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Vettels fünf WM-Geheimnisse - Teil 3

McLarens Rechenfehler hilft Vettel

Robert Kubica Foto: xpb 36 Bilder

Sie glauben bereits alles über das irre WM-Finale von Abu Dhabi zu wissen? Wir verraten Ihnen fünf Geheimnisse über Vettels Titel, die bisher im Verborgenen blieben. Teil 3: Wie McLaren einen möglichen Sieg in Abu Dhabi leichtfertig verschenkte.

20.11.2010 Michael Schmidt

Sebastian Vettel drohte auf seiner Titelmission nicht nur Gefahr von Fernando Alonso. Auch Lewis Hamilton hätte Vettels Träume mit einem Sieg beenden können. Der Engländer war nahe dran, büßte aber für einen Rechenfehler vom Team.

Lewis Hamilton ging mit einer 1:100 Chance in das WM-Finale. Der McLaren-Pilot hätte schon ein Erdbeben gebraucht, um bei 24 Punkten Rückstand noch Weltmeister zu werden. Eigentlich hatte man McLaren auch im Kampf um den Tagessieg schon abgeschrieben. Seit Singapur spielten die chromfarbenen Autos hinter Red Bull und Ferrari nur noch die dritte Geige.

Umso überraschender war es, dass Hamilton im Training nur die Winzigkeit von 0,031 Sekunden auf die Pole Position fehlte. Da auch Jenson Button auf Schlagdistanz lag, stellte man sich im Fahrerlager die berechtigte Frage: Warum ist der McLaren plötzlich wieder so schnell?

Neuer Flügel bring die Wende

McLaren brachte einen neuen Heckflügel in drei unterschiedlichen Variationen nach Abu Dhabi. Sie trugen den internen Code RW83F. Der Flügel war eine Abwandlung eines Konzepts, an dem McLaren seit Suzuka herumdoktert. Pünktlich zum Finale funktionierte der Flügel wie gewünscht. Er verbesserte den Top-Speed, ohne dabei Abtrieb aufzugeben. Teamchef Martin Whitmarsh verriet: "Das Flügelprofil ist so gestaltet, dass die Strömung bei Betätigung des F-Schachts noch effizienter abreißt. Das reduziert den Luftwiderstand."

Jenson Button meinte im Anschluss an den Grand Prix: "Vielleicht sind wir technisch ein bisschen zu spät aufgewacht." Der entthronte Weltmeister spielte am Freitag den Test-Dummy. Er wurde mit minimalem Abtrieb auf die Bahn geschickt, Hamilton mit viel. Die Rundenzeiten erübrigten eine ausgiebige Analyse. Das Hamilton-Setup gewann. Damit gab McLaren auch der Konkurrenz einen wichtigen Tipp. Red Bull und Ferrari erhöhten ab Samstag ebenfalls den Anpressdruck. Und steigerten sich.

Hamilton mit besserer Racepace als Vettel

Hamilton hatte auch im Rennen den Speed, Vettel zu ärgern. In Runde 22 lag er nur 1,878 Sekunden hinter dem Spitzenreiter. Das war noch mit dem weichen Satz Reifen, der für McLaren der schlechtere war, weil das Auto die Reifen generell härter rannimmt als der Red Bull. McLaren wusste, dass Hamiltons Zeit mit dem harten Reifen kommen würde. Weil der McLaren den Gummi der Marke "medium" schneller auf Temperatur bringt als der Red Bull. Und weil er weniger stark verschleißt als die weiche Mischung. "Wir hatten die bessere Racepace", erklärte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh später.

Für die Strategen gab es nun zwei Optionen, um an Vettel vorbeizukommen. Entweder man geht vor dem Deutschen an die Box, um über eine schnelle Runde mit dem frischen Satz Reifen an dem Red Bull vorbeizuhuschen. Oder man versucht es gleichzeitig, was zwar an der Reihenfolge nichts ändern würde, Hamilton aber in Schlagdistanz gehalten hätte. Als Zweitplatzierter konnte Hamilton jederzeit auf jede Aktion von Vettel reagieren. Also kein Grund zur Panik.

McLaren ruft Hamilton zu früh an die Box

McLaren entschied sich für die falsche Variante. Hamilton hatte in Runde 22 einen Vorsprung von 19,5 Sekunden auf Robert Kubica und Kamui Kobayashi. Um vor dem Renault zu bleiben, hätte er mindestens 22 Sekunden Luft haben müssen. Trotzdem holte der Kommandostand seinen Mann an die Box. Selbst unter der Annahme, dass Hamilton die beiden Autos relativ rasch überholt, hätte er mit dieser Aktion drei bis fünf Sekunden auf Vettel verloren, weil das Überholen im echten Kampf einfach Zeit kostet.

"Wir mussten mit Lewis auf Risiko setzen, in der Hoffnung, eine schnelle Runde mit frischen Reifen könnte Vettel in die Knie zwingen", rechtfertigte sich Whitmarsh. "Red Bull hat nur gewartet, bis der Vorsprung auf Kubica genügend groß ist. Vettel hätte das als Führender früher geschafft als Lewis und wäre uns zuvorgekommen. Irgendwas mussten wir ja probieren. Und wenn der Renault nicht einen Fehler gemacht hätte, wäre Vettel vielleicht auch dahinter steckengeblieben."

McLaren-Strategie nimmt Hamilton aus dem Kampf gegen Vettel

Die letzte These Whitmarshs lässt sich durch einen kurzen Blick auf die Rundenzeiten widerlegen. Während die Spitze an die Box fuhr, hämmerte Kubica zwei schnelle Runden auf den Asphalt. Außerdem hatte Vettel rund zwei Sekunden Vorsprung vor Hamilton, der knapp hinter dem Renault auf die Strecke zurückkehrte. Ein kleiner Fehler des Renault hätte an der Reihenfolge wohl nichts geändert.

Direkt hinter Vettel zu bleiben, wäre besser gewesen, als 22 Runden lang hinter Kubica zu versauern. Die McLaren-Strategen wussten, wie schnell die Renault auf der Geraden sind. Vitaly Petrov und Fernando Alonso hatten ihnen seit der 16. Runde Anschauungsunterricht gegeben. Wie eng es für Vettel geworden wäre, zeigte sich, wann immer Hamilton freie Bahn hatte. Dann purzelten fast automatisch die Sektorbestzeiten. Hamilton hatte auch einen um 2,5 km/h höheren Top-Speed. McLaren hat also leichtfertig einen Sieg verspielt. Hätte Hamilton gewonnen, wäre Alonso mit drei Punkten Vorsprung Weltmeister geworden.

Button verschenkt bessere Zeit im Qualifying

Auch Button hätte sich als Störenfried profilieren können. Der Ex-Champion verspielte wie die Mercedes-Piloten leichtfertig einen noch besseren Startplatz. Button war auf harten Reifen so schnell wie auf den weichen. Er glaubt sogar, dass er in Q3 mit den harten Gummis hätte schneller fahren können. Das liegt daran, dass sich auf bestimmten Autos der Hinterreifen der Reifentyp "supersoft" etwas schwammig anfühlt. "Du hast das Gefühl, als wollte das Auto ständig ausbrechen. Das mag ich nicht", erklärt Button.

Trotzdem ließ er für die Zeitenjagd weiche Sohlen aufziehen. "Wenn du mit harten Reifen startest, kannst du zwar später Reifen wechseln, verlierst aber in der Phase zu viel Zeit, wenn die anderen auf frische harte Reifen gehen und du noch die gebrauchten harten drauf hast. Und wenn es eine frühe Safety-Car-Phase gibt, bist du erledigt. Du müsstest von hart auf weich wechseln, und die weichen Dinger das ganze Rennen lang wie auf rohen Eiern über die Distanz bringen", winkte Button ab.

Button darf Vettel nicht blockieren

Doch warum blieb Button nicht nach dem Vettel-Vorbild von Monza bis zur vorletzten Runde mit seinen harten Reifen auf der Bahn, in der Hoffnung ein spätes Safety-Car spielt ihm eine Trumpfkarte zu? Am viertplatzierten Nico Rosberg war er virtuell längst vorbei. Er hatte also nichts mehr zu verlieren. Und er hätte Vettel einige Runden blockieren können, um Hamilton die Chance zum Aufschließen zu geben. Whitmarsh lehnt solche Spielchen kategorisch ab: "So etwas gibt es bei McLaren nicht. Wir fahren fair." Zum Glück für Vettel.

Vettels WM-Geheimnis Teil 4: Lesen Sie am Sonntag, warum Mark Webber im WM-Finale keine Rolle mehr spielte.

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