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Vijay Mallya exklusiv

"Hülkenberg hat das Zeug zum Champion"

Vijay Mallya - Force India 2014 Foto: xpb 33 Bilder

Vijay Mallya ist eine schillernde Figur. Der Besitzer von Force India besitzt in Indien eine Fluglinie und ein Getränkeimperium. Und er liebt den großen Auftritt. auto motor und sport sprach mit dem 58-jährigen Inder über das Erfolgsgeheimnis von Force India, finanzielle Turbulenzen und seine beiden Fahrer.

21.05.2014 Michael Schmidt
Force India macht seit Jahren aus wenig Geld viel. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Mallya: Gehen wir zurück in das Jahr, als ich das Team gekauft habe. Unsere beiden Autos standen am Ende der Startaufstellung. Ich gab dem alten Management ein Jahr Zeit. Viele Versprechungen wurden gemacht, aber keine eingehalten. Und das obwohl wir wie gefordert in die Infrastruktur investiert hatten. Daraufhin habe ich das ganze Management ausgewechselt. Ehrlich gesagt, war ich damals ziemlich verloren. Ich hatte keine Ahnung, wie man ein Formel 1-Team führt.

Und dann?

Mallya: Ich habe den jungen Leuten in unserem Team eine Chance gegeben. Ihre Qualitäten kamen erst zum Vorschein, als ich ihnen freie Hand gab. Wir haben uns zusammengesetzt und einen realistischen Plan aufgestellt. Das erste Ziel: Unsere Autos müssen es ins Q2 der Qualifikation schaffen. Das war damals ein Traum für uns. 2009 wollten wir 10 Punkte schaffen. Dann das erste Podium. Wir haben alle Zielvorgaben eingehalten. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir uns jedes Jahr verbessern konnten. Unser Geheimnis ist simpel: Talent, Leidenschaft, die Wahl der richtigen Partner, Effizienz. Wir haben uns am Anfang mit McLaren den richtigen Entwicklungshelfer ausgesucht. Und auch jetzt haben wir mit Mercedes wieder den goldenen Griff getan. Ich möchte daran erinnern, dass wir das erste Kundenteam von Mercedes waren.

Gibt es noch Defizite?

Mallya: Wir arbeiten in einem sehr alten Windkanal mit 50-Prozent-Modellen und haben den Toyota-Kanal dazu benutzt, um unsere eigenen Daten bestätigt zu kommen. Alle anderen haben 60 Prozent-Modelle. Trotzdem bauen wir ein gutes Auto. Jetzt haben wir die Entscheidung getroffen, unsere Werkzeuge zu modernisieren. Als ich angefangen habe, betrug unsere CFD-Kapazität ein Teraflop. Die Top-Teams hatten 44 Teraflops. Wir sind auf dem Weg dorthin. Ich habe volles Vertrauen in mein Team, dass es mit besseren Werkzeugen auch ein noch besseres Auto baut. Das Jahr 2014 zeigt, was in uns steckt. Wir hatten den besten Saisonstart in der Geschichte dieses Teams.

Ist der nächste Schritt nur noch mit mehr Geld möglich?

Mallya: Wir haben unser Limit mit den bestehenden Ressourcen noch nicht erreicht. Die Entwicklungsgeschwindigkeit und der Takt der Ausbaustufen könnte größer sein. Dazu braucht es aber Investitionen. Aber in einem vernünftigen Rahmen. Wir wollen eine Kostenkontrolle in der Formel 1. Es darf kein Wettbewerb werden, der den belohnt, der das meiste Geld ausgibt. Die Teams sollten möglichst gleiche Chancen haben. Der entscheidende Faktor sollte das Talent sein, nicht Geld.

Überrascht es Sie, dass Ihnen die großen Teams noch keine Mitarbeiter gestohlen haben?

Mallya: Meine Leute respektieren, dass ich ihnen ein gutes Arbeitsumfeld biete. Sie sehen sich als Teil des Teams und jeder bekommt das Gefühl, dass er wichtig für den Erfolg ist. Bis zu der Dame am Empfang in unserer Fabrik. Bei uns haben Leute gute Aufstiegsmöglichkeit. Wir lassen sie zeigen, dass sie Talent haben. Das bekommen sie nicht bei einem großen Team.

Sind Sie enttäuscht, dass sich die Teams nicht auf eine Kostenkontrolle einigen können?

Mallya: Vor einigen Jahren haben alle Teams einstimmig beschlossen, dass die Kosten kontrolliert werden müssen. Leider haben einige jetzt ihre Meinung geändert. Aus Gründen, die nicht akzeptabel sind. Wir haben bei der FIA protestiert und sie gebeten eine faire Lösung für das Problem zu finden.

Erwarten Sie von der FIA eine aktivere Rolle?

Mallya: Es wäre unfair, zu sagen, die FIA mache sich keine Gedanken. Sie macht sich sehr große Sorgen. Es gibt nur keine einfache Lösung. Da muss auch die FOM zustimmen. Und die Teams müssen zufrieden sein.

Was wäre aus Ihrer Sicht ein Budget, mit dem alle Teams leben können?

Mallya: Es ist schwierig, eine Zahl zu nennen. Wenn ich das täte, kommt die nächste Frage: Sind die Fahrer mit drin oder nicht? Ich glaube, es wäre damit getan, dass die FIA Regeln definiert, die die Teams davon abhalten unsinnig Geld auszugeben.

Force India wird zum Großteil von Firmen unterstützt, die Ihnen gehören. Soll das auch in der Zukunft so bleiben?

Mallya: Wenn meine Firmen aus der Werbeplattform keinen Nutzen ziehen würden, wäre das Investment fragwürdig. Vor allem über so viele Jahre. Wir haben den Anteil der externen Sponsoren schon erhöht. Gut, Smirnoff ist eine Partnerfirma von meinem Unternehmen, aber sie investieren nicht Geld, weil sie mein Partner sind. Sie machen das nach einer eingehenden Marketinganalyse aus dem gleichen Grund, aus dem früher Johnnie Walker McLaren unterstützt hat.

Ist es ein Problem für Sie, dass Ihr Anteilseigner Subrata Roy von Sahara im Gefängnis sitzt?

Mallya: Das Problem von Sahara hat nichts mit der Formel 1 zu tun. Zwei seiner Firmen haben bei Investoren Geld eingesammelt. Das wird von der Aufsichtsbehörde für Finanzgeschäfte untersucht und angefochten. Saharas Investment in unser Team ist völlig unabhängig davon.

Ist das nicht schlecht für Ihr Image?

Mallya: Das ist eine akademische Frage. Bis jetzt ist uns deshalb kein Sponsor davongelaufen. Sie beurteilen unser Team nach unserer Leistung auf der Rennstrecke und nach dem Nutzen, den sie daraus schlagen können.

Ihre Airline ist in finanziellen Schwierigkeiten. Könnte Ihnen da das Formel 1-Engagement auf den Kopf fallen?

Mallya: Diese Geschichte kriegt jeder in den falschen Hals. Meine Airline ist eine Aktiengesellschaft. Ich kenne kein Unternehmen der Welt, in der der Direktor oder irgendein Aktionär für die gesamte Firmengruppe verantwortlich gemacht wird. Mir gehören neben der Airline noch viele andere Firmen. Mein Hauptgeschäft ist der Vertrieb alkoholischer Getränke. Die wachsen unaufhörlich und sind von den Problemen der Fluggesellschaft nicht betroffen.

Sie haben bis jetzt alle Ihre gesteckten Ziele erreicht. Welches haben Sie sich in diesem Jahr gesetzt?

Mallya: Ich habe dem Team gesagt, dass wir ein Podium schaffen müssen. Das haben wir abgehakt. Jetzt will ich mehr Podiumsplatzierungen. Und ich will in der Endabrechnung mindestens Fünfter in der Konstrukteurs-WM werden. Mein heimliches Ziel ist Platz 4.

Sie haben zwei neue Fahrer an Bord. Haben sie eine gute Wahl getroffen?

Mallya: Wir hatten zwei gute Fahrer. Aber wir wollten uns weiterentwickeln. Der Wettbewerb ist hart und zwingt uns dazu, das Beste zu nehmen, das wir kriegen können. Nico Hülkenberg kennen wir. Ich fand es schade, dass er 2013 zu Sauber gegangen ist, aber ich habe ihm schon damals gesagt: Wenn du da wieder weg willst, komm zuerst zu mir. Er hat es getan. Ich bin fest davon überzeugt, dass Nico das Zeug zum Weltmeister hat. Wir sind auch sehr happy mit Sergio Perez. Er wurde zu Unrecht kritisiert. Wenn er kein Talent hätte, wäre er dann von McLaren geholt worden? Warum McLaren jetzt einen anderen Fahrer geholt hat, ist deren Problem. Fakt ist, dass Sergio in unserem Auto exzellente Leistungen zeigt.

Was machen Ihre Pläne, einen indischen Fahrer an den Start zu bringen?

Mallya: Wir haben vor Jahren die Kampagne "Einer aus einer Milliarde" gestartet. Mit Jehan Daruvala haben wir einen gefunden. Es ist unser Ziel, dass er eines Tages für unser Team fährt.

Gibt es eine Zukunft für den indischen Grand Prix?

Mallya: Wir haben mit dem Buddh International Circuit eine 1A-Rennstrecke. Die Fahrer mögen sie, die Teams auch. Leider entsprachen die Zuschauerzahlen nicht dem, was man sich erwartet hat. Die Leute scheinen heute lieber vor dem Fernseher zu sitzen, statt sich auf der Rennstrecke ein Rennen live anzuschauen. Vielleicht müssen wir dem Publikum noch andere Attraktionen bieten. Das Interesse in Indien an der Formel 1 ist riesig. Auch wegen unserer Erfolge. Die Formel 1 hat in Indien ein riesiges Potenzial zu wachsen. Es gibt über eine Milliarde Menschen in unserem Land, und darunter sind sehr viele junge Leute. Es wäre nicht klug von Bernie Ecclestone, nach zwei oder drei Jahren den Stab über die Formel 1 in Indien zu brechen. Die Veranstalter haben ein Vermögen in diese Anlage investiert. Rundherum entsteht eine ganze Sport-Stadt. Wenn die mal fertig ist, wird es leichter sein, Leute zum Grand Prix zu bringen.

In unserer Bildergalerie blicken wir noch einmal auf den Aufstieg von Force India zurück.

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