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Formel 1: Renault-Pilot Vitaly Petrov exklusiv

"Ich will Kubica schlagen"

Vitaly Petrov Foto: xpb 22 Bilder

Vitaly Petrov bringt Russland auf die Landkarte der Formel 1. Im Interview mit auto-motor-und-sport.de spricht der Renault-Rookie über seine Probleme auf dem Weg in die Königsklasse, seine ersten Testkilometer und die Ziele für seine erste F1-Saison.

08.03.2010 Michael Schmidt

Was ist in Russland in den letzten vier Wochen passiert?
Petrov: Ich war seit der Bekanntgabe meines Vertrages für zwei Tage in Russland. Das Echo ist unglaublich. Den ersten Tag habe ich sechs Stunden, den zweiten acht Stunden lang mit Interviews verbracht. Ich war in allen TV-Shows. Ganz Russland sprach über das Thema.

Welchen Stellenwert kann Motorsport jetzt in Russland erreichen?
Petrov: Vorne stehen Eishockey und Fußball. Motorsport war nicht existent. Wir haben keine Rennstrecken, keine Rennsporthistorie, keine Rennfahrerschulen. Das wird sich ändern. Motorsport kann in die Top 5 der Sportarten aufsteigen.

Wurden die Grand Prix in Russland live übertragen?
Petrov: Ja schon, aber nur das nötigste. Da wird jetzt natürlich ausgebaut.

Sie haben erst mit 17 Jahren mit Motorsport begonnen. Wie groß ist der Nachteil gegenüber der Kart-Generation?
Petrov: Kein anderer der aktuellen Fahrer hat so spät wie ich begonnen. Ich habe viele Jahre meiner Jugend verschwendet. Ich hatte vielleicht mehr Zeit für das Privatleben, aber dafür kann ich mir nichts kaufen. Als ich anfing, waren meine heutigen Kollegen schon vollwertige Rennfahrer. Wer aus dem Kart in ein Rennauto steigt, der kennt die Grundbegriffe in dem Sport. Ich musste alles von Null lernen. Hätte ich mich im Kart vorbereiten können, wäre ich schon vor fünf Jahren ein Formel 1-Fahrer geworden.

Wann sind Sie Ihr erstes Rennen gefahren?
Petrov: Im Alter von 14 Jahren in meinem Opel Astra. Natürlich noch ohne Führerschein. 50 Fahrer aus ganz Russland hatten sich eingefunden, und ich war der jüngste von ihnen. Ich landete auf dem 14. Platz. Danach bin ich nur sporadisch gefahren. An eine Rennkarriere dachte ich erst vor fünf Jahren.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie gut genug sind, ein Profirennfahrer zu werden?
Petrov: Als ich 2005 in Russland zwei Meisterschaften gewann, merkte ich: Hier verschwendest du nur Zeit. Seit ich GP2 fahre, arbeite ich wie ein Profi. Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich eines Tages in der Formel 1 landen könnte. Ich wusste aber, dass ich ohne harte Arbeit nicht dorthin kommen würde. Reif für die Formel 1 bin ich erst seit 2009.

Nico Hülkenberg bezeichnet Sie als harten Arbeiter. Versuchen Sie die verlorene Zeit aufzuholen?
Petrov: Ich muss alles in komprimierter Zeit lernen. Seit 2005 lebe ich mit meinem Team. Ich habe immer in der Nähe der Fabrik gewohnt und war so oft wie möglich dort. Hin und wieder habe ich sogar als Mechaniker gearbeitet, um das Auto besser zu verstehen. Selbst wenn ich mit meinem Renningenieur Essen gehe, dann dreht sich alles nur um den Job. Wie wir das Setup des Autos optimieren können, welchen Reifendruck wir fahren sollen. Ob ich im Restaurant oder in der Disco bin, in meinem Kopf gibt es nur den Rennsport.

Werden Sie jetzt nach Oxford in die Nähe der Renault-Fabrik ziehen?
Petrov: Zurzeit wohne ich noch in Valencia, aber ich denke über einen Umzug nach Oxford nach. Das hängt davon ab, wie oft ich überhaupt in Europa bin und wie lange die Pausen sind. Die meiste Zeit bin ich mit dem Team auf Reisen. Vielleicht ist es in der Formel 1 wichtig, dass ich die Pausen zum Ausspannen nutze.

Sie sind dreieinhalb Jahre GP2 gefahren. Ergab sich vorher kein Formel 1-Job?
Petrov: Ich habe erst in meiner ersten GP2-Saison verstanden, was es bedeutet, einen richtigen Rennwagen zu fahren. Meine Gegner waren Kart-Weltmeister. Ich musste den Erfahrungsrückstand zu denen erstmal aufholen. Ich wusste, dass ich erst in die Formel 1 aufsteigen kann, wenn ich in der Lage bin, diese Jungs zu schlagen.

War der Sprung in die Formel 1 so groß wie Sie es erwartet haben?
Petrov: Ich habe mich gut vorbereitet. Im Simulator, in Gesprächen mit den Ingenieuren. Ich war bereit. Es ist das eingetreten, was ich erwartet hatte. Natürlich hat ein Formel 1-Auto mehr Power, bessere Bremsen, mehr Abtrieb als ein GP2, aber nichts, was mich aus den Schuhen gehauen hätte. Nach ein paar Runden schon habe ich verstanden, wo ich noch Zeit verliere. Ich fühle mich schon zuhause. Jetzt kommt das Feintuning. Um das letzte rauszuholen, musst du dich im Auto hundertprozentig wohl fühlen. Das Fahren ist nicht wirklich schwierig. Das Schwierige ist das Drumherum. Die Entwicklungsarbeit. Das Setup. Die Vorbereitung auf ein Rennen.

Wie schwierig ist es für Sie, plötzlich mit einem Team von 450 Leuten zusammenzuarbeiten?
Petrov: Das ist schon etwas Neues für mich. Du musst die wichtigen Leute rausfiltern, und das sind deine zwei Ingenieure. Der für das Auto und der für die Daten. Mit denen musst du dich blind verstehen. Du musst denen klar machen, was du vom Auto willst. Die wissen dann schon, zu welchen Leuten im Team diese Information hin muss.

Was ist Ihr Ziel: Auf Teamkollege Robert Kubica nicht mehr als eine halbe Sekunde verlieren?
Petrov: Ich will ihn schlagen. Aber dazu muss ich erst einmal lernen. Ich kenne die Rennstrecken außerhalb Europas nicht.

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