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Hoffnung für Timo Glock in Silverstone

Virgin verspricht eine Sekunde pro Runde

Timo Glock und Lucas di Grassi Foto: xpb 12 Bilder

Virgin-Technikchef Nick Wirth hat für Silverstone ein Aerodynamikpaket angekündigt. Es soll eine Sekunde pro Runde bringen. Bis jetzt sind fast alle Fortschritte bei Virgin versickert, weil ständig Kinderkrankheiten dazwischen kamen. Nun darf Timo Glock wieder hoffen.

07.07.2010 Michael Schmidt

Am Anfang stand Skepsis. Virgin-Technikchef Nick Wirth wollte die Formel 1 neu erfinden. Er baute ein Auto ganz ohne Windkanal. Virtuelle Strömungslehre am Computer, kurz CFD genannt, sollte das millionenschwere Werkzeug Windkanal ersetzen. Bei den ALMS-Prototypen für Acura in den USA hatte es funktioniert. Doch die Formel 1 ist ein anderes Spielfeld. Eine Liga höher. Was Wirth schmerzlich erfahren musste.

Kein Team stand bei den Testfahrten öfter an der Box als Virgin. Flügel brachen ab, die Hydraulik kollabierte, das Getriebe streikte. Timo Glock und Lucas di Grassi kamen kaum zum Fahren. Der Spott war natürlich groß, als Wirth nach zwei Rennen einräumen musste, dass der Tank zu klein sei, um ein Rennen ohne Sorgen zu überstehen.

Tankprobleme kosten Virgin Zeit und Ressourcen

Verschiedene Gründe wurden für die Fehlberechnung angeführt, plausibel war nur einer. "Wir haben die Zahlen über die Spritdichte, die uns BP gegeben hat, falsch interpretiert." Man lag um fünf Prozent daneben, was in der Tankkapazität rund zehn Liter ausmacht. Dazu kam, dass die Benzinpumpen bei einem Pegelstand unterhalb von 20 Litern nicht absaugen wollten. Also mussten erst einmal ein neues Benzinsystem und Modifikationen im Tank her.

"Bei den ersten vier Qualifikationen", erinnert sich Glock, "haben wir jeweils fünf Zehntel hergeschenkt, weil eine bestimmte Restmenge im Tank bleiben musste." Seit Barcelona sitzen die Fahrer in einem zehn Zentimeter längeren Auto mit Dreifachdiffusor und größerem Tank. Die Rennen sind jetzt keine Zitterpartie mehr. Dafür hat das Auto ein paar Kilogramm zugelegt, die man mühsam durch den Einbau leichterer Komponenten wieder wegfeilen muss. Dieser Prozess ist immer noch im Gang.

Valencia-Update nach Renault-Vorbild

Es hat eine halbe Saison gedauert, bis Virgin endlich auf die Füße kam. "So langsam sortieren wir die Kinderkrankheiten aus", fasst sich Nick Wirth an den Kopf. "Das ist schwierig, wenn die Seuche immer wieder an anderer Stelle ausbricht." Je weniger nachgebessert werden muss, umso öfter finden die Mechaniker Schlaf. Und das schlägt sich auf die Vorbereitung der Autos nieder. Fahrer und Techniker können endlich damit beginnen, das Auto verstehen zu lernen.

"Der Umbau des Chassis bis zum GP Spanien zur Unterbringung eines größeren Tanks hat unser Entwicklungsprogramm verzögert. Alle vorher geplanten Ausbaustufen lagen wochenlang auf Eis", flucht Wirth. In Valencia kamen vorne und hinten neue Aufhängungen zum Einsatz. Eine Technik, die nur Renault einsetzt. Es kommt nicht von ungefähr, dass Virgin sich an Renault orientiert. Dave Greenwood, einer der Renningenieure, arbeitete früher für Fernando Alonso.

Silverstone-Update soll Virgin eine Sekunde nach vorne bringen

Dank des Updates spürten die Fahrer in Valencia zum ersten Mal in dieser Saison einen echten Fortschritt. "Das Auto liegt jetzt viel gutmütiger auf Bodenwellen und Randsteinen", bescheinigte Glock der Fahrwerksentwicklung gute Noten. In Silverstone soll ein neues Aerodynamikpaket eine Sekunde bringen. Glock bleibt vorsichtig: "Hoffen wir, dass der Computer Recht hat."

Bis jetzt liegt die Trefferquote der CFD-Simulation zwar erstaunlich hoch, doch der prognostizierte Zeitgewinn wurde meistens dadurch verwässert, dass die Autos mit Problemen viel Zeit an den Boxen verbrachten und deshalb nicht optimal abgestimmt werden konnten. Die Leistungen im Rennen konnten mit den Trainingsergebnissen selten Schritt halten.

Keine freie Fahrt für Glock, Trulli & Co.

Ein Problem, das alle Fahrer der neuen Teams trifft. Das liegt daran, dass Glock, Trulli, Kovalainen und Co im Rennen dauernd Platz für die Schnellen machen müssen. "Ich kann nur bis zum Boxenstopp frei fahren. Danach sehe ich nur noch blaue Flaggen", bestätigt Glock. Wirth giftet: "Das Überrundenlassen kostet uns vier bis fünf Sekunden pro Runde." 2011 ist als Lehrjahr abgehakt. "Nächstes Jahr hilft uns das Reglement. Mit dem flachen Diffusor beginnt alles bei Null. Und die großen Teams müssen sich auf 350 Mitarbeiter runter schrumpfen", hofft Nick Wirth.

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