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Vettels fünf WM-Geheimnisse - Teil 4

Webber macht gleichen Fehler wie 2009

Mark Webber Foto: xpb 36 Bilder

Sie glauben bereits alles über das irre WM-Finale von Abu Dhabi zu wissen? Wir verraten Ihnen fünf Geheimnisse über Vettels Titel, die bisher im Verborgenen blieben. Teil 4: Warum Mark Webber den gleichen Fehler wie im Vorjahr machte und damit die Titelchancen verspielte.

21.11.2010 Michael Schmidt

Vielleicht hat es sich Mark Webber zu einfach gemacht. Der Australier rechnete so: Unter normalen Umständen fährt Fernando Alonso auf einen der ersten vier Plätze. Wenn ich dann direkt hinter Sebastian Vettel liege, wird er mich vorbeilassen, weil er selbst keine Chancen auf den Titel mehr hat. Das war zugegeben die wahrscheinlichste aller Varianten.

Webber hätte jedoch schon am Freitag auffallen müssen, dass zwei Dinge nicht in diese Rechnung passen. Die McLaren waren stärker, die Ferrari schwächer als erwartet. Spätestens ab da hätte er sich ausschließlich auf sich selbst konzentrieren und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen.

Webber-Setup nicht ideal für die Reifen

Das Drama deutete sich schon im Training an. Die zweite Trainingssitzung am Freitag ging gerade in die Dunkelheit. Je mehr sich der Asphalt abkühlte, umso größer wurden die Probleme mit dem Anwärmen der Reifen bei Red Bull. Ungewöhnlich, da selbst Ferrari mit seinem Reifen schonenden Fahrzeug in der ersten fliegenden Runde auf Zeit kam. Ab da war klar, dass sich die Red Bull-Fahrer etwas einfallen lassen mussten, wollten sie in der Qualifikation nicht von McLaren und Ferrari überrollt werden.

Webber ließ sich das Falsche einfallen und verlor das Titelrennen eigentlich schon im Training. Der um zwei km/h höhere Top-Speed verrät, das der Australier auf eine Spur weniger Abtrieb setzte. Er bevorzugt außerdem ein eher härteres Fahrwerk, weil er sich damit im letzten Streckenabschnitt mit seinen vielen mittelschnellen und schnellen Kurven wohler fühlt. Beides aber hilft nicht, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Und im Rennen trägt es dazu bei, dass sie schneller verschleißen.

Webber geht zu früh auf die Bahn

Webber machte auch aus psychologischer Sicht einen Fehler. Er entschied wie sein Teamkollege, die entscheidende Qualifikationsrunde mit nur einem Satz Reifen zu fahren. Während Vettel in der Box geschlagene dreieinhalb Minuten wartete, bevor er seinen Fünfrunden-Turn (inklusive Anwärm- und Auslaurunde) begann, ging Webber sofort auf die Bahn und fuhr sechs Runden am Stück. Das zeigte bereits seine Unsicherheit.

Die Webber-Taktik war nicht besonders klug: Erstens hatte er wegen der zusätzlichen Runde 2,8 Kilogramm mehr Benzin an Bord als Vettel und zweitens ging Webber eben jene dreieinhalb Minuten vor Vettel auf Zeitenjagd. Die Strecke wird aber jede Minute mit zunehmender Gummiauflage schneller. "Für Mark ist es besser, wenn er mit einem Satz Reifen nur eine schnelle Runde fährt. Das setzt ihn unter Druck, weil es keine zweite Chance mit diesem Reifensatz gibt. Dann hämmert er auch auf Befehl eine schnelle Runde raus", urteilte Teamberater Helmut Marko.

Vettel ändert Quali-Strategie - Webber nicht

Für einen Marathon mit einem Reifensatz ist Webber zu unflexibel. Der Australier ging stur nach Plan vor. "Ich habe meine Monaco-Strategie wiederholt: Raus aus der Box, eine langsame Anwärmrunde, dann Attacke." Genau das war der Fehler. Die langsame Aufwärmrunde war eine Runde zu viel. Seine schnellste Zeit kam in Runde 4. Der Reifen hatte jedoch in der dritten Runde den optimalen Grip.

Vettel zeigte es. Er hatte ursprünglich auch vor, wie sein Teamkollege eine gemächliche Zusatzrunde zu fahren, disponierte aber um, weil er in der ersten Kurve überraschend viel Haftung vorfand. Da wusste Reifenexperte Vettel: Es geht schon jetzt. Webber brachte sich um diese Chance, weil er gar nicht Versuch unternahm, in der ersten Kurve auszutesten, ob der Grip vielleicht doch schon da ist.

Webber ohne Chance gegen Button und Alonso

Von Startplatz fünf wurde das Titelrennen für den vierfachen Saisonsieger fast schon zur Mission impossible. Er hätte Button, Alonso und Hamilton überholen müssen, um in Vettels Windschatten zu kommen. Das Vorhaben ging bereits beim Start in die Hose. Trotz besserer Spur hatte er nicht den Hauch einer Chance, den acht Meter vor ihm gestarteten Jenson Button auszubeschleunigen.

Immerhin, der vermeintlich große Gegner Fernando Alonso lag jetzt vor seiner Nase. Doch nach zehn Runden klaffte bereits eine Lücke von 2,1 Sekunden zu dem Ferrari. Webbers Hoffnung, der Red Bull könne im Rennen wenigstens durch geringeren Reifenverschleiß glänzen, wurde nicht bestätigt. Im Gegenteil: Bei keinem anderen Auto in den Top Fünf bauten die Hinterreifen so schnell ab wie bei dem Red Bull mit der Startnummer sechs.

Webber schon 2009 mit Reifenproblemen

Das lag einerseits am Setup, andererseits an Webbers Fahrweise. Weil sich hinter Alonsos Ferrari ein leichtes Untersteuern einstellte, konterte Webber ausgangs der langsameren Kurven mit aggressiverem Gasgeben, um das Heck herumzuwerfen. Das ging auf die Hinterreifen. In Runde 10 touchierte er bei so einem Manöver in Kurve 19 mit dem rechten Hinterrad sogar die Leitplanke.

Der WM-Dritte hätte es besser wissen müssen. Im Vorjahr unterlief ihm der gleiche Fehler. Vettel nahm ihm 2009 mit den weichen Reifen in 16 Runden sieben Sekunden ab, weil er mit seinen Bridgestone-Gummis besser haushielt. Am Ende hätte Webber fast noch gegen Button seinen zweiten Platz verloren, weil seine Reifen am Ende waren.

Webbers Moral gebrochen

Als Webber diesmal nach seinem frühen Boxenstopp in Runde elf auf Rang 16 zurückfiel und dann auch noch Alonso vor seinen Augen zurück auf die Strecke kam, da war die Moral des Mannes gebrochen, der als großer Favorit in dieses Finale gegangen war. Webber fuhr den Rest des Rennens wie gelähmt.

Er profitierte nicht einmal mehr von Alonsos Fehler in Runde 23, als der Spanier bei einem Überholversuch an Petrov vorbei durch den Notausgang abkürzen musste. Webber machte gar nicht den Versuch, in dieser Szene Alonso anzugreifen. Er wusste bereits, dass der WM-Zug für ihn abgefahren war. Hätte er Alonso überholt, hätte er nur Vettel geholfen.

Vettels WM-Geheimnis Teil 5: Am Montag lesen Sie, warum die frühe Safety-Car-Phase auch Alonso eine Titelchance gegeben hätte.

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