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Vierfach-Champion im Porträt

Vettel gewinnt mehr als nur Titel

Sebastian Vettel Red Bull Formel 1 GP Indien 2013 Foto: xpb 77 Bilder

Der vierte Titel in Folge für Sebastian Vettel sah leicht aus. Doch vor allem abseits der Strecke musste der Dauersieger in der abgelaufenen Saison mit viel Gegenwind kämpfen. Der nette Junge aus Heppenheim hat Ecken und Kanten gezeigt und dadurch an Profil gewonnen.

27.10.2013 Tobias Grüner

Es ist vollbracht. Sebastian Vettel hat Titel Nummer 4 in Indien erfolgreich eingetütet. Die Konkurrenz ist nun auch mathematisch chancenlos. Auf der Strecke gab es schon lange keine Zweifel mehr, wer 2014 mit der Startnummer 1 auf dem Auto antreten wird. Wie schon im Jahr 2011 dominierte Vettel das Geschehen nach Belieben. Besonders in der zweiten Saisonhälfte ließ der Champion die Konkurrenz verzweifeln.

Zum vierten Mal wird die Unterschrift des gebürtigen Heppenheimers nun also in den Formel 1-Weltmeister-Pokal eingraviert. Die Trophäe kommt damit wieder zurück auf ihren Stammplatz auf dem Küchentisch im schweizerischen Ellighausen. Titel Nummer 4 ist gleichzeitig die Eintrittskarte in einen elitären Club. Nur Michael Schumacher, Juan-Manuel Fangio und Alain Prost vollbrachten das gleiche Kunststück.

"Er hat es also auch verdient, mit diesen Namen in einem Atemzug genannt zu werden", forderte Red Bull-Teamchef Christian Horner Respekt. In den Statistiken steht Vettel längst auf einer Ebene mit den Größten der Geschichte. Doch viele Fans sehen ihn im historischen Kontext noch nicht auf dem Niveau seiner Zahlen. Bei Umfragen nach den besten Piloten aller Zeiten werden Namen wie Senna oder Prost häufiger genannt, obwohl sich Vettel statistisch nicht verstecken müsste.

Sebastian Vettel jetzt schon ein großer Champion?

Das Standard-Argument seiner Kritiker: Vettel gewinnt im besten Auto - keine große Kunst. Dem widerspricht ausgerechnet Teamkollege Mark Webber: "Natürlich ist das Auto schnell. Er hat Rennen mit einem dominanten Auto gewonnen, aber auch welche, in denen das Auto nicht so gut war. In diesen letzten 4 Jahren waren einige Siege dabei, die eigentlich unmöglich waren. Das ist eine seiner großen Qualitäten."
 
Webber und Vettel sind in ihrer gemeinsamen Red Bull-Zeit keine Freunde geworden. Der Respekt ist trotzdem vorhanden. "Er hat einfach unglaubliche Leistungen gezeigt. Er lässt keine Schwächen erkennen. Dazu fährt er super-konstant. Das ist wohl eine seiner größten Stärken. Er holt immer das meiste aus dem Paket heraus. Wenn man ihn schlagen will, braucht man ein perfektes Wochenende", so Webber anerkennend.
 
Wie groß die Leistungen des alten und neuen Champions wirklich sind, zeigt auch der Altersvergleich. Den 4. Titel in Folge machte Vettel mit 26 Jahren, 3 Monaten und 24 Tagen klar. Alain Prost konnte im gleichen Alter noch nicht einmal einen Rennsieg vorweisen. Michael Schumacher hatte bei seinem 4. Titelgewinn in Ungarn 2001 bereits 32 Lenze auf dem Buckel. Die Jagd nach Bestmarken ist für Vettel also noch längst nicht beendet.

Der vierfache Champion erklärt zwar immer, dass Rekorde für ihn nur ein Randaspekt seines Rennfahrerlebens seien. Konfrontiert man ihn aber mit falschen Werten, hat er die richtigen Zahlen meist aus dem Stehgreif parat. Wer will es ihm verdenken? Wer auf den Bestenlisten im Eiltempo in Richtung Spitze rast, möchte auch irgendwann ganz oben ankommen. An Ehrgeiz mangelt es bekanntlich nicht.

Vettel zeigt sich von der harten Seite

Dass er die nötige Härte besitzt, hat er dieses Jahr bewiesen. Das Beispiel Malaysia zeigt, dass sich Vettel für den persönlichen Erfolg notfalls auch über die Interessen seines Teams hinwegsetzt. Damals stand Red Bull-Kollege Webber im Weg. "Get him out of the way", forderte der Hesse frech über Funk. Später blies er trotz verordnetem Nichtangriffspakt zur Attacke.
 
Scheinbar erschrocken von der eigenen Skrupellosigkeit gab es direkt nach der Zieldurchfahrt noch halbherzige Entschuldigungen in Richtung des Australiers. Ein Rennen später erklärte Vettel selbstbewusst: "Ich war schneller. Ich habe ihn überholt. Und ich habe das Rennen gewonnen. Es gibt nichts, wofür ich mich entschuldigen müsste."
 
Mittlerweile ist jedem klar, dass der sympathisch lächelnde Lausbub aus Hessen im Cockpit keine Kompromisse kennt. Hatten ihm die Experten früher noch die nötige Zweikampfhärte abgesprochen, wird Vettel mittlerweile als beinharter Überholer gelobt. Dabei überrumpelt er seine Gegner meist mit strategisch perfekt vorbereiteten Manövern. Wie er sich zum Beispiel Alonso und Rosberg in der ersten Runde in Bahrain schnappte oder Grosjean zuletzt in Japan verdient uneingeschränkten Applaus.

Vettel muss Pfiffe einstecken

Auf dem Podium fanden die Leistungen in diesem Jahr allerdings häufig nicht die gewünschte Anerkennung. Bei der Pokalübergabe in Kanada, Monza und Singapur musste sich Dauersieger Vettel Buhrufe anhören. Jubel gab es in Silverstone nur, als der Red Bull mit Getriebeschaden stehen blieb. Obwohl sich der Deutsche trotz des Ausfalls nach dem Rennen noch auf der Showbühne im Infield der Strecke präsentierte, gab es zum Dank von den britischen Fans Pfiffe.

Die Experten haben viele Gründe parat, warum Vettel nicht der geliebte Champion ist, der er so gerne sein würde. Seine zwei Gesichter - im Cockpit und außerhalb - seien nicht authentisch, heißt es. Die Fans haben sich zudem am Vettel-Finger satt gesehen und wollen einen neuen Sieger, so ein anderes Argument. Freund Michael Schumacher empfahl zuletzt via Bild-Zeitung den Wechsel zu einem Rennstall mit mehr Tradition.

Einige fordern von einem Superstar wie Vettel, dass er sich privat mehr öffnen müsse, um die Herzen zu gewinnen. Der Rekordmann zieht sich gerne in sein Privatleben zurück, während die Hamiltons und Alonsos dieser Welt jede Gemütsschwankung via Twitter und Facebook in die Welt posaunen. Andere sagen wiederum, dass Vettel einfach schon ohne die Einschränkungen der Marketing-Maschine Red Bull besser rüberkommen würde.

Vettel musste in der Saison 2013 viele neue Lektionen lernen. Er ist nicht nur als Rennfahrer sondern auch als Mensch gereift. Unter diesem Aspekt hat er dieses Jahr deutlich mehr gewonnen als nur den 4. Weltmeister-Titel. Und trotz aller gut gemeinten Ratschläge kann man sicher sein, dass er weiter seinen eigenen Weg gehen wird. Die Lust an der Formel 1 sollte er mit 26 Jahren auch nicht so schnell verlieren. Wie sagte kürzlich Teamchef Horner. "Siegen wird nie langweilig."

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal den Aufstieg Sebastian Vettels vom Red Bull-Junior bis zum vierten Weltmeistertitel.

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