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Vorgetäuschte Ausfälle

Der Trick mit dem Getriebe

Jenson Button GP Bahrain 2012 Foto: McLaren 25 Bilder

Nicht jeder Getriebewechsel bedeutet einen Getriebeschaden. Nicht jeder Ausfall einen technischen Defekt. Manche Gebrechen werden aus taktischen Gründen vorgetäuscht. Um in einen anderen Getrieberhythmus zu kommen oder ein technisches Facelift früher zu bringen.

26.04.2012 Michael Schmidt

Der GP Bahrain begann für Williams mit einer schlechten Nachricht. Nach dem GP China wurden an beiden Autos Schäden am Kegel-Tellerrad des Differentials festgestellt. Hersteller Hewland hatte in einer bestimmten Serie einen Bearbeitungsschritt vergessen. An einigen Zähnen wurden Risse festgestellt.

Die Williams-Ingenieure überlegten lange hin und her, nicht nur wegen der Strafversetzung um fünf Startplätze bei einem Getriebewechsel. Sie wussten, dass die gleiche Serie des schadhaften Teils auch in dem Ersatzgetriebe eingebaut sein würde. Hewland kann neue Kegel-Tellerräder erst zum GP Spanien liefern.

Williams-Duo mit neuem Getriebe in Barcelona

Nach dem Freitagstraining wurde entschieden, das stärker beschädigte Getriebe im Auto von Pastor Maldonado zu tauschen. Deshalb musste der Venezolaner fünf Startplätze zurück. Mit dem Tausch in Bahrain darf Maldonado auch in Spanien ohne Strafe ein komplett neues Getriebe einbauen lassen. Dann mit intakten Innereien.

Bruno Senna bog drei Runden vor Schluss in die Boxengasse ab. Der Brasilianer lag ohne Aussicht auf WM-Punkte auf Platz 14. Offiziell wurden starke Vibrationen wegen Bremsproblemen rapportiert. Senna hätte die drei Runden sicher noch zu Ende fahren können. Sein Ausfall war taktischer Natur. Jetzt kann Williams auch bei ihm in Barcelona eine neue Kraftübertragung einbauen und die Zitterpartie hat ein Ende.

Auch Jenson Button sah die Zielflagge nicht. Der Engländer verlor kurz vor Schluss einen möglichen sechsten Platz wegen eines Reifenschadens links hinten, vermutlich ausgelöst durch einen gebrochenen Auspuff. Die heißen Gase haben den Reifen beschädigt. Eine Runde später stand Button trotz einer Bestzeit in Sektor zwei erneut an den Boxen. Offiziell wegen eines Problems am Differential. Auch dieser Ausfall hatte vermutlich taktische Gründe, denn Button lag auf Rang 13 ohne die Hoffnung, noch in die Punkteränge vorzustoßen.

Button mit taktischem Ausfall

Button kann jetzt mit einem neuen Getriebe in Barcelona antreten, was aus zwei Gründen sinnvoll ist. Es reduziert das Ausfallrisiko. McLaren hatte in diesem Jahr mit Lewis Hamilton bereits ein Getriebeproblem, das den Weltmeister von 2008 in Shanghai fünf Startplätze gekostet hat. Und möglicherweise hat McLaren auch Modifikationen im Heck in der Hinterhand, die ein neues Getriebe erfordern. Da ein Getriebe fünf Rennen lang halten muss, hätte Button ohne seinen Ausfall in Bahrain bis zum GP Monaco warten müssen.

Das Wettrüsten geht mit dem GP Spanien in seine erste heiße Phase. Jedes Team wird mit massiven Änderungen antreten. Da Barcelona der fünfte Grand Prix des Jahres ist, sind Modifikationen im Bereich Getriebe für all jene tabu, die in den ersten vier Rennen ins Ziel gekommen oder nach einem Getriebetausch in einen noch ungünstigeren Rhythmus geraten sind. Zum Beispiel Hamilton.

Das trifft an der Spitze aber auch auf Sebastian Vettel, Mark Webber, Fernando Alonso, Nico Rosberg, Kimi Räikkönen und Romain Grosjean zu. Nicht aber Jenson Button und Michael Schumacher.

Schumacher mit Vorteil in Barcelona?

Im Fall von Mercedes wurde am Sonntagmorgen der Draht der Versiegelung des Getriebes von Schumacher durchschnitten. Dieser Vorgang erfüllt bereits den Tatbestand eines Getriebewechsels. Schumacher darf nun in Barcelona mit einem neuen Getriebe fahren. Dabei handelt es sich um ein komplett neues Gehäuse aus Karbon. Mercedes speckt also im Heck Gewicht ab, um die Hinterreifen pfleglicher zu behandeln. Man nimmt an, dass die Kraftübertragung zudem schlanker baut und zugleich mehr Freiraum für die Aerodynamiker bei der Gestaltung des Hecks lässt.

Den Vorteil in Barcelona hat nur Schumacher. Nico Rosberg muss sich noch bis zum GP Monaco gedulden, bis er auch in den Genuss des neuen Getriebes kommt. Es sei denn, im Training zum GP Spanien ereilt ihn ein Getriebeschaden.

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