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Viel Lob für Verstappen

"Er hat die Einstellung eines Anführers"

Toro Rosso - Formel 1 - GP Singapur 2015 Foto: Red Bull 49 Bilder

Max Verstappen sorgte mit seiner Absage an die Stallregie von Toro Rosso beim GP Singapur für viele Diskussionen im Fahrerlager. Wir haben 8 Ex-Piloten um ihre Meinung gefragt. Das Echo auf den frechen Holländer ist fast durchweg positiv.

25.09.2015 Michael Schmidt

Das Wunderkind war ungehorsam. Seit dem GP Singapur beeindruckt Max Verstappen nicht mehr durch seine Rundenzeiten. Der 17-jährige Toro Rosso-Pilot traut sich auch, auf eine Stallregie zu pfeifen. Verstappen bekam kurz vor Ende des Rennens von seinem Kommandostand den Befehl, Teamkollege Carlos Sainz vorbeizulassen. Der Holländer sagte nein. Und das in einem Tonfall, der am Kommandostand jegliche weitere Diskussion verstummen ließ. Das trauen sich nur angehende Weltmeister.

Vater Jos Verstappen freute sich. "Hätte Max nachgegeben, wäre ich sehr böse mit ihm geworden." Für Jos, einst Teamkollege von Michael Schumacher, war es das richtige Signal: "Max hat gezeigt, dass er kein Kind mehr ist. Er hat seinen eigenen Kopf." Doch denken alle im Fahrerlager so? Wir haben bei 8 Ex-Piloten nachgefragt. Die meisten lobten den Aufstand des Fahrers.

Jacques Villeneuve: "Das war dumm von ihm"

Ex-Champion Jacques Villeneuve war in seiner eigenen Karriere ein Rebell. Der Kanadier traute sich sogar, seinen bärbeißigen Teamchefs bei Williams zu widersprechen. Und Frank Williams und Patrick Head verstanden wenig Spaß. Sie hätten vermutlich auch Verstappen die Ohren lang gezogen. Villeneuve zählt zu den wenigen Kritikern des Holländers. "Es war dumm von Verstappen. Wenn er um den Sieg kämpft, verstehe ich es. Aber für Platz acht riskierst du nicht den Teamfrieden."

Marc Surer: "Stallregie war sinnlos"

Sky-Experte Marc Surer blieb als Fahrer eine Stallregie erspart. Doch kaum war er Teamchef bei BMW, musste er eine aussprechen. Der Schweizer, der beide Seiten kennt, zeigt Verständnis für Verstappen: "Er hat es gut gemacht, weil die Stallregie sinnlos war. Sainz war nie nah genug dran."

Johnny Herbert: "Du verdienst dir Respekt"

Johnny Herbert war kein Kind von Traurigkeit. Bei Benetton spielte er 1995 die zweite Geige hinter Michael Schumacher, und er sprach es damals deutlich an. Aber er musste für Schumacher nie Platz machen. Der heute 51-jährige Engländer findet die Aktion von Verstappen gut: "So verdienst du dir Respekt. Und dem Team ist kein Schaden entstanden. Am Ende haben sie ihm noch Recht gegeben. Mir hat der Tonfall gefallen, in dem Max den Befehl abgelehnt hat. Da gab es gar keinen Zweifel mehr, was er meint. Der Junge hat die Einstellung eines Anführers."

Christian Danner: "Ein Fehler, ihm hinterher Recht zu geben"

Christían Danner war ein Mal selbst Opfer einer Stallregie. 1996 beim ITC-Rennen in Sao Paulo. Da musste er dem besser in der Meisterschaft platzierten Alfa Romeo-Teamkollegen Alessandro Nannini Platz machen. "Ich wollte meinen Vertrag nicht riskieren." Dabei rutschte auch noch Stefano Modena mit durch.

Danner fühlte sich für seine Loyalität bestraft und kann deshalb mit Carlos Sainz mitfühlen. "Er hat seine Reifen besser geschont, um am Ende eine Chance zu bekommen, Perez anzugreifen. Sainz hatte sich schon früher in der Saison zwei Mal loyal gezeigt. Deshalb fand ich es falsch vom Team, dass sie hinterher Verstappen auch noch Recht gegeben haben. Weil sich Sainz schlecht dabei fühlen muss. Zu einer guten Teamatmosphäre hat das sicher nicht beigetragen."

David Coulthard: "Stallregie wurde schlecht erklärt"

David Coulthards Karriere bekam wegen einer Stallregie einen Knacks. Eigentlich waren es zwei, in aufeinanderfolgenden Grands Prix. Coulthard musste auf Befehl von McLaren in Jerez 1997 und Melbourne 1998 seinen Teamkollegen Mika Häkkinen vorbeilassen. Deshalb sieht er Verstappens Befehlsverweigerung mit gemischten Gefühlen: "Schlecht war, dass es Max vorher nicht richtig erklärt wurde. Wenn er gewusst hätte, was sie vorhaben, dann hätte er Sainz vorbeilassen müssen."

"So war es zwischen Mika und mir in Australien 1998. Wir hatten vorher ausgemacht, dass derjenige das Rennen gewinnt, der in der ersten Kurve vorne liegt. Und das war Mika. Deshalb habe ich später, als ich vorne lag, den Platz wieder hergeben. Beim Finale 1997 in Jerez war es eine andere Geschichte. Mir war gar nichts erklärt worden. Ron Dennis hatte mit Williams einen Pakt geschlossen. Villeneuve sollte den Titel gewinnen, wir das Rennen. 20 Runden vor Schluss höre ich, dass ich Mika vorbeilassen soll. Ich hatte keine Ahnung warum und habe keinen Platz gemacht. Das ging so weit, dass mir Teammanager Dave Ryan mit der Kündigung gedroht hat. Dann musste ich Mika den Sieg schenken. Ron hat sich später bei mir entschuldigt. Er wusste, dass es nicht in Ordnung war."

Gerhard Berger: "Stallregie ist Mist"

Gerhard Berger kennt das Geschäft von zwei Seiten. Als Pilot und als Teamchef. Stallregie hat er immer gehasst: "Es ist Betrug am Zuschauer. Deshalb ist es gut, dass sich Max geweigert hat. Weil er diese blöde Praxis bloßgestellt hat. Schafft dieses Theater endlich ab. Sainz war doch nie richtig dran. Er hätte es wenigstens mal auf gleiche Höhe schaffen müssen, um eine Berechtigung zum Überholen zu erhalten. Ich kenne die Stimmen, die sagen: Wer zahlt, schafft an. Aber wozu das führt, zeigt doch die DTM. Das ist kein Sport mehr. Max ist zwar erst 17 Jahre alt, aber hat jetzt schon die Persönlichkeit für einen Weltmeister. Genauso stelle ich mir einen Rennfahrer vor."

Niki Lauda: "Toll, dass ein 17-Jähriger solche Eier hat"

Niki Lauda kam nie in die Verlegenheit, Stallregie zu verlangen oder sich auf sie zu verlassen. Als er 1985 nach einer Serie von vielen Enttäuschungen den GP Holland anführte und der in der WM besser platzierte Teamkollege Alain Prost von hinten drängelte, da ließ Lauda seinen McLaren so breit wie einen Lastwagen werden. Das Team hätte es lieber gesehen, wenn Prost gewonnen hätte. Deshalb stellt sich Lauda auf die Seite von Verstappen: "Super Aktion. Der Junge wird was. Ich find es toll, dass ein 17-Jähriger schon solche Eier hat. Wieso soll er Sainz vorbeilassen, wenn der sich vorher zurückfallen lässt?"

Martin Brundle: "Halte das Resultat und diskutiere später"

Martin Brundle kam ohne Stallregie durch seine Karriere. Als Rennfahrer. Doch kaum wurde er Manager von David Coulthard, wurde er gleich zwei Mal damit konfrontiert. Aus heutiger Sicht glaubt Brundle, dass Coulthards Karriere nach den beiden Episoden einen Knick gemacht hat. "Es hat ihn mental beschädigt, den Sieg an Mika zu verschenken." Deshalb kann es für Brundle im Fall Verstappen nur ein Urteil geben: "Er hat es perfekt gemacht. Für einen Rennfahrer muss bei einem solchen Befehl die folgende Regel gelten: Halte deine Position und diskutiere später. Unter dem Strich hat sich Max selbst bei der Teamleitung Respekt verschafft. Die wissen jetzt, dass der Junge im Ernstfall nicht nachgeben wird. Teamchefs mögen harte Hunde."

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