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Vorschau GP Brasilien 2013

Vettel muss zwei Gegner fürchten

Sebastian Vettel GP Brasilien 2012 Foto: xpb 63 Bilder

Obwohl Sebastian Vettel aus der Formel 1 eine Einmann-Show macht, lohnt es sich den Fernseher für den Grand Prix von Brasilien einzuschalten. Das Rennen in den Hügeln von Interlagos ist immer für eine Überraschung gut. Vettel muss vor allem 2 Gegner fürchten. Wir haben alle Informationen in der Vorschau.

20.11.2013 Tobias Grüner

Sebastian Vettel ist zu einer unaufhaltsamen Siegesmaschine mutiert. Seit dem Ende der Sommerpause ist der Weltmeister nicht mehr zu stoppen. Die eine Hälfte des Fanlagers beklagt sich über die Formel Langeweile. Die andere Hälfte staunt und applaudiert, wenn der junge Heppenheimer von Rekord zu Rekord eilt.
 
Natürlich stehen auch in Sao Paulo wieder historische Bestmarken auf dem Spiel. Vettel könnte mit Michael Schumacher in puncto Siege in einer Saison gleichziehen. Schumi war 2004 im Ferrari 13 Mal in einem Jahr erfolgreich. Auch Alberto Ascari hat der Red Bull-Pilot im Visier. Der Italiener war in den 50er Jahren 9 Rennen unbesiegt geblieben. Auch hier peilt Vettel einen Gleichstand an.

Formel-1 2013 GP Brasilien 1:46 Min.

So einfach wie zuletzt sollte es aber nicht werden. Brasilien ist immer für eine Überraschung gut. Das beginnt schon beim Wetter. Für das ganze Rennwochenende sind teils heftige Schauer vorhergesagt. In diesem Jahr kamen die Regenreifen übrigens noch gar nicht im Rennen zum Einsatz. Intermediates reichten bislang immer aus.
 
Neben dem unberechenbaren Wetter hat Vettel noch einen zweiten großen Gegner: Mark Webber fährt das letzte Rennen seiner F1-Karrirere. Der Australier würde Vettel in Sachen Rekordjagd sicher liebend gerne in die Suppe spucken und sich mit einem Sieg verabschieden. Red Bull hat übrigens noch nicht verraten, in welcher Form das Team Goodbye sagt. Wir erwarten zumindest eine nette Sonder-Lackierung des RB9.

Die Strecke: Autodromo José Carlos Pace Sao Paulo

Sao Paulo gehört zu den Dinos im Kalender. Schon seit 1972 werden auf der berühmten Strecke in Interlagos (übersetzt: „zwischen den Seen“) Grand Prix Rennen ausgetragen. Damals lag die Piste noch im Brachland vor den Toren der Stadt. Mittlerweile hält die Krake Sao Paulo das 4,309 Kilometer lange Asphaltband fest umschlossen. Der Grand Prix von Brasilien war in seiner Geschichte immer wieder Schauplatz berühmter Schlachten. Unvergessen bleibt der erste Heimsieg von Ayrton Senna 1991, bei dem er sich total erschöpft und von Krämpfen geschüttelt auf das Podium schleppte.
 
Vom Layout her hat der Autodromo José Carlos Pace alles zu bieten. Lange Vollgaspassagen wechseln sich mit schnellen und langsamen Kurven ab. In diesem Jahr sind 2 DRS-Zonen – auf der Ziel- und der Gegengerade – für noch mehr Action eingerichtet worden. Für die Motoren bedeutet die 800 Meter hoch gelegene Strecke wegen des verringerten Sauerstoff-Gehalts in der Luft Schwerstarbeit. Rund acht Prozent weniger Leistung produzieren die Triebwerke, die vor allem auf der langen Bergauf-Zielgeraden fehlt.

Fast Facts GP Brasilien

  • Streckenlänge: 4,309 km
  • Rundenanzahl: 71
  • Durchschnittstempo: 200 km/h
  • Top-Speed: 310 km/h
  • Höchste Querbeschleunigung: 3,3g (für 3 Sekunden in Kurve 11)
  • Längste Vollgaspassage: 1.200 Meter (zwischen Kurve 12 & 1)
  • Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 16 Prozent
  • Anteil der Geraden an einer Runde: 40 Prozent
  • Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 43
  • Vollgasanteil auf einer Runde: 62 Prozent
  • Geringste Geschwindigkeit: 76 km/h (Kurve 10)
  • Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h (Kurve 15)
  • Distanz von der Pole Position bis zur ersten Kurve: 200 Meter
  • Spritverbrauch: 1,75 kg/Runde (58 Liter/100km)
  • Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,31 Sekunden

Das Setup

Die große Frage der Ingenieure lautet jedes Jahr aufs Neue, ob mal wieder neue Bodenwellen in Sao Paulo dazugekommen sind. Trotz intensiver Ausbesserungsarbeiten erleben die Teams beim ersten Streckenrundgang immer wieder Überraschungen. Auch ohne die Bodenwellen ist die Einstellung des Fahrwerks durch das abwechslungsreiche Layout schon kompliziert genug. Aus den langsamen Kurven 8,9, 10 und 12 braucht es gute Traktion und damit eine etwas weichere Abstimmung. Die schnellen Ecken (Kurven 3 bis 7) verlangen dagegen eine stabile Straßenlage. Hier muss der optimale Kompromiss gefunden werden.

Bei den Flügeln ist der richtige Mix aus Luftwiderstand und Abtrieb gefragt. Wegen der langen Geraden wird der Heckflügel nicht maximal angestellt. Vorne wird dagegen tendenziell etwas mehr Flügel gefahren, damit das Auto auf der Vorderachse stabil in die schnellen Kurven einlenkt. Für die Bremsen gibt es keine großen Herausforderungen. Nur am Ende der langen Geraden werden Temperaturspitzen erreicht. In puncto Reifen sollten sich die Fans keine besondere Action erwarten. Wie schon in Austin kommen die härtesten Mischungen „medium“ und „hart“ zum Einsatz.

Die Updates

Beim letzten Rennen des Jahres werden traditionell keine großen Umbauten mehr an den Auslaufmodellen vorgenommen. Nur sieben Tage nach dem GP USA reisen die Autos praktisch unverändert auf den südlichen Teil Amerikas. Nur an der Reifenfront wird es interessant. Pirelli bringt erstmals Prototypen-Reifen (Mischung Medium) für 2014 an die Strecke, die im Freien Training ausprobiert werden dürfen. Schon im Vorjahr hat sich gezeigt, wie wichtig der kurze Test für die Entwicklung des Autos ist. Einige Teams hatten Steifigkeit und Walkverhalten falsch eingeschätzt. Wenn es aber wie erwartet regnen sollte, tappen alle im Dunkeln.

Die Favoriten für den GP Brasilien:

Es braucht keine Glaskugel, um Sebastian Vettel nach 8 Siegen in Folge wieder als ersten Sieganwärter zu nennen. Aber wie eingangs erwähnt, hält sich Sao Paulo nicht immer an das vorgeschriebene Drehbuch. Erinnern Sie sich nur an die Titel-Zitterpartie im Vorjahr. Vettel kämpfte hart um jeden Punkt. An der Spitze tauchte plötzlich Nico Hülkenberg im Force India auf. Auch in diesem Jahr ist der Rheinländer wieder ein Kandidat für Überraschungen. Vor allem im Regen ist Hülk in Interlagos stark. Unvergessen bleibt, wie er in seiner Rookie-Saison im Williams mit weitem Vorsprung auf Pole Position fuhr.
 
Ansonsten muss Vettel die meiste Gegenwehr vom eigenen Teamkollegen erwarten. In Austin hätte es Mark Webber beinahe geschafft, dem Weltmeister die Pole Position zu klauen. Dann wäre das Rennen wohl ganz anders gelaufen. Von den anderen 20 Piloten muss Vettel sonst nur Romain Grosjean im Lotus fürchten. Der Franzose schaffte es in Texas immerhin einen Red Bull zu schlagen. Für seinen ersten Grand Prix-Sieg muss aber alles passen. Teamkollege Heikki Kovalainen hofft nach dem Technikpech zuletzt auf Punkte, damit Lotus vielleicht doch noch einen Angriff auf Rang 3 in der Teamwertung starten kann.

Expertenmeinung: Ex-Formel 1-Pilot Jean Alesi

„In Interlagos fühlt man sich als Fahrer wirklich in das Geschehen integriert. Das hört sich erstmal unlogisch an. Aber es gibt tatsächlich einige Strecken, auf denen man nur von Kurve zu Kurve fährt. Den Unterschied in Brasilien muss man einfach erleben. Obwohl der Asphalt schon einige Male erneuert wurde, ist er immer noch recht uneben. Außerdem wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren. Diese Faktoren führen zu einer besonderen physischen Belastung der Piloten.“
 
„Ich habe die Atmosphäre in Interlagos immer geliebt. Die Fans sind absolut fantastisch, daher ist es ein toller Ort für Rennen. Das Wetter kann in Interlagos recht wechselhaft sein, daher bereiten sich die Teams immer auf alle Eventualitäten vor. Der Schlüssel zum Erfolg ist der richtige Rhythmus: Wer den findet, reduziert Reifenverschleiß und erhöht die Performance. Ich habe es in der Vergangenheit auf das Podium geschafft und weiß, man muss sofort ein gutes Gefühl für die Strecke entwickeln.“

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Brasilien 2012

2012 kam es in Interlagos zum großen Titelshowdown. Zum 6. Mal in 8 Jahren wurde der Weltmeister in Brasilien gekürt. Am Ende durfte Sebastian Vettel wieder mal den Zeigefinger in die Höhe strecken. Ein 6. Platz reichte dem Heppenheimer zum Titel-Hattrick, weil Jenson Button das Rennen gewann und Fernando Alonso nur Zweiter wurde. Die Weltmeisterschaft hing für Vettel allerdings lange am seidenen Faden. Nach einer Kollision in der Startrunde mit anschließendem Dreher kämpfte sich der Deutsche mit stark beschädigtem Auto wieder zurück nach vorne. Die Fans bekamen ein dramatisches Finale zur besten Sendezeit geboten.

An der Spitze sorgte vor allem Nico Hülkenberg für gute Unterhaltung. Der Rheinländer war im Force India lange auf sicherem Podiumskurs unterwegs, roch sogar am Sieg. Doch eine Kollision mit Lewis Hamilton beim Kampf um die Spitze mit anschließender Durchfahrtsstrafe warf den Emmericher in der 48. Runde schließlich auf Rang 5 zurück. Die besten Bilder des spannenden Interlagos-Krimis – mit Regen und Safety-Car – zeigen wir Ihnen noch einmal in unserer Fotogalerie.

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