Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Vettels fünf WM-Geheimnisse - Teil 1

Alguersuari kostet Alonso den Titel

Fernando Alonso Foto: Ferrari 25 Bilder

Sie glauben bereits alles über das irre WM-Finale von Abu Dhabi zu wissen? Wir verraten Ihnen fünf Geheimnisse über Vettels Titel, die bisher im Verborgenen blieben. Heute: Wie Jaime Alguersuari Ferrari in die Falle lockte. Und Alonsos frühe Taktik-Kritik gegen sein Team.

18.11.2010 Michael Schmidt

Manchmal hängen WM-Titel an Kleinigkeiten. Sebastian Vettel tat in Abu Dhabi alles, was er tun konnte. Er wahrte seine Titelchancen mit einem überzeugend herausgefahrenen Sieg. Doch ohne die Mithilfe seiner Konkurrenten wäre es nicht gegangen. Den größten Beistand leistete ausgerechnet Ferrari. Der Kommandostand der Roten ließ Fernando Alonso im Stich.

Rennleiter Stefano Domenicali redete in der Pressemitteling des Teams nicht lange um den heißen Brei herum: "Uns sind drei strategische Fehler unterlaufen. Wir haben uns bei unserem Rivalen auf den falschen der beiden Fahrer konzentriert, wir waren unnötigerweise zu besorgt um den Abbau der weichen Reifen, und wir haben unterschätzt, wie schwer es ist auf dieser Strecke zu überholen."

Das ist die grobe Zusammenfassung eines Rennens, bei dem für Ferrari so ziemlich alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen konnte. Doch was ist wirklich passiert in den Runden 11 bis 15? Wir haben die entscheidende Phase genau seziert.

Webber lockt Ferrari unfreiwillig in die Falle

Mark Webber musste zum Reifenwechsel an die Box. Es war kein taktischer Schachzug, um Ferrari in die Falle zu locken, sondern pure Notwendigkeit. "Marks Hinterreifen waren am Ende. Er hat einmal die Leitplanke berührt und sich dabei die Felge rechts hinten stark angeschlagen. Ihn weiterfahren zu lassen, wäre ein zu großes Risiko gewesen", gibt Teamberater Helmut Marko zu.

In Runde 11 steht Webber an der Box und fällt von Platz fünf auf Rang 16 zurück. Mit etwas Luft auf Jaime Alguersuari, der seine weichen Reifen bereits in Runde 2 losgeworden ist und mit der gleichen Taktik wie Vitaly Petrov und Nico Rosberg das Rennen mit dem harten Satz Reifen zu Ende fährt.

Webber indirekt schon an Alonso vorbei

Die letzten beiden Sektoren von Webbers erster Runde mit harten Reifen lassen erahnen, dass ein frischer Reifensatz im Vergleich zu gebrauchten weichen Sohlen Vorteile bringt. Die Hochrechnung ergibt pro Runde 0,3 Sekunden. Alonso zum jetzigen Zeitpunkt an die Boxen zu holen, wäre Selbstmord gewesen. Der Spanier wäre nach einer 1.46,105 Runde selbst beim besten Boxenstopp der Welt hinter Webber gefallen.

Da Ferrari ausschließlich auf den Australier fixiert war, kam der schnelle Konter nicht in Frage. Deshalb lässt man erst einmal Felipe Massa Reifen wechseln. Doch der Brasilianer kommt hinter Webber wieder auf die Strecke, kann also Alonso nicht mehr helfen.

Alguersuari bringt Webber wieder hinter Alonso

Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 25/2010, seit 18.11. im Handel) analysiert, wird Jaime Alguarsuari jetzt zum Matchwinner für Vettel. Zu Beginn von Runde 13 läuft Webber auf den Toro Rosso des Spaniers auf. Vermutlich denkt man sich auch bei Ferrari, dass der Mann im Red Bull B-Team sofort zur Seite weichen wird. Mitnichten. Auch am Ende der 13. Runde liegt Alguarsuari noch vor Webber. Er hat den WM-Favoriten zu einer Runde von 1.46,675 Minuten genötigt. Alonso kommt in der gleichen Runde auf 1.45,955 Minuten.

Das öffnet ihm ein Fenster, bei einem Boxenstopp vor seinem vermeintlich direkten Konkurrenten zu bleiben. Und erst dieser Zeitverlust in den knapp zwei Runden hinter Alguersuari lässt bei den Ferrari-Strategen Chris Dyer und Andrea Stella den Plan reifen, es unter Berücksichtigung des befürchteten hohen Reifenabbaus mit einem frühen Stopp zu versuchen.

Newey dankt Alguersuari für ungewollte Hilfe

Obwohl klar war, dass Alonso auf jeden Fall hinter die Frühstopper Petrov und Rosberg fallen würde und obwohl man aus dem Vorjahr wusste, wie schwer Überholen auf dieser Strecke ist, will man Alonso an die Box rufen. Red Bull-Designer Adrian Newey gibt zu: "Wir müssen Alguersuari dankbar sein, Ferrari unfreiwillig auf die falsche Fährte gelockt zu haben.

Kaum ist Webber an der Straßensperre vorbei, nimmt er Alonso im 14. Umlauf acht Zehntel ab. Jetzt macht sich Panik breit. Alonso muss sofort an die Box, wenn die Nummer noch funktionieren soll.

Alonso warnt sein Team vor dem Fehler

Als Alonso von dem Plan hört, rät er über Funk seinen Ingenieuren ab. Mithörer des Funkverkehrs berichten, dass der Spanier trotz Rennstress den totalen Überblick hatte. "Was soll das? Wir machen einen Fehler", soll Alonso gewarnt haben.

In den abgelaufenen drei Runden war er praktisch identische Rundenzeiten wie sein Vordermann Jenson Button gefahren, und das Duo hatte den Rückstand auf Vettel innerhalb von drei Runden von 7,3 auf 6,5 Sekunden verkürzt. Für ihn war es logischer, im D-Zug der Spitzengruppe mitzufahren. Er hatte längst erkannt, dass der viel gefährlichere Gegner Vettel hieß.

Kommandostand überstimmt Alonso

Alonso wurde trotz aller Bedenken von seinem Kommandostand überstimmt. Insider berichten, dass Alonsos Weitblick in strategischen Fragen kein Einzelfall ist. Der 26-fache GP-Sieger hätte seiner Crew schon mehrmals in der Hitze des Gefechts bei heiklen Entscheidungen aus dem Cockpit assistiert.

Verständlich, dass Alonso gleich nach der Zieldurchfahrt sauer auf seine Strategen war. Der Vize-Weltmeister soll sogar ziemlich lautstark geworden sein. Erst in der Presseerklärung schlug er wieder moderatere Töne an: "Im Nachhinein wäre es besser gewesen nicht so früh zu stoppen. Aber es ist immer leicht so etwas zu sagen, wenn man alle Fakten in der Hand hat."

Vettels WM-Geheimnis Teil 2: Morgen lesen Sie, wie ein unplanmäßiger Motorwechsel Vettel fast den Titel gekostet hätte...

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden