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Vorschau GP Brasilien 2012

Titel-Showdown in Interlagos

Vettel Alonso GP USA 2012 Foto: Red Bull 60 Bilder

Sebastian Vettel oder Fernando Alonso - es kann nur einen dreifachen Weltmeister geben. In unserer Vorschau finden Sie alle Hintergründe zum großen Finale von Interlagos, bei dem auch noch die erfolgreichste Karriere der Formel 1-Geschichte ihr Ende findet.

21.11.2012

Wenn am Sonntag (25.11.) in Sao Paulo um 17 Uhr zum letzten Mal in diesem Jahr die Lichter der Startampel ausgehen, wird ganz Deutschland vor dem Fernseher mitfiebern. Sebastian Vettel hat die große Chance Geschichte zu schreiben und zum dritten Mal in Folge Weltmeister zu werden. Im Alter von 25 Jahren hat das sonst noch niemand geschafft. Alle anderen "Dreifachen" komplettierten den Hattrick erst jenseits der 30.
 
Der einzige Pilot, der das Vettel-Triple noch verhindern kann, heißt Fernando Alonso. Der Spanier reist mit 13 Punkten Rückstand zum Endspiel nach Brasilien. Die Ausgangslage ist somit klar: Wenn Vettel mindestens Vierter wird, ist die Sache gelaufen. Klingt nach einer komfortablen Ausgangssituation. Doch wie schnell eine defensive Strategie zur Titelsicherung in die Hose gehen kann, zeigte Alonso erst vor zwei Jahren, als Vettel ihn im Abu Dhabi-Finale noch abfing. Red Bull hat deshalb bereits angekündigt, voll auf Angriff zu fahren.
 
Für den Deutschen kann am Wochenende allerdings jede Menge schief gehen. In der langen F1-Geschichte von Interlagos finden sich einige Chaosrennen. Alleine bei sechs der letzten zehn Rennen musste das Safety-Car ausrücken. Viele Fans haben auch noch das Wahnsinnsfinale 2008 in Erinnerung, als Lewis Hamilton beinahe eine Sieben-Punkte-Vorsprung verspielte. Erst in den letzten Kurven sicherte er den notwendigen fünften Platz. Damals sorgte das launische Sao Paulo-Wetter für Extra-Spannung. Auch für das Finale 2012 sind über der 20-Millionen-Metropole wieder Schauer vorhergesagt.

Im Schatten des großen Titelduells wird ser Abschied von Michael Schumacher fast zu einer kleinen Randgeschichte. Der siebenmalige Weltmeister wird am Sonntag denn Rennhelm nach dem 307. Start an den Nagel hängen. Bei zuletzt sechs punktlosen Rennen und keiner realistischen Chance auf das Podium sieht Schumi den zweiten Abschied seiner Karriere nüchtern. "Das wird sicher nicht ganz so emotional wie 2006. Es würde mich aber natürlich sehr glücklich machen, wenn ich mit einem starken Rennen "goodbye" sagen könnte."

Die Strecke: Autodromo José Carlos Pace Sao Paulo

Sao Paulo gehört zu den Dinos im Kalender. Schon seit 1972 werden auf der berühmten Strecke in Interlagos (übersetzt: "zwischen den Seen") Grand Prix Rennen ausgetragen. Damals lag die Piste noch im Brachland vor den Toren der Stadt. Mittlerweile hält die Krake Sao Paulo das 4,309 Kilometer lange Asphaltband  fest umschlossen. Der Grand Prix von Brasilien war in seiner Geschichte immer wieder Schauplatz berühmter Schlachten. Unvergessen bleibt der erste Heimsieg von Ayrton Senna 1991, bei dem er sich total erschöpft und von Krämpfen geschüttelt auf das Podium schleppte. Am Wochenende wird die WM übrigens zum sechsten Mal in den letzten acht Jahren in Sao Paulo entschieden.
 
Vom Layout her hat der Autodromo José Carlos Pace alles zu bieten. Lange Vollgaspassagen wechseln sich mit schnellen und langsamen Kurven ab. Die DRS-Zone ist auf der Gegengerade zwischen den Kurven drei und vier untergebracht. Für die Motoren bedeutet die 800 Meter hoch gelegene Strecke wegen des verringerten Sauerstoff-Gehalts in der Luft Schwerstarbeit. Rund acht Prozent weniger Leistung produzieren die Triebwerke, die vor allem auf der langen Bergauf-Zielgeraden fehlt. Eine Neuerung gibt es in diesem Jahr im ersten Streckenabschnitt: Die Kiesbetten in den Auslaufzonen des "Senna-S" wurden durch großzügige Asphaltflächen ersetzt.

Fast Facts GP Brasilien

Höchste Querbeschleunigung: 3,3g (für 3 Sekunden in Kurve 11)
Längste Vollgaspassage: 1.200 Meter (zwischen Kurve 12 & 1)
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 16 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 40 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 43
Vollgasanteil auf einer Runde: 62 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 76 km/h (Kurve 10)
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h (Kurve 15)
Distanz von der Pole Position bis zur ersten Kurve: 200 Meter
Top-Speed: 318 km/h
Spritverbrauch: 1,89 kg/Runde
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,31 Sekunden

Das Setup

Die große Frage der Ingenieure lautet jedes Jahr aufs Neue, ob mal wieder neue Bodenwellen dazugekommen sind. Trotz intensiver Ausbesserungsarbeiten erleben die Teams beim ersten Streckenrundgang immer wieder Überraschungen. Auch ohne die Bodenwellen die Einstellung des Fahrwerks durch das abwechslungsreiche Layout schon kompliziert genug. Aus den langsamen Kurven 8,9, 10 und 12 braucht es gute Traktion und damit eine etwas weichere Abstimmung. Die schnellen Ecken (Kurven 3 bis 7) verlangen dagegen eine stabile Straßenlage. Hier muss der optimale Kompromiss gefunden werden.
 
Bei den Flügeln ist der richtige Mix aus Luftwiderstand und Abtrieb gefragt. Wegen der langen Geraden wird der Heckflügel nicht maximal angestellt. Vorne wird dagegen tendenziell etwas mehr Flügel gefahren, damit das Auto auf der Vorderachse stabil in die schnellen Kurven einlenkt. Für die Bremsen gibt es keine großen Herausforderungen. Nur am Ende der langen Geraden werden Temperaturspitzen erreicht. Auch in puncto Reifen sollten sich die Fans keine besondere Action erwarten. Wie schon in Austin kommen die härtesten Mischungen "medium" und "hart" zum Einsatz. Die Ingenieure befürchten erneut ein Einstopp-Rennen.

Die Updates

Beim letzten Rennen des Jahres werden traditionell keine großen Umbauten mehr an den Auslaufmodellen vorgenommen. Nur sieben Tage nach dem GP USA reisen die Autos praktisch unverändert auf den südlichen Teil Amerikas. Trotzdem bleibt es interessant an der Technikfront. Einige Teams werden wieder Teile für 2013 testen. So experimentiert zum Beispiel Mercedes sicher wieder in Sachen Auspuff. Auch Pirelli betritt Neuland: In den Freitagstrainings dürfen die Teams zu Testzwecken erstmals neue Reifen der Generation 2013 aufschnallen.
 
Bei Ferrari wird es spannend, ob der neue Diffusor wieder zum Einsatz kommt. In Austin hatten ihn die Ingenieure nur am Alonso-Auto montieren lassen. Im Vergleich zu Teamkollege Massa war aber eher ein Rück- statt Fortschritt zu erkennen. Bei Red Bull gibt es im Vergleich zu Austin etwas Neues unter der Haube. Nachdem am Auto von Mark Webber eine Lichtmaschine der älteren Spezifikation zum Ausfall führte, werden die blauen Autos nun mit Alternatoren der neuesten Generation ausgerüstet.

Die Favoriten für den GP Brasilien:

Nur sieben Tage nach dem spannenden Duell um den Sieg in Austin sind Lewis Hamilton und Sebastian Vettel auch in Brasilien wieder die absoluten Top-Favoriten. Seit dem GP Ungarn vor der Sommerpause stand immer ein McLaren oder ein Red Bull auf der Pole Position. Vom reinen Speed her sind beide Autos kaum zu schlagen. Allerdings steht es mit der Zuverlässigkeit nicht zum Besten. McLaren kämpfte in der zweiten Saisonhälfte mit dem Getriebe und Benzinpumpen. Bei Red Bull sorgt immer noch das Thema Lichtmaschine für Unruhe.
 
Das Technikpech der Konkurrenz ist ein Hoffnungsschimmer für Fernando Alonso. Einen weiteren liefert das Wetter. Ist die Strecke feucht, kämpft der Ferrari auf Augenhöhe, wie die beiden Regen-Poles in Silverstone und Hockenheim bewiesen haben. Ein Problem für Alonso könnten allerdings die beiden Lotus-Piloten werden. Im Qualifying bei heißen trockenen Bedingungen scheinen die schwarzen Autos schneller als der Ferrari. So leicht wie am Start von Austin kommt Alonso nicht immer vorbei.
 
Hinter den vier Top-Teams kämpfen Sauber und Mercedes um Rang fünf in der Teamwertung. Zwar haben die Schweizer aktuell klar das schnellere Auto. Doch 13 Punkte in einem einzigen Rennen aufzuholen dürfte schwer werden. Die Silberpfeile sind zwar momentan kein Gegner. Dafür haben Force India und Williams zuletzt konstant gepunktet und Sauber wertvolle Zähler geklaut. Im Kampf um den zehnten Platz in der Konstrukteurswertung benötigt Caterham einen zwölften Platz, um noch an Marussia vorbeizuziehen. Timo Glock hofft deshalb auf ein langweiliges Rennen mit wenigen Ausfällen.

Expertenmeinung: Paul Hembery (Pirelli Sportchef)

"Wir bringen die Mischungen "hart" und "medium" zum letzten Saisonrennen. Diese Kombination hat schon 2011 gut funktioniert, obwohl in diesem Jahr alle Mischungen generell weicher geworden sind. Wir werden auch einige neue Mischungen und Reifentypen für 2013 sehen. Die Teams bekommen im Freien Training die Chance, einige dieser neuen Reifen auszuprobieren. Jedem Auto werden zwei Extra-Sätze zugewiesen."

"Interlagos ist eine der kürzesten aber auch eine der für die Reifen anspruchsvollsten Runden des Jahres. Es gibt große Krafteinwirkungen auf die Reifen, sowohl in Quer- als auch in Längsrichtung. Außerdem besitzt die Strecke einige Höhenunterschiede. Das Wetter ist zudem unberechenbar, was Interlagos zu einem spannenden Schauplatz für das Saisonende macht."

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Brasilien 2012

Vor zwölf Monaten reiste Sebastian Vettel bereits als Weltmeister zum Finale in Brasilien. In Interlagos sicherte sich der Heppenheimer die 15. Pole Position der Saison, womit er einen alten Formel 1-Rekord von Nigel Mansell brechen konnte. Im Rennen verließ den Champion dann das Glück. Wegen eines Problems mit dem Getriebe musste Vettel das Tempo so stark verlangsamen, dass Teamkollege Mark Webber kampflos vorbeiging. Vettel sicherte mit Müh und Not gerade noch den Red Bull-Doppelsieg. Jenson Button im McLaren landete auf Rang drei, nachdem er kurz vor Schluss Fernando Alonso überholt hatte.

Neben Vettel kamen mit Adrian Sutil auf Rang sechs und Nico Rosberg auf der Sieben noch zwei weitere Deutsche in die Punkte. Michael Schumacher landete nach einer Kollision mit Lokalmatador Bruno Senna nur auf Rang 15. Timo Glock fiel schon in der 21. Runde aus, weil seine Mechaniker ein Rad beim ersten Boxenstopp nicht korrekt befestigt hatten.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die Highlights vom GP Brasilien 2011.

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