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Vorlage zum Rush-Film

So lief die Saison 1976 wirklich

James Hunt GP Japan 1976 Foto: Wolfgang Wilhelm 19 Bilder

Der Kinofilm Rush ist das Tagesgespräch unter den Motorsportfans. Wie viel Wahrheit und wie viel Fiktion steckt in dem Streifen von Ron Howard und Peter Morgan? Wir erzählen die Geschichte einer unglaublichen Formel 1-Saison noch einmal nach. Das passierte 1976 wirklich.

02.10.2013 Michael Schmidt

Rush-Regisseur Ron Howard ist ein Profi. Er hat schon 2 Oscars gewonnen und mit seinem Film Apollo 13 bereits einmal einen ähnlichen Stoff verfilmt. Die Grundstruktur des neuen Formel 1-Filmes basiert auf einer wahren Geschichte. Doch die Realität ist Hollywood nicht immer gut genug. Im Fall Rush musste selbst Howard zugeben: "Die Story ist so krass, dass ich ohne Vorwissen nach dem Durchlesen gesagt hätte: sehr gut erfunden."

Der Star-Regisseur musste nicht mehr viel übertreiben, hat es an einigen Stellen der Dramaturgie zuliebe aber dann doch gemacht. Zum Beispiel beim Fahrerbriefing vor dem GP Deutschland 1976, bei dem Niki Lauda eine Absage erzwingen will, von seinen Kollegen aber überstimmt wird. In Wahrheit hat es diese Sitzung nie gegeben. Über das Schicksal des Nürburgrings und des Rennens wurde schon Wochen vorher diskutiert und entschieden. Die Nürburgring-Befürworter setzten sich gegen den Rebellen Lauda durch.

Lauda 1976 Favorit, Hunt nur Außenseiter

Wer den Film gesehen hat, weiß also im Groben, wie die Saison 1976 abgelaufen ist. Doch was ist wirklich passiert? Wir skizzieren den Verlauf des Duells Niki Lauda gegen James Hunt noch einmal nach. Es war ein Jahr der Kontroversen. Niki Lauda, Titelverteidiger im Ferrari 312 T2 gegen McLaren-Neuzugang James Hunt im M23D. Der haushohe Favorit gegen den krassen Außenseiter.

Beide Autos waren über den Winter weiterentwickelt und den neuen Regeln angepasst worden. Lauda legte los wie die Feuerwehr. Mit vier Siegen in den ersten sechs Rennen. James Hunt gewann den GP Spanien, wurde aber disqualifiziert, weil sein McLaren 1,8 Zentimeter zu breit war. McLaren ging in Berufung und bekam den Sieg zwei Monate später gegen Zahlung von 3.000 Dollar zurück. Argument: 1,8 Zentimeter sind kein Wettbewerbsvorteil. Enzo Ferrari schäumte. Er sprach von käuflicher Sportjustiz.

Tatsächlich brachte die Spur-Verkleinerung und der damit verbundene Umbau des Ölkühlers von der rechten Motorseite unter den Heckflügel McLaren in böse Verlegenheit. Drei Rennen lang ging bei McLaren nichts, und keiner wusste warum. Bis man bei Testfahrten draufkam, dass der neu platzierte Ölkühler die Anströmung des Heckflügels störte. Also Kommando zurück. Da führte Lauda bereits mit 55:8 Punkten. Beim GP Frankreich gewann Hunt gleich zwei Mal. Auf der Strecke und am grünen Tisch. Zusammen mit den Punkten von Spanien stand es plötzlich nur noch 52:26.

Stunk bei Hunts Heimspiel in Brands Hatch

Nächstes Rennen, nächster Stunk. Ausgerechnet bei Hunts Heimspiel in Brands Hatch. Nach einer durch Clay Regazzoni ausgelösten Startkollision und dem Abbruch des Rennens mogelte sich Hunt mit repariertem Unfallauto in die Startaufstellung. Er hätte dort gar nicht sein dürfen, weil er die erste Runde nicht beendete.

Hunt erzwang seinen Start, die Zuschauer forderten lautstark seine Teilnahme. Zur Belohnung siegte der Nationalheld vor Lauda. Zwei Monate später nahm ihm die FIA die neun Punkte wieder ab und erklärte Lauda zum Sieger. Ferrari hatte mit Rückzug gedroht, probte in Österreich durch Startverzicht den Aufstand.

Lauda saß 35 Sekunden in den Flammen

Dann kam der Nürburgring. Es war die Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Lauda, der am meisten vor den Risiken eines Rennens auf der Nordschleife gewarnt hatte, bei einem Unfall am Bergwerk fast zu Tode kam. Ursache ungeklärt, hieß es zunächst. Lauda erfuhr später, dass die Aufhängung gebrochen war.

Das Auto fing Feuer, Lauda wurde der Helm vom Kopf gerissen und er saß ungeschützt 35 Sekunden in den Flammen. "Ich verdanke mein Leben Arturo Merzario, der das Gurtschloss aufbrach und mich aus dem Auto zog", erinnert sich Lauda. Der Österreicher schwebte vier Tage zwischen Leben und Tod.

Das Comeback 42 Tage danach

42 Tage nach dem Unfall gab er in Monza sein Comeback und trug die Narben der Feuerhölle des Nürburgings wie eine Kriegsverletzung im Gesicht. In der Zwischenzeit hatte Hunt zwei Rennen gewonnen und den Rückstand auf 14 Punkte verkürzt. Enzo Ferrari bat Lauda sein Comeback zu verschieben. Die Niederlage wäre leichter zu erklären gewesen, wenn er im Bett blieb.

Doch der vom Tode Auferstandene bäumte sich auf, ertrug den Medizincheck in Mailand und auch Carlos Reutemann, der gegen alle Abmachungen als dritter Mann verpflichtet worden war. Platz vier, drei Punkte. Lauda wurde wie ein Weltmeister gefeiert. Hunt flog von der Strecke. Die Tifosi bewarfen den Engländer mit faulem Obst.

Freunde wurden für drei Rennen zu Feinden

Aus Lauda und Hunt wurden Gegner, obwohl sie Freunde waren. Die Umstände hatten das Klima vergiftet. Als die Sicherheit der kanadischen Strecke von Mosport zur Debatte stand, ließ Hunt Lauda im Regen stehen: "Mich interessiert nur noch der Titel. Dafür fahre ich auf jeder Strecke."

Lauda ging mit drei Punkten Vorsprung in das Finale in Fuji. Es war die Pointe einer Saison, die von einem Extrem ins andere fiel. Das Drama musste mit einem Drama zu Ende gehen. Lauda stieg nach zwei Runden in strömendem Regen aus. Aus nackter Angst, sich in dem Blindflug umzubringen. Der Nürburgring-Film lief ein zweites Mal vor seinem geistigen Auge ab.

Noch war die Schlacht nicht geschlagen. Lauda führte mit 68:65 Punkten. Hunt brauchte einen vierten Platz. Er lag an der Spitze, fiel nach einem Reifenplatzer und einem Stopp von 27 Sekunden auf Rang 6 zurück und kämpfte sich eine Runde vor Schluss wieder auf Platz 3 nach vorne.

Großes Chaos, unvollständige Rundentabellen, kein Funkverkehr: Als Hunt an die Boxen rollte, glaubte er das Titelrennen verloren zu haben. Er war sauer und schimpfte seine Mannschaft Versager. Sein Team jubelte. Das machte Hunt noch wütender. Teamchef Teddy Mayer rief seinem Champion zu: "It's you, James." Lauda erfuhr von der Niederlage am Flughafen in Tokio.

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