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Vettels fünf WM-Geheimnisse - Teil 2

Motortausch verzögert Vettels WM-Titel

Sebastian Vettel Foto: Red Bull 13 Bilder

Sie glauben bereits alles über das irre WM-Finale von Abu Dhabi zu wissen? Wir verraten Ihnen fünf Geheimnisse über Vettels Titel, die bisher im Verborgenen blieben. Teil 2: Wie ein kurzfristiger Motorentausch die WM für Sebastian Vetttel deutlich spannender machte.

19.11.2010 Michael Schmidt

Vor dem großen Formel 1-Finale in Abu Dhabi wurden bei Red Bull, Ferrari und McLaren die Motoren gezählt. Lewis Hamilton fuhr im letzten Rennen einen Motor, der nur ein Rennen alt war. Mark Webbers Abu Dhabi-Triebwerk hatte Singapur und Suzuka - insgesamt 952 Kilometer - hinter sich. Es war im gesamten Red Bull-Sortiment von 16 Motoren das mit der höchsten PS-Leistung.

Frische Final-Motoren für Alonso und Vettel

Fernando Alonso kochte im Freitagstraining mit Uralt-Triebwerken auf Sparflamme. In Brasilien gab er einem 2.400 Kilometer-Aggregat im ersten Training den Rest. Der Ferrari V8 für das Finale hatte nur ein Rennen auf der Uhr. Alle Spekulationen, Alonso könnte wegen der Motorenknappheit im Ferrari-Camp beim Finale der Achtzylinder um die Ohren fliegen, waren völlig unbegründet. Ferrari hatte sich bewusst einen Motor mit wenig Laufleistung für das letzte Rennen aufgespart und dafür die Freitagsmotoren bis an die Schmerzgrenze eingesetzt.

Sebastian Vettel musste nach seinem Motorplatzer von Korea in Brasilien mit dem Monza/Singapur-Motor vorliebnehmen. "Ein lahmer Hund. Der hat in der Leistung nach unten gestreut", klagte der Deutsche. Es reichte trotzdem zum Sieg. In Abu Dhabi bekam Vettel den jungfräulichsten Renault V8 aus seinem Kontingent. Der hatte nur den GP Japan und das Freitagstraining von Brasilien in seinem Lebenslauf stehen. Machte in Summe 673 Kilometer.

Pleuelschaden wegen Regen-Rennen in Spa

Renault gab den Motor erst nach einer aufwendigen Schadensanalyse frei. Zuerst musste die Ursache für den Pleuelschaden in Korea gefunden werden, was sich schwierig gestaltete, weil Vettel so lange am Gas blieb, bis alles kurz und klein geschlagen war. Trotzdem stand nach kurzer Zeit fest, dass die Pleuelstange des vierten Zylinders das Drama auslöste. Die Renault-Ingenieure waren perplex, weil sie davon ausgegangen waren, dass sie die Pleuelseuche gelöst hätten, die sie eineinhalb Jahre lang vor ein Rätsel gestellt hatte.

Defekte Pleuel hatten Vettel 2009 in Monte Carlo und Istanbul und Webber 2010 in Sepang und Istanbul insgesamt vier Freitagsmotoren gekillt. "Wir durften mit Erlaubnis der FIA an den Pleuel nachbessern", verrät Renault-Techniker Fabrice Lom. "Seit dem GP Kanada gab es keinen Ärger mehr. Und dann das."

Red Bull ändert Motoren-Plan vor Korea

Die Motorenspezialisten sezierten anhand der Datenlisten jeden Kilometer, den das schadhafte Triebwerk vor dem GP Korea in Betrieb war. Dabei fanden sie heraus, dass das Pleuel im vierten Zylinder aus einem anderen Grund auseinanderbrach. Der Motor wurde beim Regenrennen von Spa über einen langen Zeitraum mit nur 14.000/min gefahren. "Wir kamen da in einen Drehzahlbereich, der für die Pleuel wegen auftretender Resonanzen härter war als Vollgas. Ein ähnliches Szenario hatten wir in Korea", erklärte Lom.

Manchmal hängen WM-Titel an Kleinigkeiten. Wie auto motor und sport in seiner jüngsten Ausgabe (25/2010, seit 18. November im Handel) meldet, wäre Vettel schon viel früher und ohne Zitterpartie Weltmeister geworden, hätte Renault seinen ursprünglichen Motorenplan eingehalten und nicht vor dem GP Korea kurzfristig umdisponiert. Red Bull-Teamchef Christian Horner verrät: "Wir haben die Motorenaufteilung für die letzten drei Rennen geändert, weil bei der Analyse des für Korea geplanten Triebwerks Zweifel aufgekommen waren. Eigentlich sollte Seb in Korea den Suzuka-Motor fahren. Mit dem hätte er das Rennen gewonnen."

Suzuka-Motor hätte auch Korea überstanden

Vettel ergänzt: "Dieser Motor war nicht vorgeschädigt wie das Spa-Exemplar, das dann in Korea zum Einsatz kam. Er hätte also das Rennen überstanden." Doch hätte Vettel dann nicht das Schicksal beim Finale in Abu Dhabi ereilt? Eben jener Hockenheim/Spa-Motor sollte ursprünglich beim letzten Rennen seinen Dienst tun. Renault wäre genauso ahnungslos in den entscheidenden Grand Prix gegangen, weil man ja erst nach dem Platzer die Ursachen für den frühen Defekt am Pleuel erkannt hat.

Vettel widerspricht: "Es stimmt, dass dieser Motor durch das lange Fahren in dem bewussten Drehzahlbereich vorbelastet war. Er ist in Korea aber nur geplatzt, weil dort noch einmal ähnliches Wetter wie in Spa, somit auch vergleichbare Betriebsbedingungen herrschten. In Abu Dhabi hat es nicht geregnet, und wir wären auch vom Streckentyp her nicht in diesen Drehzahlbereich gelangt."

Zu viel Blei im Motoröl

Doch warum wurde der Suzuka-Motor überhaupt zurückgehalten? Immerhin war Vettel mit diesem Achtzylinder beim GP Japan zum Sieg geeilt. Die Renault-Ingenieure fanden nach dem Rennen in den Ölproben einen zu hohen Bleigehalt, was auf Materialabrieb schließen ließ. Genau dieser Motor war aber kerngesund.

Renault setzte ihn zur Probe mit Freitagstraining von Brasilien ein, stellte keine weiteren Auffälligkeiten fest und gab dem Aggregat grünes Licht für den Einsatz beim Finale. Der Siegermotor von Suzuka gewann auch in Abu Dhabi und machte Vettel zum Champion.

Vettels WM-Geheimnis Teil 3: Lesen Sie am Samstag, wie McLaren verschlief, Vettel wichtige Punkte für den Titelgewinn zu stehlen

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