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Vorschau GP Australien 2013

Auftakt-Lotterie im Albert Park

Sebastian Vettel GP Australien 2012 Foto: xpb 60 Bilder

Mit dem GP Australien haben die Test-Spekulationen endlich ein Ende. Alle elf Teams müssen ihre Karten aufdecken. Wer hat am besten gepokert? Wir sagen Ihnen alles, was sie zum ersten Rennen des Jahres wissen müssen.

13.03.2013 Tobias Grüner

Nach 36,970 Testkilometern in Barcelona und Jerez wird es jetzt endlich ernst. In Melbourne geht es am Wochenende erstmals in diesem Jahr um WM-Punkte. Spätestens im Qualifying muss jeder die Hosen runterlassen. Die Zeit der Taktiererei ist vorbei. Die Fans und Experten sind gleichermaßen gespannt: Wer hat im Winter die besten Fortschritte machen können?

Bei den Testfahrten war oft nicht zu erkennen, wer pokert und wer reifenbedingt einfach nicht schneller kann. "Unbewusstes Schattenboxen" nannte Sebastian Vettel das Herumrollen mit körnenden Gummis auf viel zu kaltem Asphalt. Pirelli versprach Besserung in Australien. Die Hitze und der nicht ganz so aggressive Asphalt im Albert Park sollten die Probleme lindern. Doch die Wetterprognose verheißt nichts Gutes: Am ganzen Wochenende herrscht Regengefahr. Das Thermometer soll kaum über die 20°C-Marke klettern.

Pirelli Videoteaser GP Australien 2013
GP Australien 2013: Virtuelle Runde mit Pirelli 2:01 Min.

Prognosen sind bei den unbeständigen Bedingungen nur Kaffeesatzleserei. Selbst die Teams haben meist keine Ahnung, wo sie sich in Australien im F1-Kräfteverhältnis einsortieren werden. Ein Gewinner der Lotterie steht allerdings schon fest: der Fernsehzuschauer. Die Fans bekommen im Frühstücksprogramm (Rennstart: 7 Uhr) aller Voraussicht nach einen spannenden Krimi mit einigen Überraschungseffekten geboten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einer der Außenseiter das große Los in der Melbourne-Lotterie ziehen wird.

Die Strecke: Albert Park Circuit Melbourne

Die eckige Strecke im malerischen Albert Park hat schon einige dramatische Rennen produziert. Obwohl es sich nicht um einen Straßenkurs im eigentlichen Sinne handelt, werden Fehler hier hart bestraft. Die Kiesbetten sind tief, die Mauern gefährlich nahe. Der späte Rennstart um 17 Uhr Ortszeit sorgt zudem für schwierige Sichtverhältnisse durch die tiefstehende Sonne und das Schattenspiel der Bäume. Die DRS-Zonen befinden sich gleich zu Beginn der Runde auf der Start-Ziel-Geraden und dem Vollgasstück zwischen den Kurven drei und vier. Hier gibt es auch die besten Überholmöglichkeiten.

Fast Facts:

Höchste Querbeschleunigung: 3,5 g (für 0,5 Sekunden in Kurve 11)
Längste Vollgaspassage (Zielgerade): 14 Sekunden
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 16 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 35 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 60
Vollgasanteil auf einer Runde: 62 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 80 km/h (Kurve 15)
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 230 km/h (Kurve 5)
Distanz von der Startlinie bis zur ersten Kurve: 290 Meter
Top-Speed: 312 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 210 km/h
Spritverbrauch: 2,5 Kilo/Runde (67 Liter/100 km)
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,46 Sekunden
Reifenverschleiß: 3/5

Das Setup für den GP Australien:

Die vielen engen Kurven verleihen der Hatz durch den Albert Park einen Stop & Go-Charakter. Die entscheidenden Faktoren sind hier eine gute Traktion und eine ordentliche Bremsstabilität, was auf dem glatten Asphalt nicht so einfach ist. Gefahren wird deshalb mit einer relativ weichen Federung. Das Setup muss aber mit dem stark steigenden Grip über das Wochenende immer an die Streckenverhältnisse angepasst werden.

Trotz einiger längerer Geraden werden die Flügel auf die steilste Stufe gestellt. Abtrieb kann man in den vielen Kurven von Melbourne gar nicht genug haben - vor allem auf der Vorderachse. In den engen Kehren neigen die Autos zum Untersteuern. Es ist deshalb wichtig, dass die Front auch dorthin fährt, wo der Fahrer hinlenkt. Wichtig ist in diesem Jahr die Behandlung der Reifen: Bei Hitze muss der Supersoft-Gummi möglichst geschont werden. Bei kalten Bedingungen müssen die Pirellis möglichst konstant auf Temperatur gehalten werden.

Die Updates:

Viel Zeit hatten die Teams nach dem Ende der Testfahrten zur Entwicklung und zum Bau neuer Teile nicht. Genau sieben Tage vor dem ersten Freien Training musste das komplette Material mitsamt den Autos per Luftfracht auf den Weg geschickt werden. Trotzdem haben fast alle Teams angekündigt, pünktlich zum ersten Rennen noch einmal nachzulegen. Das Problem: In den beiden Trainings am Freitag bleibt nicht viel Zeit zur Erprobung.

Die wechselnden Bedingungen bei den Testfahrten in Barcelona sorgten dafür, dass viele Teams noch am Basis-Setup für Melbourne arbeiten müssen. Mit dem Supersoft-Gummi hat noch kaum ein Team experimentiert. Da hält die Erprobung neuer Teile nur unnötig auf. Williams hat dennoch bereits angekündigt, dass man zwei grundlegend unterschiedliche Aero-Pakete testen will. Besonders gespannt sind wir, ob sich ein Team traut, sein passives DRS-System auszupacken. Red Bull, Mercedes, Lotus und Sauber hatten damit bei den Wintertests experimentiert.

Die Favoriten:

Wie schon erwähnt gleicht die Suche nach den Favoriten einem heiteren Ratespiel. Mercedes machte bei den Testfahrten in Barcelona auf eine schnelle Runde einen guten Eindruck. Vor allem der gute mechanische Grip scheint eine der Stärken des Silberpfeils zu sein. Das kann bei den vielen langsamen Kurven im Albert Park hilfreich sein. Besonders gespannt sind natürlich alle auf Red Bull. Von Balance-Problemen geplagt verzichtete Weltmeister Sebastian Vettel beim letzten Barcelona-Test auf schnelle Runden.

Ein großes Fragezeichen schwebt auch über McLaren. Jenson Button hat in Australien drei Mal in den letzten vier Jahren gewonnen. Ihn muss man auf der Rechnung haben. Er selbst wäre nach eigener Aussage schon mit einem Podiumsplatz zufrieden. Gespannt sind wir auch auf Sauber. Nico Hülkenberg hatte angedeutet, dass das graue Auto in langsamen Kurven noch nicht ideal liegt. Das könnte in Australien ein Problem werden.

Der große Gewinner im Mittelfeld könnte am Ende Force India heißen. Das Auto hat sich im Vergleich zur Vorsaison nicht groß verändert. Die Ingenieure wissen somit, wie sie auf wechselnde Bedingungen reagieren müssen. Das könnte im Melbourne-Pokerspiel zur Trumpfkarte werden. Bei Toro Rosso, Williams und Sauber befindet man sich immer noch in der Lernphase. Ungewollte Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Expertenmeinung: Paul Hembery (Pirelli-Sportchef)

"Wir bringen die Reifen "Medium" und "Supersoft" nach Australien. Das ist das erste Mal, dass wir diese Kombination für Melbourne nominiert haben. Wir haben uns absichtlich für eine extremere Lösung als im vergangenen Jahr entschieden, aber am Ende sollten trotzdem zwei bis drei Boxenstopps herauskommen - das ist unser Ziel für das ganze Jahr."

"Bei den Testfahrten haben wir einen hohen Verschleiß gesehen, aber der sollte mit wärmeren Temperaturen in Melbourne deutlich geringer ausfallen. Hier sollten die Reifen in ihrem vorgesehenen Arbeitsfenster operieren. Der Albert Park ist keine permanente Rennstrecke, deshalb erwarten wir eine sehr rutschige und "grüne" Oberfläche, wenn wir ankommen. Aber der Griplevel sollte sich stark erhöhen, wenn mehr und mehr Gummi auf die Bahn kommt."

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Australien 2012

Die Entscheidung beim Auftaktrennen 2012 fiel bereits auf den ersten Metern. Jenson Button beschleunigte Teamkollege Lewis Hamilton auf dem Weg in die erste Kurve aus und ließ sich die Spitzenposition in den 58 Runden danach nicht mehr nehmen. Das Duell um Rang zwei ging mit etwas Safety-Car-Glück an Sebastian Vettel. Zum Zeitpunkt der Neutralisation in Runde 36 konnte Vettel direkt zum Boxenstopp abbiegen. Genau vor der Nase von Lewis Hamilton kam der Weltmeister zurück auf die Strecke.

Besonders spannend wurde der Kampf um die Plätze sechs bis zehn. Die Safety-Car-Phase schob die Kontrahenten dicht zusammen. In den letzten 17 Runden gab es einen Positionswechsel nach dem anderen. Am Ende landeten die beiden Sauber-Piloten Kamui Kobayashi und Sergio Perez auf den Rängen sechs und acht, was Platz drei in der Teamwertung einbrachte. Für Michael Schumacher (Getriebe) und Nico Hülkenberg (Kollision) war schon früh Schluss. Hülkenberg schaffte es auch im zweiten Anlauf in Melbourne nicht, die erste Rennrunde zu überstehen.

Die besten Bilder vom spektakulären Australien-Rennen 2012 zeigen wir Ihnen noch einmal in der Fotogalerie.

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