp auf Rang 17 durchgereicht, bis zum zweiten wieder an die vierte Stelle vorgefahren, auf dem fünften Platz wieder ins Rennen gegangen, dann zwei Positionen an Kamui Kobayashi und Felipe Massa verloren, durch einen unnötigen und einen verpatzten Reifenwechsel auf Rang elf zurückgesackt und auf dem sechsten Platz abgewinkt.

Vier Boxenstopps, 16 Überholmanöver

Zwischen der unfreiwilligen Pirouette zu Rennbeginn und der Zielflagge lagen genau vier Boxenstopps von 1.33,201 Minuten Länge und 16 Überholmanöver. Drei weniger als in Abu Dhabi. Vettel hat im Verlauf der 71 Runden folgende Kollegen mit einem angeschlagenen Red Bull überholt: Karthikeyan, Pic, de la Rosa, Vergne, Kovalainen, Petrov, Ricciardo, Rosberg, di Resta, Karthikeyan, Webber, Rosberg, Kovalainen, Kobayashi, Kobayashi und Schumacher.

Der neue und alte Weltmeister wurde aber auch zwei Mal überholt. In der 30. Runde von Kamui Kobayashi und im 34. Umlauf von Felipe Massa. Das ist Vettel in dieser Saison insgesamt nur vier Mal passiert. In Monza ging Fernando Alonso an ihm vorbei, in Austin Lewis Hamilton. Kein Fahrer hat seine Position besser verteidigt als er.

Glück im Unglück für Vettel

Bei Vettels drittem Titel war auch jede Menge Glück dabei. In Kurve 4 bekommt der Red Bull im Getümmel gleich zwei Rammstöße ab. Bruno Senna trifft den Red Bull mit rechten Frontflügelendplatte in einem sensiblen Bereich. Der Williams reißt ein Stück aus der Bodenplatte des Unterbodens vor den Hinterrädern und er schlägt ein Loch in die Verkleidung rund um den Coanda-Auspuff. Ein bisschen mehr, und der Auspuff bricht so unglücklich, dass er die Motorabdeckung abfackelt.

Die Schäden führen dazu, dass der Red Bull im Heck massiv Abtrieb verliert und dass Vettel auf eine ziviliere Motorsoftware umschalten muss, um die Auspufftemperaturen zu senken. Das kostet Leistung. "Das Heck war sehr aggressiv und schnappte dauernd herum", erzählte Vettel hinterher. "Ich habe das Auto ein paar Mal fast verloren. Zum Glück blieb ich die meiste Zeit auf der Strecke. Auf der Geraden war ich so langsam, dass ich beim ersten Re-Start von Webber und Kobayashi fast aufgeschnupft wurde."

Vettel im Visier der beiden Sauber

Sennas erster Rammstoß war die eine Sache, die viel gefährlichere Situation passierte wenig später. Vettel sah zunächst zwei Sauber auf sich zukommen. Kobayashi verfehlte den Frontflügel des Red Bull um Millimeter. Sergio Perez klemmte Sennas Williams so ein, dass der erneut mit dem Auto mit der Startnummer eins kollidierte und ihm einen harten Schlag gegen das rechte Hinterrad versetzte. So hart, dass man in der Bordkamera sieht, wie Vettels Kopf herumgeworfen wurde.

Die Hinterradaufhängung des Red Bull schluckte den Stoß. Das ist einerseits Glück, hat aber auch Methode. Wie leicht ein Rad abknicken kann, wenn der Aufprallwinkel des Gegners ungünstig ist, zeigte sich am McLaren von Lewis Hamilton bei der Kollision mit Nico Hülkenberg. Andererseits sind Adrian Neweys Auto grundsätzlich stabil gebaut.

Auslöser dafür war die Kollision zwischen Michael Schumacher und Damon Hill in Adelaide 1994. Als der Benetton über das linke Vorderrad des Williams sprang, knickte an Hills Aufhängung die Druckstrebe ein. Der damalige Williams-Konstrukteur Newey entschied: "Ab sofort baue ich stärkere Aufhängungen." Es lohnte sich bereits drei Jahre später, als Schumacher in Jerez den Williams von Jacques Villeneuve aufs Korn nahm. Und es lohnte sich bei Vettel in Interlagos erneut.

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